Exklusiv-Interview mit Edie Campbell

Edie Campbell gehört zu absoluten Topmodels unserer Zeit. Aber die junge Britin ist ein Mannequin, das polarisiert. Sie ist nicht "Everbodys Darling" wie Cara Delevingne, keine Puppe wie Gigi Hadid und auch keine Sexbombe wie Anna Ewers.  Das London Girl, das 2013 zum 'Model of the Year' gekürt wurde, ist bekannt für ihren "Mullet" – ihren 80er-Jahre Vokuhila-Schnitt – und für ihren gerne mal gelangweilten, motzigen Gesichtsausdruck.
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Mal ehrlich: Wer mit SO einer Topfenfrisur und DEM Blick noch immer als Werbe-Ikone begehrt ist, der muss was haben, dass den Titel Mannequin des Jahres rechtfertigt. Das dachte sich wohl auch Yves Saint Laurent Beauté, die Edie als Role-Model für die neueste Version ihres Duftklassikers Opium buchten. Die Kombi aus Miss Campbell und Opium passt: Auch das Parfum polarisierte damals, beim Launch im Jahr 1977, wegen des anrüchigen Namens und der freizügigen Werbung. In der neuen Version, die ab August in die Läden kommt, gibt es jedoch kaum nackte Haut zu sehen, aber dafür bekommt das Parfum eine neue schwarze Seele: Black Opium nennt sich die neue Variante des Skandal-Parfums. Passend dazu trägt Edie nicht nur schwarze Kleider, sondern auch ihre Mullet-Mähne in Schwarz.
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Als wir das 24-jährige Model, das lieber reitet als vor der Kamera zu stehen, im Palasthotel Le Bristol in Paris zu einem Plausch treffen, ist von der dunklen Haarfarbe nichts mehr übrig. Statt dessen entdecken wir eine sehr reflektierte und eher diskrete,  junge Frau in T-Shirt, Jeans und Adidas Superstar, die ihre Worte mit Bedacht wählt und ihr Leben fest im Griff hat.
Modepilot: Im Spot von Black Opium sind sie schwarzhaarig, nun wieder blond. Wie kommt's?
Edie Campbell: Die schwarzen Haare waren gar nicht meine eigene Entscheidung. Bei einem Shoot der italienischen Vogue mit Steven Meisel, kam Steven auf diese Idee. Ich meinte: Super! Weil ich es ehrlich gesagt, eh' mal ausprobieren wollte.  Ich war auch glücklich, dass jemand mir die Entscheidung abnahm.
Wie lange waren Sie den nun schwarzhaarig?
Zwei Jahre. Aber letzten Sommer hatte ich dann genug.
Warum?
Och, ich wollte einfach wieder mal wechseln.
Edie SW klein
Als Sie mit dem Modeln anfingen, hatten sie noch lange Haar. Sind ständige Frisurenwechsel eine Methode, oben zu bleiben?
Definitiv. Die Agenturen wollen eine ständige Veränderung. Und die Leute wollen was Neues sehen. Auch neue Aspekte einer Person kennenlernen. Für mich ist das wichtig, um weiter zu kommen, neue Nischen der Modewelt zu entdecken. Oder um mit Leuten zu arbeiten, die mich vielleicht niemals mit langen Haaren gebucht hätten. Seitdem ich wieder blond bin, habe ich neue Angebote. Wenn man sich selbst verändert, öffnet das neue Türen zum Markt.
Sie haben einen ziemlichen Imagewechsel hinter sich: Beim Start waren Sie noch die „English Rose“, seit den Kurzhaarschnitt gelten sie als Tomboy.
Ehrlich gesagt, war ich nie wirklich eine "English Rose", auch wenn ich so aussah. Die schwarzen und auch kurzen Haare kehrten meine echte Seite heraus. Eigentlich wollte ich immer kurze Haare haben. Ich frage mich heute noch, warum ich so lange gezögert habe.  Es war eine echte Befreiung, nicht immer dieses Kissen an Haare um meinen Hals zu haben. Ich hatte Glück, dass andere meine Persönlichkeit erkannten und mir halfen, Facetten herauszukehren, die mir selbst gar nicht bewusst waren. Mit dem Färben der Haare kam auch der Job mit dem Parfum.
Hilft ihre Familie Ihnen bei solchen Entscheidungen? Ihre Großmutter war selbst ein erfolgreiches Model und ihre Mutter eine bekannte Modejournalistin, bevor sie Innenarchitektin wurde, .
Manchmal. Man geht mit einer Entscheidung schwanger, dann fragt man sich, ob das nun der Moment ist und weiß es nicht. Meine Mutter hat dazu eine gute Lösung parat. Sie sagte immer zu mir: Edie, hab' einfach Spaß. Wenn du zu lange über eine Entscheidung nachdenkst, dann ist es vielleicht nicht die richtige Entscheidung. Meine Familie unterstützt mich voll und das ist super.
Wenn man die Saint Laurent Mode von Hedi Slimane ansieht, dann hat man den Eindruck, sie wären eines dieser typisches neuen YSL-Girls. Finden Sie das auch?
Das neue YSL Girl ist weniger erwachsen und auch weniger glatt. Sie ist spontaner. Ich denke nicht, dass ich ein typisches Opium-Girl bin, sondern einfach eine neue, moderne Frau. Wir sind spontaner und auch "tougher" als die Frauen früher. Daher passt es zu gut zusammen.
Als die Anfrage kam, sagten Sie spontan zu?
Ja, es fühlte sich für mich sofort natürlich an, mit dieser Marke zu arbeiten. Das ist mir wichtig, denn sonst wird es anstrengend. Man verbringt sehr, sehr viel Zeit mit diesen Menschen und sollte sich nichts vormachen: Das ist kein Spaß, das ist Arbeit. Es funktioniert nur dann richtig, wenn es eine aufrichtige Partnerschaft ist. Als Rolemodel muss man das Parfum tragen, die gesetzten Erwartungen erfüllen, an das Produkt glauben. Kann man das nicht, wird es ein verdammt harter Job.
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Nun ist Opium ein orientalisches Parfum. Mögen sie das?
Nicht wirklich. Ich mag sehr gerne natürlich riechende Parfums. Leicht und erfrischend. Vor allem Eau de Toilettes. Aber Black Opium ist eine nette Abwechslung. Es hat auch etwas Florales an sich.
Benutzen Sie es jeden Tag?
Nicht jeden Tag. Wenn ich ausreite mit meinen Pferden, dann trage ich sozusagen "Eau du Cheval" (Pferde-Parfum, A.d.R.).
Riechen Pferde gut?
Oh ja! Ich mag ihren Geruch sehr.
Reiten ist für Sie sehr wichtig. Sie haben bereits mehrmals wichtige Turniere gewonnen, wie den Damenpreis beim "Glorious Goodword"-Pferderennen. Außerdem haben Sie Ihr Studium der Kunstgeschichte mit Auszeichnung beendet, wie auch ihre ersten Sporen im Journalismus verdient bei der englischen Harper's Bazaar und dem LOVE Magazin. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Es ist schwierig, in diesem Job zu sagen, wann die Karriere zu Ende ist. Das Modeln könnte noch zehn Jahre weitergehen, aber es kann auch im nächsten Monat enden. Ich habe für mich entscheiden, so viele verschiedene Sachen auszuprobieren wie nur möglich. Ich habe viele Ideen, bin an vielem interessiert und ich möchte viele Erfahrungen sammlen. Ob ich danach bei einer Zeitschrift arbeiten will oder nicht, das weiß ich im Augenblick noch nicht. Am Ende werde ich auf mein Herz hören. Aber wenn ich in einem Jahr kein Model mehr bin, ist es auch gut. Hauptsache ich habe mich weiter entwickelt.
Als Model fängt man sehr früh an und hat ein komplett durchgeplanten Alltag. Haben Sie keine Angst, danach in ein Loch zu fallen?
Früher hatte ich tatsächlich ein bisschen Angst, dass es plötzlich enden könnte. Aber das ist nicht mehr der Fall. Ängste sind manchmal auch sehr nützlich. Erst durch sie wurde mir klar, wie viele verschiedene Leute ich in diesem Beruf kennenlerne. Man bekommt so viele Möglichkeiten und verschiedene Wege aufgezeigt. Leute geben dir Optionen, etwas zu tun, zu schreiben oder in verschiedenen Berufen zu arbeiten. Man muss nur zugreifen.
Kamen alle diese Angebote nachdem Sie Model of the Year wurden. Hilft der Titel?
Ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht so genau. Die Auszeichnung kam zu einer Zeit kam, wo sich in meiner Modelkarriere alles auf einen Schlag änderte. Ich arbeitete mit Leuten, die wirklich an mir als Person interessiert waren. Ich schnitt mir die Haare ab. Ich wurde dadurch interessant. Plötzlich wollten die Leute wissen, wer ich bin, was mich ausmacht und was ich tue.
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Bei YSL Beauté sind sie nicht nur Rolemodel für Black Opium, sondern auch für das Make-Up.  Wie schminken Sie sich?
Beim Reiten oder auf dem Land brauche ich mich nicht zu schminken. Aber wenn ich in London oder in anderen Städten unterwegs bin, trage ich immer Make-Up auf. Die Klassiker von YSL Beauté, wie Touche Eclat und die Lippenstifte Rouge Pur Couture, hatte ich alle schon vor der Kooperation benutzt. Jetzt, wo ich wieder blond bin, muss ich wieder ein bisschen mehr auftragen.
Echt? Wieso?
Schwarze Haare sind bereits eine starke Message. Dazu passt ein minimales Make-Up mit Eyeliner. Das reicht als Effekt. Mir ist immer wichtig, dass ich mir um mein Make-Up keine Sorgen machen muss. Um zwei Uhr Nachts muss alles noch gut aussehen. Ich will auch nicht, dass mein Gesicht hinter der Schminke verschwindet. Meistens trage ich nur Augen-Make-Up auf:  Eyeliner, brauner, grauer oder aubergine-farbener Lidschatten, Wimperntusche. Je weicher der Effekt, desto besser. Lippenstift finde ich eher schwierig. Aber für ein Diner kann man das auch mal wagen.
Danke für dieses Gespräch.
Edie's Make-Up-Klassiker:
Zum Parfum: Black Opium Eau de Toilette ist ein Akkord aus Cassis, saftigen Birnen, dem Inneren der Mandarinenschale, Jasmin-Tee und Orangenblüte . Nach der floralen Note kommt die schwarze Seele hervor durch aromatische, grüne Kaffeebohnen, weißem Moschus und Weißholz. Der Flakon greift die kantigen Formen des Originals auf. Die schwarze Hülle bekommt durch schwarz glitzernden Diamantstaub einen reflektierenden Glanz.
Preis: Flakon 50 ml ca. 69 € / Flakon 90 ml ca. 99 €, ab Ende August im Handel
Photos by: Craig McDean for Yves Saint Laurent Beauté, Produktfotos: PR YSL Beauté

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