Alaïa hat jetzt Internet

Eigentlich ist eine keine Meldung wert, wenn ein Label ankündigt, nun auch online erhältlich zu sein, denn die meisten Marken verfolgen mittlerweile eine Omnichannel-Strategie. Dass Azzedine Alaïa nun seine zeitlose, extrem hochpreisige Ready-to-wear aber ab dieser Woche bei Net-a-porter.com anbietet, ist dann aber doch eine kleine Sensation.

Alaïa: Der Unantastbare

Der Tunesier gilt als einer der bedeutensten Couturiers unserer Zeit. Er ist berühmt für skulpturale Entwürfe (er studierte Skulptur an der École des Beaux-Arts in Tunis), seit den 80er Jahren hat er den Spitznamen „King of Cling“ (to cling: kleben, klammern), weil seine Stretch-Kleider wie eine zweite Haut sitzen. Er hat sich dem Modesystem immer verweigert: Er arbeitet konzeptionell, trend- und saisonunabhängig. Viele Entwürfe finden sich, in leicht angepasster Form, immer wieder in den Kollektionen. So kann man sie selten einer bestimmen Saison zuordnen, aber immer mit großer Sicherheit sagen: „Das ist Alaïa“. Weil seine Ästhetik so eindeutig ist. Er präsentiert sie engen Freunden und vor handverlesener Presse. Dann, wenn er Lust dazu hat – nicht, wenn es der Schauenkalender diktiert. In dem Industriegebäude im Pariser Marais-Viertel, in dem er lebt und arbeitet, gibt es zwar eine Boutique, Schaufenster hat sie allerdings nicht.

Seine Arbeit ist so zeitlos, dass er selbst sein Alter (wohl so Mitte 70) nicht verrät. Für ein Portait bei ELLE löchterte ich vor Jahren seine Pressestelle nach dem Geburtsdatum, als Antwort erhielt ich: Er bezeichne sich als „Pharao der Mode“, alterslos. Dass er sich nun vollständig an die schnelllebige Online-Welt wagt, muss ein großer Schritt für ihn sein. Bisher konnte man nur seine Schuhe und Taschen online kaufen, ebenso wie das erste Alaia-Parfüm, das 2015 lanciert wurde (Wir waren dabei>>>), nachdem er über 10 Jahre (!) daran herumgetüftelt hatte. Weil Barbara es einmal so treffend fomulierte, zitiere ich hier ihre Worte: „Er scheut Personality-Rummel, lehnt Angebote der großen Modekonzerne ab und puselt in seinem Atelier im Marais-Viertel in Paris zu versteckt vor sich hin, sodass nur Eingeweihte seinen Laden finden können. Alaïa postuliert den Anti-Fashion-Kommerz. Seine Mode ist halb der Kunst zuzuordnen, wahnsinnig teuer, wahnsinnig bearbeitet.“

Aber auch ein Meister wie Alaïa, der seit über vier Jahrzehnten als Designer arbeitet, muss am Ende mit der Zeit gehen, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch, um nicht „zu“ unsichtbar zu werden. Er hat einen treuen Kundenstamm auf der ganzen Welt. Diese Frauen kennen und lieben Alaïa, sie kaufen seine Mode immer wieder. Dass sie das auch online tun möchten, kann man langfristig nicht verhindern, z.B. wegen der zahlreichen „Re-Commercer“-Plattformen für Second-Hand-Mode. Nur kann Alaïa dort nicht beinflussen, wie seine Marke präsentiert wird (Bildqualität etc).

Alaïa bei Net-a-Porter

Alaïa x Net-a-Porter Spring 2017 Campaign
Alaïa x Net-a-Porter Spring 2017 Campaign
Alaïa x Net-a-Porter Spring 2017 Campaign
Alaïa x Net-a-Porter Spring 2017 Campaign
Alaïa x Net-a-Porter Spring 2017 Campaign
Alaïa x Net-a-Porter Spring 2017 Campaign
Alaïa x Net-a-Porter Spring 2017 Campaign
Alaïa x Net-a-Porter Spring 2017 Campaign

Ab sofort kann man also die Beauty-Produkte und seine Ready-to-wear-Kollektion bei Net-A-Porter.com kaufen, insgesamt 60 Teile. Darunter sind auch seine legendären Strickkleider mit ausgestelltem Rockteil, die massenhaft kopiert werden.

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Lesetipp: Alexander Fury hat ein wunderbares Portrait für den „Independent“ geschrieben.

Photo By: Net-a-Porter.com

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