Drei Designtipps von der Romanian Design Week

Aktuell läuft in Bukarest die rumänische Designwoche, noch bis zum 27. Mai. Die lohnt sich allein schon deshalb, weil man hier auf Designer trifft, die etwas ganz Erfrischendes haben: Optimismus. Für viele der Designer kann die Zukunft nur besser aussehen. Hier jammert keiner über ein schwindendes Geschäft, denn es gab kaum welches. Wer nichts zu verlieren hat, ist freier. Die Zukunftslust kommt gepaart mit einer Huldigung fürs Handwerk, das ich bei westlichen Designern, vor allem bei jüngeren, oft schmerzlich vermisse.

Allerdings! Man muss die Designer mit Fragen löchern, ihnen geradezu hinterher jagen. Denn hier drängt sich keine Markenphilosophie auf. „Wir sind es nicht gewohnt, für uns zu sprechen”, erklärt mir eine Schmuckdesignerin und spielt auf die kommunistische Erziehung an.

Carla Szabo trägt am Eröffnungsabend zwei magnetische Broschen aus Eichenholz und Spiegel: ein Minuszeichen über der linken Brust und ein Pluszeichen über der rechten. „Drück hier, wenn ich lauter sprechen soll”, sagt sie und lacht.

Louder!

Carla Szabo demonstriert mir nach einem Drink ihre wirklich schön gearbeiteten Broschen (siehe nächstes Foto)…
Herman ist ein Anhänger aus Sterling-Silber mit beweglichem „Joystick”
Auf ihrem Blog veröffentlicht die Designerin hinreißende Erwachsenen-Comics

Herman ist ein Anhänger aus Sterling-Silber mit beweglichem „Joystick”

Auf ihrem Blog veröffentlicht die Designerin hinreißende Erwachsenen-Comics

„Wir brauchen Alina und Andrei”, sagt Carla weiter. Die beiden Veranstalter, ein Ehepaar, sorgen dafür, dass sich die Kreativen zusammentun, sich austauschen und locken potentielle Geschäftspartner in die Stadt. „Zeig ihr, was Du sonst noch machst”, sagt Alina Gavrilă-Borţun (ganz oben auf dem Aufmacherfoto links). Daraufhin lerne ich Herman kennen, eine silberne Anhängerkette mit beweglichem „Joystick” – was für eine Idee!

Hier geht es zu Carla Szaba in den Onlineshop >>> und hier zu ihrem Blog >>> mit den schön gezeichneten Kurzgeschichten, bei denen man u.a. lernt, dass Ha-Ha!-Stan am Arsch von Europa liegt.

Oláh Gyárfás hat mit der Produktion seiner Entwürfe gerade kurzfristig aussetzen müssen, erzählt er, aber er möchte bald wieder starten. Der Designer, der 2012 die rumänischen Olympiade-Athelten einkleidete, druckst herum, wirkt ein wenig zerstreut, ist zurückhaltend. Doch da muss er jetzt durch – Dafür sorgt Alina.

Zwischendurch schleppt sie auch die Modechefin der rumänischen Elle an. Sie sei die best vernetzte Modefrau, die sie kenne. Margescu sucht erst einmal Modepilot auf Instagram. Dann stellt sie fest, dass sie dem deutschen Modeblog bereits folgt, ich freue mich, alles Wesentliche ist geklärt und sie verabschiedet sich wieder. Irgendwie fühle ich mich unangenehm an die großen Modewochen von Paris und Mailand erinnert und wende mich wieder den virtuell weniger Vernetzten zu: Sie sind nun auch mit Instagram beschäftigt, aber irgendwie anders. Gyárfás muss Alina erklären, warum sie sein Instagramprofil nicht einsehen kann. Gemeinsam stellen wir fest, dass Gyárfás ihre jahrealte „Following”-Anfrage erst genehmigen muss, damit sie seine Bilder sehen kann. Er hatte seinen Account auf privat gestellt. Schade eigentlich, denn dort zeigt er mir jetzt Fotos, die er von seinen letzten Modeentwürfen gemacht hat. Ich staune nicht schlecht.

Olah!

Später finde ich seine Jacken in einem Pop-up Store, der für die zehn Tage der Designwoche eingerichtet wurde, und sich gegenüber der Hauptausstellungsfläche befindet. Er liegt auf der 46 Calea Victoriei. Die dunklen Jacken mit Schlitzen, Löchern oder abknöpfbaren Teilen, die aus einer langen Jacke eine kurze machen, kosten jeweils um die 800 Lei, was aktuell ungefähr 172 Euro entspricht. Sie weisen eine Verarbeitung auf, wie man sie kaum findet: 100 Jahre hält so eine Jacke, wenn Ihr mich fragt.

Lana Dumitru zeigte mütterlich umgebundene Kopftücher bereits Anfang 2016, aber cooler als es Demna Gvasalia später tat, in Paris. Auf den georgischen Designer, der es bis zur Kreativspitze von Balenciaga schaffte, ist man hier nur mittelgut zu sprechen. Seinen Vetements-Look findet hier kaum einer originell – eher ein Abbild einer Realität, an die man sich nicht gern zurück erinnert. Eine komische Nostalgie sei das. Als Gvasalia geblümte Kopftücher auf dem Laufsteg für Herbst/Winter 2018 zeigt – zu seinem Altkleidersammlung-Look – war dieser Kopfschmuck bei Dumitru bereits an Baseballkappen befestigt. Richtig so, findet Alina mit der auffälligen Goldbrille. Man müsse so einen Trend doch weiterentwickeln und in einen neuen Kontext setzen, sagt sie.

Die coolen Capscarfs bekommt man bei Lana Dumitru im Onlineshop ab 49 Euro (zuzüglich Versandkosten) >>> Ich schwanke noch zwischen einem dunklen Modell mit Blumenmuster oder der hellen Kappe mit Pixelblumen-Motiv. Was meint Ihr?

Über die Romanian Design Week (kurz: RDW):

Sie findet jährlich im Mai statt, dieses Jahr zum sechsten Mal.

Zehn Tage dauert sie an und besteht aus zahlreichen Ausstellungen für Produkt Design, Kunsthandwerk und Mode. Kunstausstellungen finden gern zeitgleich statt und sind mindestens so sehenswürdig.

Organisiert wird die Designwoche von The Institute, einer Organisation, die sich um die Bekanntmachung der kreativen Kräfte im Land kümmert und neuerdings auch eine Zeitung herausbringt. Für mehr Infos >>>

Photo By: Modepilot
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