Chanel Couture

Liebe Grüße aus Berlin, von wo wir nach Paris schielen: Gibt es vielleicht bei den Couture Schauen neue Impulse? In Berlin kreisen die Gespräche um eine völlig beliebig gewordene Mode. Trends gibt es allenfalls noch bei den Herren zu beobachten, wie z.B. knielange T-Shirts. Sie machen das Straßenbild kurzbeinig, aber dafür umso lässiger.
In Berlin sehen wir gerade schöne, inspirierende Mode an Menschen, den wir begegnen, weniger auf dem Laufsteg! Lisas Mules, Julianes Outfit, das rückenfreie T-Shirt in Krebsform. Derweil bringt Karl Lagerfeld genau dieses Zeitgeist-Phänomen in Paris auf den Chanel Couture Laufsteg, den er dieses Mal auf einem Casino-Teppich mit Chanel-Logos inszenierte. In dem Chanel-Casino im Grand Palais zeigt er auf die Persönlichkeit geschneiderte Kleider: All seine Musen, von Kirsten Stewart über Rita Ora, Isabelle Huppert bis Julianne Moore erscheinen in speziell für sie gefertigten Roben ("so, wie Karl sie wahrnimmt") und nehmen an den Spieltischen Platz, haben Spaß mit dem Einsatz ihrer Jetons. Topmodels laufen später um die Spieltische und führen Lagerfelds Modevision für Herbst/Winter 2015 vor. Sie tragen das, was weniger individuell ist (alle Models haben die gleiche Perücke auf), dafür aber nach Diktatorentöchterchen aussieht. Lagerfeld zockt nicht: er greift sich die Kohle für die teure Schneiderkunst sicherheitshalber bei den Individualisten und den Mitläufern ab. Überdimensionierte Schulterklappen an Kastenjacken und Abendkleidern sind ein krasses Stilmerkmal, das im Abschlussbild, dem obligatorischen Hochzeitskleid, seine befremdliche Krönung findet. Zusammen mit aufgesetzten Klappentaschen und doppelreihig gesetzten Knöpfen auf dem cremefarbenen Satin stellt sich die Frage: Ist das der Exit aus der Individualität oder aus der Konformität? Vielleicht gibt die Kamelie am männlichen Revers einen Hinweis...
 
Photo Credit: Catwalkpictures

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