Was sind unsere Kleider eigentlich noch wert?

Die einen schaffen Werte mit ihrer Sammelleidenschaft, z.B. mit Uhren, Platten und Kunstwerken. Andere machen nur Quatsch – so wie wir Modeliebhaber.

Schmeißen wir unser Geld zum Fenster raus, wenn wir es für Mode ausgeben?

Es gibt ein paar Faustregeln. „Sehr modische Teile muss man in der gleichen Saison noch loswerden“, sagt Maria Spilka, die Gründerin der Secondhand-Onlineplattform Mädchenflohmarkt. Damit meint sie, so erklärt sie mir weiter, z.B. die schulterfreien Blusen des vergangenen Sommers und auch die angesagten Statement-Ärmel 2017. Für diese bekommt man im kommenden Jahr kaum noch etwas, vermutet sie. Dafür haben Jacken und Mäntel von klassisch-beliebten Outdoor-Marken wie Canada Goose und Moncler schon seit Jahren einen hohen Wiederverkaufswert, weiß sie zu berichten.

Spoiler Alert: Stricksachen sind eine gute Investition, Marlene-Hosen nicht.

Taschen sind grundsätzlich am wertbeständigsten. Wer seine Kleidung bei H&M kauft und diese mit klassischen Handtaschen von Chanel, Hermès und Louis Vuitton aufwertet, macht – rein wirtschaftlich gesehen – alles richtig. Nur unter „Modeliebhaberei“ zählt dieses Konsumverhalten halt nicht.

Apropos Status-Shoppen: Rockstuds von Valentino (egal ob Taschen oder Schuhe) hätte man im vergangenen Jahr noch schnell verkaufen müssen. Dieses Jahr, so verrät mir Maria, ist die Dionysus-Tasche von Gucci gefragter. Der Hype um die Rockstuds ist vorbei. Hach, das ist aber schade. Jetzt, da doch jedes Premium-Label seine Accessoires genau so gestaltet – mit all den goldfarbenen Pyramiden-Nieten.

Slim-Jeans sind nach wie vor die gefragtesten Hosen – Da sind sich alle Secondhand-Experten einig, die ich im Laufe der Recherchen für diesen Artikel gefragt habe. Ganz schlimm sind weite Hosen zum Weiterveräußern und auch jene, die auf Midi-Länge aufhören, sagt Frau Goettfert. Sie vermutet, dass die niemand kauft, weil sie den Männern nicht gefallen. Da können wir Modeblogger erzählen und zeigen, was wir wollen! Bitter. Ulrike Goettfert führt einen Secondhand-Laden für Designermode namens „Gabin“ in der Münchener Georgenstraße. Bei ihr kann man Dries Van Noten, Alaïa und Pucci Vintage in verständnisvolle, liebende Hände abgeben, aber mit Tommy Hilfiger oder DKNY sollte man ihr besser nicht kommen. Ihr versteht, was ich meine. Sie liebt Mode. Wie wir.

Hilfiger & Co. kann man dafür gut auf eBay loswerden. Das kennt halt jeder und ist auch bei jenen als „Designermode“ bekannt, die bei Hermès nur Gürtel kaufen. Generell gilt aber, dass Hosen und Jeanshosen den größten Wertverfall haben. Für eine Designer-Jeans bekommt man gerade noch 40 bis 50 Euro, auch wenn man kürzlich dafür 200 Euro ausgegeben hat. Ausnahme: Jeanshosen von Vetements. Da kann man immerhin noch mit der Hälfte von den 1000 oder 1.500 Euro rechnen.

Strick: die beste Geldanlage

Und jetzt kommt’s. Das geht gerade richtig gut: Stricksachen. Und zwar sogar solche, die schon Pilling-Knötchen aufweisen. Wirklich. Ich habe so viel gelernt, als ich versucht habe, meinen Kleiderschrank etwas luftiger zu gestalten. Gemusterte Etro-Hosen möchte keiner (außer mir), aber schon leicht durchgescheuerte Kaschmirpullover gehen weg wie warme Hilfiger-Höschen auf eBay. „Bring‘ mir den ganzen Strick, den Du nicht mehr trägst!“, heißt es jetzt. Es ist ziemlich egal, welche Farbe und welcher Schnitt (Pullover, Rollkragen, Cardigan) – Strick wird einem aus den Händen gerissen!

Keilabsätze sind – sogar solche aus schwarzem Leder und von Givenchy – eher etwas für die Altkleidersammlung, musste ich lernen. Angeblich ist auch hier der Grund: Weil Männer keine Keilabsätze mögen. Man wundert sich aber auch schon nicht mehr über die Frauen.

Obwohl sie sich – zumindest, was die Absatzhöhe angeht – emanzipiert haben sollen. Hohe Schuhe kaufen sie gerade nicht. Die Ladenbetreiber der Designer-Secondhandläden berichten, dass alles über fünf Zentimeter zum Ladenhüter mutiert. Ich verstehe es ja. Bei mir stauben die hohen Absätze gerade auch ein.

Fazit: Wie bei jeder anderen Sammelleidenschaft auch, steht der persönliche Bezug zum Objekt im Vordergrund (und nicht der materielle Wert). Erst, wenn die Anhäufung zum Ballast wird/Platz für Neues geschaffen werden soll, wird ein Wiederverkaufswert eventuell interessant. Andere möchten modische Meilensteine vielleicht an ein Museum abgeben (z.B. Vetements-Jeanshosen) oder das Zuviel an Mode ganz einfach spenden, hier geht es zu den Tipps dazu >>>

Photo By: Modepilot
4 Kommentare zu
“Was sind unsere Kleider eigentlich noch wert?”

Kommentar hinterlassen

Your email address will not be published.

Follow our travels on Instagram: