So trägt man seine Tasche heute

Wie wir unsere Handtaschen tragen, sagt viel über uns aus. Über uns Frauen, aber auch über uns als Einzelperson: Haben wir den subversiven Trend erkannt und konnten wir den neuen Code für uns adaptieren? Bei manchen sieht der breite und dekorierte Taschenriemen quer über der Brust noch recht bemüht aus, bei anderen geradezu nachahmungswürdig natürlich! Andere, wie manche Models und Stilvorbild Caroline de Maigret, tragen ihre unscheinbare Lederumhängetaschen in Schwarz oder Braun so, dass man von vorne weder Modell noch Marke erkennt. So 80ies, so cool! (Galerie ganz unten). Wenn mir heute eine ältere Dame diesem 80er Style auf der Straße begegnet, dann denke ich mir: Einfach ausgesessen das Thema, und jetzt ist es wieder angesagt. Aber es sieht dann doch immer leicht anders aus – ganz so unkompliziert ist es natürlich nicht mit den Codes. Welche Handtasche man wann und wie trägt, das zeigen unsere Street Style Stars und Laufstegbilder.

1990er bis 2003: Umhängetaschen an der Seite

Die Taschen hingen uns schon sehr lange die Flanke entlang, als in den 1990ern Orthopäden davor warnten, Umhängetaschen immer einseitig zu tragen, aber es war uns egal. In „Pretty Woman“ (1990) und den darauffolgenden Jahren trugen wir immer noch Umhängetaschen auf Hüfthöhe, aber dann musste was Neues her. Ende der Neunzigerjahre kam Fendi mit der „Baguette Bag“ um die Ecke: eine Kurzriemen-Handtasche, die man wie ein Baguette unter den Arm klemmte. 1997 war das und es passte uns hervorragend in die sexy-sporty-Spice-Girls-Ära. Mit den kurzen Dingern konnte man besser tanzen. Unsere Wirbelsäule verschob und krümmte sich indes weiter (das tut sie auch, wenn die Tasche klein ist und nur einen Lippenstift plus Kreditkarte schwer ist!). Ab 2000 kam die Saddle Bag von John Galliano für Christian Dior hinzu, auch für unter die Achsel. Carrie Bradshaw trug die Modelle in „Sex and The City“ rauf und runter und wir taten es ihr gleich, na klar – egal, ob Modelle von Gucci („Horsebit“), Prada oder s.Oliver…

Tasche „Baguette“ von Fendi, Herbst/Winter 1997
Tasche „Baguette“ von Fendi, Herbst/Winter 1997
Tasche „Baguette“ von Fendi, Herbst/Winter 1997
Tasche „Saddle“ von Christian Dior, Sommer 2000
Tasche „Saddle“ von Christian Dior, Sommer 2000
Tasche „Saddle“ von Christian Dior, Sommer 2000

Tasche „Baguette“ von Fendi, Herbst/Winter 1997

Tasche „Baguette“ von Fendi, Herbst/Winter 1997

Tasche „Baguette“ von Fendi, Herbst/Winter 1997

Tasche „Saddle“ von Christian Dior, Sommer 2000

Tasche „Saddle“ von Christian Dior, Sommer 2000

Tasche „Saddle“ von Christian Dior, Sommer 2000

2017: Das Comeback der Baguette Bag

Plötzlich sehe ich auf Fashion Partys wieder Achselwärmer, z.B. zur spitzen Balenciaga-Schulter. Und Modepilot-Autorin Lisa Riehl (Jahrgang ’88), die sonst nur Jacquemus & Co. shoppt, hat sich gerade eine Vintage Baguette Bag von Fendi gekauft. Isa, gerade 29 geworden, fand das erst merkwürdig, dann doch cool und irgendwie zeitgemäß. Da trifft es sich gut, dass die Baguette Bag in diesem Jahr 20. Jubiläum feiert. Noch hat die Marke Fendi dazu keinen Mucks gemacht, aber da kommt bestimmt noch was! Immerhin wurden schon mal ein paar neue Modelle ins Rennen geschickt: mit längeren und breiteren Riemen zum Quertragen.

Breite, bunte Riemen, auch Guitar Straps genannt, gibt es aktuell zahlreich auch einzeln zu kaufen. Das ist ein Accessoire-Trend. So bieten – neben Fendi – beispielsweise auch Alexander Wang, Anya Hindmarch, Marc Jacobs, Dolce & Gabbana und Valentino welche an:

 

Nullerjahre bis 2013: Henkeltaschen in der Armbeuge

2003 bis 2013 (Anwältinnen in US.-amerikanischen Serien, z.B. „Suits“, „Crazy Ex-Girlfriend“, auch bis 2015): In der Hochphase der It-bag trugen wir unsere Status-Handtasche gern in der Ellenbeuge und damit für jedermann gut sichtbar vor uns her. Die Handtaschen von Balenciaga, Chloé, Hermès oder Louis Vuitton kamen noch vor uns durch die Tür. Sie riefen voraus: Seht her, ich bin ein cooles Balenciaga Biker-Girl. Oder: Ich denke wertbeständig und setze auf das Erbstück von Hermès. Viele Modemarken begannen damals, ihre vermeintlich zukünftigen It-bags an Stars und andere Stilvorbilder zu verschicken. Damit die Taschen auf Paparazzi-Fotos und Street Style Pics dann auch gut sichtbar waren, mussten sie zuvor in Position gebracht werden: volle Breitseite nach vorne, also in der Armbeuge, direkt unterhalb des Starbucksbechers. Schultern und Sehnen litten darunter.

„Speedy“-Handtasche von Louis Vuitton (links), „Paddington Capsule“-Tote von Chloé (rechts), Paris 2010
„City“-Bag von Balenciaga, im Volksmund auch „Motorcycle-bag“ genannt
Noch einmal die „City“-Bag von Balenciaga
„Lady Dior“-Tasche von Christian Dior, Paris 2010
„Lady Dior“-Tasche von Christian Dior, Paris 2010
Birkin-Bag“ von Hermès, Paris 2010
„City“-Tasche von Balenciaga, auch „Motorcycle-Bag“ genannt, New York 2010
Tasche „Alma“ von Louis Vuitton, Paris 2011
„Muse-bag“ von Yves Saint Laurent, Paris 2011
Bloggerin Chiara Ferragni mit der „Libertine“-Tasche von Christian Dior, Paris 2011

„Speedy“-Handtasche von Louis Vuitton (links), „Paddington Capsule“-Tote von Chloé (rechts), Paris 2010

„City“-Bag von Balenciaga, im Volksmund auch „Motorcycle-bag“ genannt

Noch einmal die „City“-Bag von Balenciaga

„Lady Dior“-Tasche von Christian Dior, Paris 2010

„Lady Dior“-Tasche von Christian Dior, Paris 2010

Birkin-Bag“ von Hermès, Paris 2010

„City“-Tasche von Balenciaga, auch „Motorcycle-Bag“ genannt, New York 2010

Tasche „Alma“ von Louis Vuitton, Paris 2011

„Muse-bag“ von Yves Saint Laurent, Paris 2011

Bloggerin Chiara Ferragni mit der „Libertine“-Tasche von Christian Dior, Paris 2011

2014 bis heute: Von Crossbody bis Micro Bag

Was man einmal über unsere jetzige Taschenhalter-Zeit sagen wird, kann ich nur mutmaßen. Wird es die Schultertasche sein, die deutsche „Influencer“ gerade quer und hoch über der Brust tragen? Oder werden es in die Kleidung integrierte, großräumige Taschen sein – das herrliche Abschiedsgeschenk von Designerin Consuelo Castiglioni an die Marke Marni? Ein Zukunftsgedanke. Vielleicht gehen aber auch die Kuvertatsche und die große Clutch in die Modegeschichte, die wir bis Mitte unseres aktuellen Jahrzehnts in der Hand hielten und unter den Arm klemmten. Oder gar die „Micro Bag“?! Hier, was wir aktuell bei den Modeschauen beobachten konnten:

Gar keine Handtasche

Am coolsten (und gesündesten) ist es, ganz ohne Handtasche auszukommen. Siehe nachfolgende Galerie. Eine Jacke, ein Kleid oder ein Mantel mit großen, geräumigen Taschen hilft dabei wie es z.B. Designerin Consuelo Castiglioni für den Sommer 2017 zeigte >>> Frauen emanzipieren sich seit ein paar Saisons nicht nur von High-heels, sondern auch vom Urbild der Sammlerin mit ihrem Körbchen*. Sie sind genau so Jäger und tragen ihre Köcher jetzt am Körper, die Einlasskarte gezückt:

Modepilot Street Style no handbag ohne Handtasche

Frauen emanzipieren sich vom Urbild der Sammlerin mit ihrem Körbchen*. Sie sind Jäger und tragen ihre Köcher am Körper.

Baumelnde Micro Bags

Ein für mich nicht nachvollziehbarer Trend sind die tagsüber getragenen Handtaschen-Miniaturen, auch „Micro-“ oder „Mini-Bags“ genannt. Die Taschen wirken recht albern bis zickig, wenn sie am helllichten Tag an der Hand baumeln. Das sieht man so aber auch nur auf den Modewochen. Woran liegt’s? Die Kleinwaren sind beliebte Geschenke von Modemarken an Multiplikatoren (Redakteure, Blogger). Sie sind Hingucker und damit Lockmittel für Street Style Fotografen – einfach ein gelungener Marketingcoup, auch wenn ich sie lieber abends zu einem Galakleid sehe oder mit einem längeren Riemen quer über den Körper getragen (übernächste Galerie).

Kleine Umhängetaschen

Kleine Handtaschen hängen an längeren Riemen auf Hüfthöhe – wie damals in den Neunzigerjahren – oder quer über dem Oberkörper („crossbody“). In Einzelfällen binden sich Fashionistas diese auch um die Hüften (Bilder in der Galerie). Die eine oder andere Micro Bag mischt sich da unter. Eine meiner Lieblingskombinationen (erstes Foto in der Galerie) zeigt eine aktuelle Baguette Bag von Fendi, die aber eben nicht mehr wie ein Baguette getragen wird.

*Körbchen

Wer sich vom Körbchen nicht trennen kann: keine Sorge. Lange gab es in der Mode nicht so viele Korbtaschen wie für den kommenden Sommer. Und die kann man tragen wie man will, auch in der Armbeuge wie Rotkäppchen – nur das Augenzwinkern dabei nicht vergessen! Die Designer, z.B. Domenico Dolce und Stefano Gabbana, nehmen es auch nicht so ernst – siehe Eistüten-Korbtasche in der Shoppinggalerie.

Photo By: Catwalkpictures

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