Das kleidsame Kleid

Warum behaupten eigentlich so viele Menschen, dass nichts eine Frau mehr schmückt als ein Dirndl? Vielleicht, weil es wirklich stimmt: Es steht jeder Frau in jedem Alter und mit jeder Figur. Darum greifen immer mehr Damen nicht nur während des Münchner Oktoberfests zum traditionellen Dirndl-Gewand, sondern auch bei festlichen Anlässen wie Hochzeiten oder Taufen. Dass das Interesse für die feminine Tracht vor allem bei den jungen Damen steigt, verwundert nicht. Die Mode zelebriert aktuell die Weiblichkeit: Volants, Rüschen und elegante Kleider dominieren die Laufstege.
Inspiriert davon zog ich zur großen Eröffnungsparty der Jean-Paul Gaultier-Ausstellung in München ein Dirndl dem Abendkleid vor. Und obwohl mir die bayerischen Wurzeln als Exil-Hessin fehlen, fühlte ich mich zwischen glitzernden Cocktailkleidern und schicken Anzügen fantastisch: Ich lief mit meinem Trachtengewand „außer Konkurrenz“ beim Outfit-Check durch kritische Blicke. Und genau das ist auch das allerwichtigste Kriterium beim Dirndlkauf, sagt die Trachtenexpertin meines Vertrauens, Gabriele Hammerschick: „Beim Dirndl ist es wie in der Mode – weniger ist mehr und Frau muss sich wohl fühlen!“
Gabriele Hammerschick ist seit 15 Jahren verantwortlich für den Einkauf und Abteilungsleitung der Damentrachten bei Lodenfrey in München, sozusagen die erste Adresse für Trachtenmode. Seit diversen Interviews ist sie meine erste Anlaufstelle rund um Stilfragen zum Thema "Tracht". Uns hat sie die wichtigsten Trends für die kommende Trachtensaison erklärt und Do’s und Don’ts verraten.

Dirndl-Trends 2016

Stil
„Es dreht sich alles rund um das traditionelle Dirndl, um Authentizität, Rückbesinnung auf Tradition und ein hohes Maß an Qualität," sagt Hammerschick. Kreischend bunte Farben, allerlei Chi Chi entsprechen ohnehin nicht meinem Geschmack und haben auch Nichts mit den traditionellen Dirndlkleid gemein. Umso schöner, wenn nun die Nachfrage nach schlichten Klassikern steigt.
Material
„Neben Baumwolle sind Seide, Leinen und Loden die wichtigsten Materialien und können im Mix getragen werden. Leder erlebt in diesem Jahr ein Revival und wird für das Dirndlmieder verarbeitet.“ Der Dirndlrock ist also eher zurückhaltend, die Aufmerksamkeit liegt auf der Bluse: „Materialmix ist diese Saison als Bruch wieder erlaubt, Seiden- oder Spitzenblusen sind die perfekte Ergänzung zum Baumwolldirndl."
Farbtrends
Farben wie Oliv, Kupfer, Taupe und Grau sind bei den Dirndl-Kollektionen die Farben der Saison. Auch Bordeaux und Marine sind als Farbklassiker der Tracht immer sehr beliebt, ebenso wie kontrastreiche Schwarz/Weiß-Kombinationen.
Welche Blusen sind im Trend?
Wer hätte das gedacht: Tiefer Ausschnitt und Holz vor der Hütten sind, so die landläufige Meinung, beim Dirndl unverzichtbar. Doch schon im letzten Jahr sah man immer mehr Frauen (jeden Alters!) mit verhülltem Dekolleté: „Vor allem hochgeschlossene Blusen sind in dieser Saison unverzichtbar. Wer nach einer charmanten Alternative mit Ausschnitt sucht, greift am besten zu einer Bluse mit Kelchkragen“, bestätigt Lodenfrey-Trachtenexpertin Frau Hammerschick. Ein Trend, der mir gut gefällt, weil es so würdevoll aussieht – so wie eine kokette Anstandsdame, die alle Amourösitäten nur deshalb vereiteln kann, weil sie es in Wahrheit selbst faustdick hinter den Ohren hat. Außerdem ein neuer Trend: Bei Dirndlblusen sind diese Saison erstmals Pastellfarben in den gehobenen Kollektionen zu sehen. Wichtig beim Kauf: Vorder- und Rückenausschnitt sollte zum Dirndlausschnitt passen (eckig zu eckig – rund zu rund).
Welche Schuhe trägt man zum Dirndl?
Ich finde derbe Boots und die traditionellen Haferlschuh zum Dirndl als Stilbruch schön. Damit habe ich Frau Hammerschick allerdings fast aus der Fassung gebracht. Sie rät: „Slingback-Pumps mit Kitten Heels oder flache Sandalen mit geschlossener Ferse.“

Im Schnelldurchlauf: Dirndl Do’s & Don’t 

Do
  • Das Design der Bluse sollte entweder ganz reduziert gehalten oder maximal mit einer kleinen Spitze oder Rüsche am Ausschnitt und Ärmelsaum verziert sein.
  • Handbestickte Jacken – links/links gestrickt oder mit Zopfmuster – oder auch eine Stola mit Fransen ergänzen den Trachten-Look, wenn ein kühles Lüftchen weht (oder man noch zur Afterparty in die Clubs weiterzieht). Modische Alternative: Ein Cape.
  • Nicht beim Untendrunter sparen. Ein richtiger Dirndl-BH gibt Halt und Sicherheit.
  • Die Spitze des Unterrocks darf in der Bewegung heraus blitzen.
  • Don’t
    • Dirndl ohne Dirndlbluse ist ein absolutes Tabu!
    • Auch wenn alle Welt gerade Off-the-Shoulder und Carmenblusen trägt: Beim Dirndl haben sie, zumindest wenn man die klassischen Kleiderregeln befolgen will, nichts zu suchen.
    • Mit Accessoires übertreiben. Viele Stylisten raten: Wenn man sich fertig dekoriert hat, wieder ein Teil wegnehmen (z.B. das Klimbim vom Kopf). Das gilt auch für Tracht. Farbtupfer kann man mit einer bunten Tasche setzen.
    •  Das allergrößte No Go: Ein Dirndl das nicht sitzt!
    • Wer sich trotz unseres Dirndl-Guides persönliche Beratung vom Profi wünscht: Am 29. und 30. Juli wird Frau Lanz von der traditionellen Salzburger Trachten-Maßschneiderei höchstpersönlich mit ihrem Team bei Lodenfrey in der Münchner Innenstadt sein (hier geht's zum Facebook-Event): Sie kümmert sich um die Beratung, nimmt vor Ort Maß und man hat sogar die Möglichkeit, ein Lanz-Dirndl selbst zusammenzustellen und Details wie Farbe oder Stoffe auszuwählen. Nach 3-4 Wochen ist dann das maßgeschneiterte Traumdirndl fertig (und Lanz-Dirndl sind wirklich die absolute Premiumliga).
      So, noch Fragen? Achja: Wie war das nochmal mit der Schleifenbindung der Schürze? Das haben wir hier erklärt.
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      Photo Credit: Lodenfrey

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      Kommentare

      • Kristin sagt:

        Sehr schöner Artikel über die Dirndl. Ich möchte beim nächsten Oktoberfest teilnehmen und benötige einen Dirndl. Gut, dass Sie auch die passenden Schuhe zum Dirndl nennen. Denn das hat mir auch große Kopfschmerzen bereitet.