Ausmisten! Oder trägt man das etwa wieder?

Comeback der Ballerinas

Die klassischen Ballerinas mit runder Kappe gehörten in den letzten Jahren zu den bedrohten Modearten. Ihr Überleben wurde nur im Schuh-Schutzgebiet großer Handtaschen gesichert: Sie waren nur noch das Notfall-Paar, wenn der High Heel beim Tanzen drückte. Davor waren Ballerinas der Dazwischen-Schuh: Sneaker trug man zum Sport, Heels zum Kleid.

Die Schläppchen gelten als bequem, also bequemer als Pumps (Was eine große, große Lüge ist. Die schlimmsten Blasen im Leben habe ich nicht turmhohen Stilettos, sondern flachen Ballerinas zu verdanken). Und sie wirken seriöser als Sneaker. Doch so ein „Dazwischen“ ist bekanntlich nie das Wahre. So wie die traurige Rolle des „Zwischenmenschen“, der über Herzschmerz einer großen Liebe hinweg hilft, aber nur eine kurze Epsiode bleiben wird. So sind Ballerinas auch nichts Halbes und nichts Ganzes. Ihre Form mag elegant sein, doch der Gang wird durch sie – nun ja – watschelig, statt grazil. Vermutlich ist das auch der Grund für die Abscheu der Männer gegenüber diesem Schuh. Damenhaft sind Ballerinas darum nicht, außer vielleicht beim Staatsballett, wo sie auch ihren Ursprung haben – mit dünnerer Sohle und aus Stoff.

Ballerina-Botschafterinnen: Kate Moss & Co

Zum Durchbruch als Mode-Klassiker verhalf angeblich Stil-Ikone Audrey Hebpurn, die 1954 in „Sabrina“ in Ballerinas zu sehen war. Zu den prominentesten Botschafterinnern der jüngeren Zeit gehören die Französin I‪nès de la Fressange (eines ihrer Lieblingsmodelle ist der Spangenballerina von Roger Vivier), Kate Moss, die ihr schwarzes Modell von „Pretty Ballerinas“ während der in der Presse dokumentierten Skandal-Beziehung zu Pete Doherty praktisch permanent trug, sowie Katie Holmes, als sie ihren „once-in-a-lifetime-fashion-moment“ hatte und Boyfriend-Jeans etablierte. (Scheint Jahrzehnte her, nicht wahr?)

Trug schon Audrey Hepburn: Ferragamos Vara-Ballerinas

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1978 kreierte Fiamma, die älteste Tochter des 1960 verstorbenen Firmengründers Salvatore Ferragamo, einen flachen Ballerina namens „Vara“. Auf dem Prototyp befestigte sie eine Schleife – ein Provisorium aus Ripsband, das sie zufällig im Atelier fand. Die Flats sollten für die Serienproduktion eigentlich mit einer Lederschleife verziert werden, was der Schuhmacher missverstand. Und so gilt das Ripsband mit goldfarbener Schnalle bis heute als ikonisches Markenzeichen.

Von meiner einst stattlichen Sammlung als Studentin (Standard-Outfit: Ballerinas, blickdichte Strumpfhose, Kleidchen und Blazer) ist exakt ein Paar Ballerinas für oben beschriebenen Anlass (Notfall-Paar) übrig geblieben. Der Rest wurde entsorgt oder verkauft. Stattdessen übernahmen spitze Flats (verlängern optisch das Bein und quetschen an den Zehen gerade genug, so dass man eben nicht gedankenlos watschelt), Loafer und Schnür-Schuhe, kombiniert mit Glitzersöckchen, das Schuhregal.

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Vielleicht auch bald Styling-Partner für Ballerinas: Glitzersöckchen

 

Doch wie immer, wenn eine Mode zu dominant wird, haben wir irgendwann die Nase voll und wehren uns. Nun prognostiziere ich also die Gegenbewegung und ein Comeback der Ballerinas. Sie sind die zarte Antwort auf die klobigen Flatforms (durchgehender Plateau-Absatz) der letzten Jahre und bedienen die aktuelle Sehnsucht nach Unschuld und Romantik, die der Mode gerade ein wahres Fest an Rüschen, Spitze und mädchenhafter Leichtigkeit beschert.

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Die „arty“ Ballerinas: Miu Miu Spring/Summer 2016. Instagram-Renner, fast überall „sold out“

Auch, weil Céline neben den Granny-Schuhen (knautschige Ballerinas mit breitem Absatz) seit der Spring/Summer 2015 Kollektion auch auf flache Ballerinas mit Gummizug  setzt.

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Soft Ballerinas von Céline S/S 2016: jadegrüne Pythonleder-Ballerinas, (860 Euro), darunter tannengrüne und weiße Ballerinas aus Lammleder (420 Euro)

Doch das vielleicht wichtigste Argument für das Ballerina-Comeback: Es gibt, und da sind sich Mann und Frau ausnahmsweise einig, etwas viel Schlimmeres als einen ungelenken Gang: Frauen die über schmerzende High Heels klagen. Dann lieber watscheln.

Absoluter Klassiker | Ballerinas von Roger Vivier via Mytheresa
Die Günstig-Variante von Asos |  Glamorous via Asos
Ballett-Schuhe mit Schleifen-Schnürung | Ballet Beautiful via Net-A-Porter
Anlass für viel Ärger bei Modepilot | Lanvin via Farfetch
Der „Kate Moss“- Ballerina | Pretty Ballerinas via Aboutyou
Der Klassiker von Salvatore Ferragamo | ‚Vara‘ Ballerinas via Farfetch

Photo By: Salvatore Ferragamo, Catwalkpictures
9 Kommentare zu
“Ausmisten! Oder trägt man das etwa wieder?”
  • Liebe Isabelle,

    danke für diesen schönen Beitrag. Ich habe zu Ballerinas auch ein etwas gespaltenes Verhältnis, denn mit Blasen und schmerzenden Füßen habe ich auch schon so manchen langen Nachmittag in diesen Sommerschuhen verbracht. Trotzdem finde ich Ballerinas aber sehr feminin und besitze inzwischen auch noch genau ein Paar, das ich gerne zu Kleidern oder Einladungen trage.

    Apropos Ausmisten: Auf unserem Blog geben wir Tipps zum Kleiderschrank aufräumen! Schaut doch mal vorbei 🙂 http://www.hoseonline.de/blog/kleiderschrank-aufraeumen-mit-system-10-tipps-um-den-kleiderschrank-effektiv-auszumisten/

    LG
    Laura von HoseOnline.de

  • Meine größte Ballerina-Ikone ist und bleibt Amy Winehouse, wobei die ja eher ausgelatschte Balettschlappen anhatte – ich habe mir damals genau solche Schläppchen gekauft.

    • Oh ja…ich verehrte Amy. Leider erinnere ich mich daher zu gut an ihre blutverschmierten Schläppchen…:/

  • Ich liebe Ballerinas von Bloch. Neben klassischen Ballettschuhen fertigt man dort auch straßentaugliche Ballerinas mit sehr schönen, authentischen Details wie Wildledersohlen, durchgehende Schleifenkordel – nicht so ein unmotiviert aufgenähtes Ding wie z. B. bei Pretty Ballerinas. Sarenza hat eine gute Auswahl. Liebe Grüße

  • Ich mag Ballerinas einfach nicht. An anderen können sie gut aussehen, an mir nicht. Machen meine Füße noch kleiner (was mir dann ulkige Proportionen beschert) und verpassen mir so etwas Mädchenhaftes, was nicht zu meiner Selbstwahrnehmung passt 😀 Ich greife da nach wie vor zu Slip-ons. Keine Ahnung, ob man die diesen Sommer noch trägt? Ist aber ohnehin wurscht. Pencil Skirt, lässiges Shirt, und Slip-ons werden auch dieses Jahr meine Sommeruniform sein!

    • Ich finde sie auch albern bei mir – aber da mein Geschmack ein wankelmütiges Miststück ist, renne ich bald wahrscheinlich nur noch in Ballis herum 🙂

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