Ich und meine Apple Watch
Kathrin Bierling

Ich und meine Apple Watch

Kathrin Bierling Apple Watch Modepilot

Kritiker der Apple Watch verstehe ich nicht.

Ich bin kein Technik Geek, aber neugierig bin ich und ich möchte ungern Innovationen verpassen, die mir meinen Alltag angenehmer gestalten. Eine Smartwatch trage ich erst, seitdem es eine von Apple gibt. Jetzt kann ich davon ausgehen, dass das Produkt so durchdacht ist, dass auch ich es intuitiv benutzen und Freude daran haben kann.

Und so ist es auch seit knapp einer Woche. Kritikpunkte, z.B. zum Nutzfaktor, die ich online und in Zeitungen lese, kann ich nicht ernst nehmen. Denn zusammenfassend lässt sich über die Apple Watch sagen: Sie kann alles, was andere Armbanduhren auch können. Nur noch viel mehr!

Wer von Push-Notifications oder dem nur bei Bewegung anspringenden Display genervt ist, schreibt seinen Test zu früh. Makulatur! Welche Komplikationen (= Zusatzfunktionen einer mechanischen Uhr, wie z.B. Datumsanzeige oder Jahreskalender) genutzt werden und welche nicht, hängt vom Besitzer und seinen Einstellungen ab.

Das schwarze Display lässt sich mit einer kleinen, ruckartigen Handbewegung anwerfen – wo ist das Problem? Und, dass ich die Uhr abends ablege und aufladen muss, halte ich auch für einen überschaubaren Aufwand. Ich lege sie auf eine kleine, weiße Scheibe, die sich – magnetisch angezogen – sofort unter das Gehäuse heftet und gut ist.

Ladegerät Aufladegerät Apple Watch Modepilot
Magnetisches Aufladekabel von Apple für die Apple Watch

Ich empfinde es als äußerst angenehm, mein Handy in der Tasche lassen zu können. Früher hielt ich es in der Hand, wenn ich von einem Termin zum nächsten ging oder, wenn ich am Flughafen unterwegs war, damit ich keine Gate-Änderung oder Terminverschiebung verpasse. Jetzt sehe ich mein Handy seltener.

Heute las ich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass es höflicher sei, auf sein Handy zu schauen als auf seine Armbanduhr, denn der Blick zur Armbanduhr würde seinem Gegenüber suggerieren, dass man sich langweilen würde. Mag sein. Der Blick auf ein Handy wird dadurch aber nicht höflicher.

Die Tatsache, dass man einkommende Anrufe oder Nachrichten als wichtiger einstuft als ein laufendes Gespräch ist nicht das Problem eines Smartphones oder einer Smartwatch, sondern des mangelnden Respekts. Das Handy hat bei einem Termin, bei einem Abendessen und einer Kaffee-Verabredung auf dem Tisch nichts zu suchen. Und der Blick zur Armbanduhr ist und bleibt unhöflich. Es sei denn, man trägt gerade eine neue Apple Watch. Dann sind eintreffende Nachrichten am Handgelenk für alle Anwesenden spannend (noch!) – auch Kritiker sind dann neugierig und möchten einmal mit dem Gerät spielen dürfen. Aktuell verfügt wohl keine Armbanduhr über soviel Statussymbolik, wie eine Apple Watch und dabei völlig neidfrei. Wie oft habe ich jetzt schon Kellnern mein neues Baby demonstriert, weil sie mich darauf ansprachen – sie warten auf ihre bereits bestellte Uhr.

Und irgendwann ist man an den Impuls gewöhnt, den die Uhr bei Nachricht oder Anruf, etc. auslöst und muss nicht gleich drauf schauen. Dann wird vielleicht dieses neue Apple Produkt neues Gesprächsthema, das ich schon in Flughafen-Wartehallen testete >>>

Noch ein Vorurteil, dem ich immer wieder begegne: klassische Armbanduhren seien viel schöner. Auch das verstehe ich nicht. Isa pocht noch auf dem Handwerk und der Wertigkeit alter Uhren. Sieht sie denn gar nicht, dass die Apple Watch genau das ist, was Uhrenmacher von damals heute entwickeln würden? Würden wir, was Armbanduhren angeht, alle miteinander bei Null anfangen und nun die verschiedenen Varianten zur Auswahl vorgelegt bekommen, dann würden sich die meisten doch eher für dieses minimalistische Design von Apple entscheiden – genau so, wie Kinder ein Spielauto in Porsche-Form bevorzugen (ohne die Marke zu kennen). Bei der Apple Watch lässt sich das Zifferblatt frei wählen, so oft man möchte. An mein Edelstahlgehäuse kann ich ein Sportarmband montieren, dass sich direkt ans Gehäuse anschließt oder ein Edelstahl- oder Lederarmband, das sich klassischer an einem Bügel befindet. Diese hochwertigen, super angenehm zu tragenden und super durchdachten Armbänder sind eine der großen Stärken von Apple, findet Uhrenexperte Joern Kengelbach (Die Welt), mit dem ich eben telefonierte. Er sitzt im Zug und ich vibrierte an seinem Handgelenk – er ist auch ein Fan der Uhr!

"Die Uhr ist viel besser verarbeitet als man sich das von einer Firma, die sich zum ersten Mal in diesem Segment bewegt, erwarten würde," sagt Joern und weiß zu berichten, dass sich auch schon die Uhrensammler dafür begeistern können. Und er macht darauf aufmerksam, dass die Armbänder keinem Schutz unterlegen sind und entsprechend alle Marken mit Apple Watch-Armbändern loslegen können. Wir hoffen auf Hermès.

Theoretisch ließen sich Armbänder dafür auch häkeln und knüpfen. Nur die Rückseite des Gehäuses sollte dabei nicht abgedeckt werden. Schließlich möchte man gelegentlich seinen Herzschlag prüfen oder an andere Träger versenden.

Happy as one can be! Me & my baby! ⌚️Poke me if you can – excuse my #applewatch language ? @applewatching

Ein von Kathrin Bierling (@modepilot_kathrin) gepostetes Foto am

Meine Lieblingsfeautures:

Antwortfunktion auf Kurznachrichten. Am Freitagabend schickte mir ein skeptischer Bekannter zum Test folgende Nachricht: "Bist du lieber Pippi oder Annika?". Mit einem Tipp konnte ich ihm eine vorgeschlagene Antwort meiner Apple Watch schicken. Zur Auswahl standen: "Lieber Pippi", "Annika" und viele mehr.

Passbook. Was ich früher mit dem Smartphone nutzte, nämlich Boarding ohne Papierticket, nutze ich heute mit der Apple Watch: Einfach den aktuellen Flug in der Passbook-App auf der Uhr antippen, runterscrollen und der QR-Code manifestiert sich automatisch auf dem Display. Mit dem umgedrehten Handgelenk muss ich diesen nur noch vom Gerät am Gate scannen lassen. Das Handy kann sich jetzt auch im Rücksack befinden, ich habe die Hände frei, z.B. für den Trolley-Griff, die Zeitung, das Wasser, etc.

Anruf-Annahmefunktion. Ich muss nun mein Handy nicht mehr bereit halten oder in meiner Tasche kramen, um auf Anrufe so oder so zu reagieren. Ich kann mit einer Berührung dran gehen und mitteilen, dass ich gerade unterwegs bin und mich später melde. Oder! Ich kann meine rechte Hand ganz diskret auf die Uhr an meinem linken Handgelenk legen und damit den Klingelton meines Handys verstummen lassen. Kommt ja vor, die Stummschaltung vergessen zu haben und dann lärmt das Handy in der unmöglichsten Situation aus den Tiefen einer Handtasche. Alles kein Problem mehr!

Scribbels mit anderen Apple-Watch-Trägern austauschen. Zugegeben das ist etwas verspielt, macht aber richtig Laune, vor allem, wenn man schon etwas geübt ist und auch längere Nachrichten in selbst gezeichneten Bildern versenden kann. Schreibschrift kommt damit auch endlich wieder zum Zug.

Scribble Heart Herz Apple Watch Modepilot

Natürlich ist es anfangs eine Gewöhnungsfrage, wie sehr man sich von eingehenden Nachrichten ablenken lässt und zu Anfang ist es schwierig, beiden Welten die ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken: dem tatsächlichen Gegenüber und den Ereignissen am Handgelenk – für jemanden Multitasking-Unfähigen, wie mich, eine echte Herausforderung. Aber letztendlich liegt es an mir, wie ich die neuen Möglichkeiten für mich nutze und nutzen kann, nicht an der Uhr.

Designer Karl Lagerfeld, den die Welt/Icon zitiert mit "Ich benutze sie nur als Uhr. Ich werde mit Sicherheit keine Informationen darauf laden, ich weiß ja gar nicht, was dann damit geschieht," trägt seiner Sonderausfertigung in Gold. Model Sebastian Jondeau (sein Bodyguard und Assistent) postete dieses Foto von Lagerfelds Handgelenk vor drei Wochen auf Instagram:

1st apple watch specially made for KarL !! Amazing !!! Thanks #apple !!!!!! @karllagerfeld

Ein von Sebastien Jondeau (@bentoub) gepostetes Foto am

Fotos: Modepilot, Apple, Instagram

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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