Massentaugliche Trends der Haute Couture

Die Haute Couture ist das Labor der Mode. Die hohe Kunst der Schneiderei probiert neue Techniken aus und nutzt neuartige Stoffe, die dann – Saisons später, wenn Techniken und Stoffe günstiger hergestellt werden können – auch in Kleider von der Stange umgesetzt werden können. Selbst noch so verrückte Konzepte, wie einst die Teppich-Kollektion von Viktor & Rolf, inspirierte in den folgenden Saisons zahlreiche andere Designer zu ähnlichen Modellen. Umgesetzt wurde die Idee in Wolle oder gar in Kleider, die Teppichen nachempfunden waren.  Siehe auch unser Artikel hier --->>>
Diese Trends können wir aus der aktuellen Haute Couture Saison für den Sommer 2016 für den Massenmarkt analysieren:

Fünf Haute Couture Trends, die masssentauglich sind

Trend: Gefaltet und plissiert

Falten, Wellen, Plissee oder gar von der Origami-Technik inspirierte Techniken sah man bei so einigen Haute-Couture-Kollektionen. Diese, meist sehr kunstvollen Falten in Stoffe zu zaubern, erfordert handwerkliches Know-how und oft auch eine hohe technische Ausrüstung. Dennoch eignet sich der Trend für die Prêt-à-Porter und sogar den Massenmarkt. Im breiten Marktsegment werden die Falten weniger akkurat und weniger elaboriert umgesetzt, aber hier zählt vor allem der modische Effekt auf den ersten Blick und es geht weniger um Details.
 

Trend: Lässige Homewear für draußen

Pyjamas, Negilés, Chemisiers, Nuisettes, Kimonos, Nachthemden, Morgenmäntel und Konsorten:  Auf den Laufstegen der Haute Couture ging es selten so lässig und gemütlich zu. Die hohe Schneiderkunst beweist, dass sie durchaus casual sein kann. Die Mode im Lingerie-Style gab es zwar schon bei den Prêt-à-Porter-Schauen für diesen Sommer zu bewundern. Siehe unser Trendartikel -->>> Doch das Thema wird in der Haute Couture noch weiter gedreht: Die Lingerie-Modelle sind weniger zart, feminin und verspielt umgesetzt als in der Prêt-à-Porter, sondern sind luxuriöser, farbenfroher und prächtiger in Material und Anmutung. Es geht mehr in Richtung Bohème Stil. Fazit: Das Lingerie-Thema ist noch lange nicht passé, sondern startet gerade erst durch.
 

Trend: Dezente Erotik

Die Zeit der nackten Busen auf dem Haute-Couture-Laufsteg sind vorbei. Gut so. Das war mir auch ein bisschen zu viel geworden in den letzten Saisons. Dennoch wird die Haute Couture nun nicht züchtig und der Sexappeal wird nicht versteckt. Statt offensichtlicher Zur-Schau-Stellung mit platter Transparenz ist die Erotik nun smarter verpackt: Bondage-Stil-Elemente, Raffungen mit Durchblicken und mehrlagige, wie auch bestickte Transparenz erlauben zwar noch ein paar Blicke, aber das Stilthema ist viel dezenter und subtiler umgesetzt. Nicht vergessen: Auch am Strand wirkt ein cooler Bikini oft erotischer als ein plattes "oben ohne".
 

Trend: Sportliche Formen

Sport ist einer der wichtigsten Inspirationsquellen der Mode seit einigen Jahren. Bis dato hat sich der Niederschlag der Sportswear in der Haute Couture in Grenzen gehalten. Aber in dieser Saison sah man verstärkt sportliche Anklänge, in Form von halsnahen Sport-Ausschnitten, Bondage im Stil von Gymnastik-Tops, Tank-Tops, Trainingsjacken, kurze, sportliche Shorts oder Jogginghosen mit Gummizug. Interessant ist auch der Regencape-artige Mantel bei Maison Margiela, der an die Plastik-Umhänge für Radler erinnert.
 

Trend: Klein-Mädchen-Kleider

Das ist die Reminiszenz der Haute Couture an die junge Klientel der Töchter, die mit ihrer Mutter zur Anprobe kommen. Es ist wohl der Trend, der am einfachsten in günstig nachzuahmen ist. Kleine A-Silhouetten-Kleidchen, Babydolls, ein paar Rüschen hier, ein paar Spitzeneinsätze da. Man zeigt Knie und Ärmchen. Es ist ein Mix aus Lolita und Prinzessin, der immer gut funktioniert. Bei der Jeunesse dorée wie auch auf der High Street.
 
Photo Credit: Catwalkpictures

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