Sommer 2018: Die Sache mit den verknoteten Ärmeln

Frühjahr/Sommer ist die Zeit verknoteter Ärmel: um die Hüfte gebundene Jacken, auf den Schultern liegende Pullover. Diese Umbinderei ist jetzt des Designers liebstes Stilmerkmal geworden. Talbot Runhof-Designer Adrian Runhof scherzte mit mir über sein Cruise Collection 2018-Kleid: „Lauter Ärmel und keiner taugt als solcher." Glücklicher Weise darf ich dieses armfreie, aber nicht ärmellose Sommerkleid schon mein Eigen nennen: Man bindet zwei Ärmel über der Schulter (und lässt sie runter baumeln) und zwei andere um die Taille. Für die Frühjahr/Sommersaison 2018 sehen wir auf den Laufstegen viele solcher Zierärmel. Ich liebe diesen Look!

Woher kommt die Ärmel-Deko?

Der Trend bahnt sich seinen Laufsteg-Weg seit circa zwei Saisons (Barbara berichtete >>>). Zunächst sah er nach Original-Neunzigerjahre aus: um die Hüfte gebundene Holzfällerhemden wie wir sie aus der Grunge- und Skater-Szene von damals kennen und seit 2014 auch vom "Street Style" der Blogger >>>. Und Axel Rose hat diesen, seinen Signature-Look für die Guns N' Roses-World Tour wieder ausgegraben. Bei Zara gab es im vergangenen Frühjahr/Sommer einen schwarz-rot karierten Rock mit angenähten Ärmeln als Bindegürtel, aber das sah – aufgrund des Polyesters – ziemlich furchtbar aus >>>

Sommermode 2018

Der geknotete Ärmel passt ins aktuelle Modebild, weil er dem geordneten Kleidungsstück keine Wichtigkeit beimisst. Der Look vom Laufsteg mag eigensinnig wirken, richtet sich aber an die natürlichen Bedürfnisse des Menschen: ein optimales Körperklima und freie Hände sind wichtiger als ein glattgebügelter Anzug. Deshalb bind' den Blazer einfach um! Neulich sah ich einen, der sich sein Sakko feinsäuberlich zusammengeklappt über den Unterarm legte, um ihn zu transportieren. Das wirkte so schrecklich altmodisch!
 

Modefazit mit Annette Weber

Die Mode möchte „praktisch" sein. Ich höre die ehemalige Instyle-Chefredakteurin Annette Weber bei diesem Wort schreien – so war das zumindest früher. Ob das immer noch so ist, frage ich mich, und rufe sie an: „Du, ich muss gerade an Dich denken. Findest Du nicht auch, dass die Mode sehr praktisch geworden ist? Ich weiß, Du hasst das Wort, aber Du trägst ja sogar Kapuzenpulli zur Tiffany & Co. Wies'n (Das Oktoberfest-Event mit den schmucksten Dirndln)." Annette bricht in schallendes Gelächter aus. Dann wird sie ernsthaft: „Ja, da ist was Wahres dran." „Ja, ja, da ist was Wahres dran", murmelt sie weiter. Wir gehen die runtergekrempelten Overalls von Isabel Marant, die verknoteten Anzugärmel von Wang und Sacai und Balenciagas Knopfreihen in Gedanken durch und kommen zu dem Schluss... Das aktuelle Modegefühl lautet: „I don't give a fuck". Und zwar im besten Sinne.
Photo Credit: Catwalkpictures

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