Spliss adé mit dieser neuen Schneidetechnik aus Deutschland?
Kathrin Bierling

Spliss adé mit dieser neuen Schneidetechnik aus Deutschland?

Bislang schnitt Friseurmeister Stefan Pauli die Haare seiner Kundinnen zu 60 Prozent mit der Schere – mit seiner geliebten, extra-scharfen, japanischen Schere. Für die anderen 40 Prozent verwendete er den Calligraphen. Dieser wurde von Frank Brormann in Oelde erfunden und 2011 erstmals in Paris vorgestellt.

„Aber jetzt werde ich dazu übergehen, mehr mit dem Calligraphen zu schneiden, zu 90 Prozent, schätze ich”, sagt Pauli. Warum, möchte ich von ihm wissen.

Schere versus Calligraphy Messer Test Nahaufnahme Spitzen Spliss
Ich mache den Test: die linke Seite lasse ich von Stefan Pauli mit dem Calligraphen schneiden, die rechte mit der Schere

Seine Kundinnen, so berichtet Pauli, bemerken ein weicheres Aufliegen ihrer Haare auf den Schultern, einen Spliss-Rückgang und ein längeres Anhalten des Haarschnitts. Kundinnen, die einen Haarschnitt mit dem Calligraphen erhielten, möchten meist nicht mehr zurück zur Schere. Gleiches berichten unzählige Kundinnen bei anderen Friseuren, sagt der Erfinder des Werkzeugs. Bereits 400 Salons – allein in Deutschland! – wenden den Calligraphy Cut von Brormann an. Ich mache den Test.

Für Pauli selbst ist der Calligraph auch deshalb attraktiv, weil die Handhabung optimiert wurde. Die Klinge sitzt jetzt noch tiefer und ist noch fester verschraubt. Das sorgt für einen sauberen Schnitt bei jedem Ansetzen – kein Abrutschen, keine Toleranzen mehr. Der als ideal bemessene 21°-Winkel ist garantiert. In solch einem Winkel sind übrigens auch Klingen von Nassrasierern angeordnet – „Schnitte um die 20 Grad gelten als die stabilsten”, erklärt mir Pauli.

Elektronenmikroskopischer Vergleich der FH Münster

In einer Studie der FH Münster wurde die Leistung von Brormanns Calligraphen mit jener einer Schere und eines Messers verglichen. Dafür wurden Haarspitzen unter ein Elektronen-Mikroskop gelegt.

Nach einem Schnitt mit dem Calligraphen wiesen die Kanten weniger Absplitterungen auf als mit einer Schere oder einem Messer. Frank Brormann: „Das Haar wird in der Spitze mit dem Calligraphen so exakt und konstant auf dem gleichen Winkel angeschnitten, dass es zu keinen Verletzungen oder Quetschungen der Haarspitze kommt (siehe Galerie oben, Anm. d. Red.). Das Haar bietet so keinen Widerstand beim Kontakt mit z.B. der Kleidung (bei längeren Haaren). Keine Reibung bedeutet kein Spliss. Durch den schrägen Anschnitt kann sich die Haarspitze bei jedem Kontakt biegen und das wiederum bedeutet Bewegung und Bewegung dann Volumen”.

Ich mache den Test: Nur eine Seite bekommt den „Calligraphy Cut”

Modepilot testet: Bei Stefan Pauli lasse ich mir die linke Seite meiner Haare mit dem Calligraphen schneiden und die rechte Seite mit der Friseurschere. Das war am 25. Juli 2018. Jetzt lasse ich mir eine zeitlang nicht mehr die Spitzen schneiden. Denn nach circa zwei Monaten wollen wir die Haarspitzen unterm Mikroskop anschauen und vergleichen. Bislang merke ich (noch) keinen Unterschied, weder im Fall der Haare noch in der Haptik. Aber so schnell entwickelt sich Spliss ja auch nicht – ich werde Ende September wieder berichten.

Fakten-Check:

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  • Der Schnitt dauert bei Pauli ungefähr genau so lang wie mit der Schere. Vielleicht auch deshalb, weil Pauli auch mit der Schere sehr detailgenau arbeitet und dabei eh etwas mehr Zeit in Anspruch.
  • Beim einfachen Spitzenschneiden würde es mit der Schere etwas schneller gehen, sagt Pauli.
  • Pro Kunde verwendet Pauli eine neue Klinge, die ihn circa 2 Euro kostet.
  • Der Schnitt mit dem Calligraphen kostet den Kunden – bei Pauli zumindest – zehn Euro mehr als ein Schnitt mit der Schere.
  • Die Ausbildung für den schwarzen Calligraphen beansprucht zwei Tage.
  • Pauli besitzt den nächst höheren, den silbernen Calligraphen. Den bekommt man, wenn man schon einiges an Erfahrung vorweisen kann.
  • Sobald man andere in dieser Schnitttechnik ausbilden darf, spielt man in der Liga des goldfarbenen Calligraphy-Werkzeugs.

Photo Credit: Frank Brormann

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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