Lese-Tipp: 1 Seite FAZ über Modeblogger
In der FAZ vom Samstag schreibt Alfons Kaiser über Modeblogger, die Chefredakteure in die zweite Reihe verbannen und über Chefredakteure, die von Blogs nichts halten. Immerhin: "Christiane Arp, Chefredakteruin der deutschen Vogue, hat keine Zeit, selbst etwas in Blogs zu suchen. Sie lässt es sich auswählen", steht in der zweiten Spalte. Zum ganzen Artikel
Blogger Bryanboy zwei Plätze neben Anna Wintour (g.r.)
Kaiser schreibt auch von der drohenden Bestechlichkeit, die sich unter Modeblogs breit macht. Tavi ist begeistert von Rodarte und trägt ein Oberteil, das sie von Rodarte geschenkt bekommen hat: Der Autor kann es der 13-jährigen Bloggerin kaum übel nehmen. Kritischer klingt es, wenn Kaiser mit den Worten des 23-jährigen Blogger Bryanboy (der einen Fuchspelzmantel von Dolce & Gabbana bekam) den Artikel beendet: "Die beste D&G-Show, die ich je gesehen habe!"
Wer weiß, vielleicht würden wir Modepilotinnen gegen drei Fuchspelzmäntel auch wohlwollender kommentieren. Nur leider können wir uns das jetzt nicht mehr leisten, nicht, nachdem Kaiser uns einen so wohlwollenden Absatz neben all den internationalen Modebloggern von Tommy Ton bis Garance Doré und Scott Schuman widmete. In Kurzfassung und eigenen Worten: Modepilot lehnte ein lukratives Angebot ab, indem es darum ging, gegen Bezahlung Beiträge für ein bekanntes Modelabel zu verfassen und auf Modepilot zu stellen. Hätten die uns mal Pelzmäntel angeboten...
Foto: screenshot der digitalen Zeitungsseite

[...] nun schaue ich nach drei Monaten mal wieder auf die Seite des jungen Pelzliebhabers, um mir seine Kritik zur Chanel-Kollektion durchzulesen und fand statt dessen etwas sehr [...]
der artikel war am samstag nachmittag auch thema bei mir. glücklicherweise hat eine freundin die zeitung am flughafen in die hände bekommen, so hatten wir während zwei stunden flug ein thema.
an bryanboy fand ich peinlich, dass er einen fuchspelzmantel annimmt, aber wehement betont seine reisen und hotels selbst zu zahlen. flug und hotel wären um einiges günstiger und weniger mit einem schlechten nachgeschmack behaftet als das annehmen des mantels.
was ich mich gefragt habe, wie kommt das modeunternehmen auf 1.615€ für zwei posts? wer bitte rechnet sowas aus, und nach welchen massstäben?
Das Thema Modejournalismus und Bestechlichkeit ist ja per se schon ein tolles Thema, nun finde ich es höchst aufschlussreich (aber auch menschlich) dass sich wichtige Blogger wie Bryanboy @ Co. für ein Pelzmäntelchen einkaufen lassen. Das ist doch mal ganz solider Journalismus... Und in jedem Fall günstiger als in den ganzen Printmedien Anzeigen zu schalten. Also, PR-Agenturen, ran an die Blogger - so viel Öffentlichkeit und Ahnungslosigkeit für so wenig Geld, das nenn ich ein wahres Schnäppchen!
Schön, dass wir - dank Dir Kathrin - jetzt wissen, was den Marken Blogger wert sind, hab mich herrlich amüsiert...
@Rene Schaller Keine Ahnung, warum es genau 1615 Euro waren sein sollten. Der Marktwert dürfte jetzt aber gestiegen sein, kommentiert mein Vater nüchtern.
@Ina Genau so ist es. Eine (bislang) glaubhaftere und preisgünstigere Verbreitung der PR-Inhalte können sich Marken gar nicht wünschen. Nur: Du und ich wissen, dass Blog-Leser gar nicht so ahnungslos sind. Das ist ja das Schöne! Hier wird alles schonungslos von den Lesern analysiert: Ich wurde schon als Opfer der Pelz-Lobby-Arbeit bezeichnet. Und, wenn ich eines Tages von meinem neuen Kelly-Bag berichten können sollte, dann werden die positiv geschriebenen Hermès-Beiträge gezählt. Ich freue mich schon...
Hat irgendjemand eine Idee wie stark das verallgemeinerbar ist?