Lisa Feldmann wird Chefredakteurin von L'Officiel

Neues High Fashion Magazin für Deutschland

Die Tinte trocknet noch auf dem Vertrag zwischen Jalou Media und Lisa Feldmann, als wir die neue Chefredakteurin in ihrem Urlaub in Italien anrufen und ihr ein paar Fragen zur neuen Aufgabe stellen...
Herzlichen Glückwunsch zur neuen Chefredakteursaufgabe. Freuen Sie sich?
Natürlich! Sehr! Man kann etwas machen, das es so noch nicht gibt, also nicht die nächste Vogue, Elle oder Harper's Bazaar.
Was möchten Sie anders machen?
Was uns fehlt, ist ein Jetzt-Magazin für die urbane, smarte und kritische Leserin im Mode-Bereich. Es hieß immer, Frauen, die sich für Handtaschen interessieren, benötigen keinen weiteren Content; schwierige Reportagen würden sie nicht verkraften. Das sehe ich anders.
Zuletzt waren Sie Chefredakteurin beim Interview Magazin und wir erinnern uns noch sehr gern an Ihre fast zehnjährige Amtszeit beim Schweizer Modemagazin Annabelle – die Inhalte waren immer etwas Besonderes: Interviews, die einem lange im Gedächtnis blieben, weil man Neues erfuhr und Denkanstöße bekam. Bester Journalismus! Das dürfen wir uns nun von L'Officiel erhoffen?
Ich denke ja. Es fehlt aktuell die spannende Modeberichterstattung. Bei den Angelsachsen und US-Amerikanern findet man sie, aber bei uns leider nicht. Schauen Sie sich das "Front Of The book", also die Einstiegsseiten der meisten Modemagazine an: Da werden nur die Anzeigenkunden befriedigt. Ich möchte hier dem Leser etwas bieten. Es gab eine Phase des AD Magazins, unter Margit Mayer, da waren die Einstiegsseiten immer hoch spannend, man spürte, dass jede noch so kleine Story mit Bedacht ausgewählt wurde. Damals habe ich dem Team immer mal wieder eine Mail geschrieben, so begeistert war ich. So etwas bindet einen an ein Magazin!
Lisa Feldmann l'Officiel Modepilot
Welche Chance hat ein Modemagazin heute noch? Wie können Sie potentielle Leser erreichen?
Das ist eine Herausforderung, keine Frage. Um wahrgenommen zu werden und Leser zu erreichen, spielen wir gerade verschiedene Ideen durch, also nicht nur den Kiosk-Verkauf. Für den Verlag ist Robert Sandmann verantwortlich, ich für den Inhalt und alles beginnt mit einem guten Magazin, da möchte ich eben mehr bieten als aktuell zu bekommen ist.
Haben Sie schon eine Idee fürs erste L'Officiel Cover? Soll ein Model, ein Star oder ein Streetstyle-Star darauf?
Tatsächlich ja, aber das werde ich hier wohl kaum verraten, schließlich erscheinen wir erst Ende November! Im Ernst: Ich fange gerade erst an, mir Gedanken darüber zu machen. Generell handhabe ich das aber immer gleich: Die beste Geschichte gewinnt, das spannendste Foto kommt aufs Cover. Das kann ein Star sein oder ein Model – bei Annabelle war es mal ein ganzes Dorf. Die Formel von L'Officiel ist etwas klarer abgesteckt, aber es darf ruhig immer wieder überraschen!
Wie strikt sind die Vorgaben aus dem Mutterland Frankreich, was die Inhalte und Optik der deutschen Ausgabe angeht?
Schaut man sich einmal die Ausgaben weltweit an, dann stellt man fest, dass das Spektrum sehr groß ist. Natürlich sind einige Dinge vorgegeben, die L'Officiel eben auch zu einer international erkennbaren Marke gemacht haben, aber was den Inhalt und die Ausrichtung angeht, ist es sehr frei. Da hat jedes Land seine eigene Auffassung. Ich möchte auch etwas Eigenes machen, das sich mit keiner bisherigen Ausgabe vergleichen lässt – vielleicht ein bisschen von allem. In der französischen Ausgabe hat mir gerade eine Strecke mit Georgia May Jagger sehr gut gefallen. Die hätte ich sofort übernommen.
Ist das mit der Übernahme anderer Inhalte nicht schwierig, da immer zeitversetzt und damit eventuell schon bekannt?
Ach, wissen Sie, bevor ein Kleid, das schon vom Laufsteg weg eine potentielle Karriere im Internet hinter sich hat, in einen gedruckten Heft ankommt, kennen es viele der gut informierten Leserinnen sowieso. Das Wiedererkennen ist nicht unbedingt schlimm. Wichtig ist zunächst die eigene Auswahl, dann aber auch die Art und Weise, wie es präsentiert, damit auch: bewertet wird.
Apropos schon längst bekanntes Kleid: Möchten Sie so ein Kleid nicht gleich schon zeigen können, also online?
Kennen Sie die Schauenamagzine von L'Officiel? So etwas können wir uns auch vorstellen. Über Frequent und Form wird noch nachgedacht, am Ende macht der viel zitierte "Edit" den Unterschied. Unter den aktuell existierenden internationalen Frauen-Magazinen fällt mir da immer wieder Porter Magazine positiv auf.
Da sagen Sie was! Das Porter Magazine hat natürlich doppelten Vorteil. Da es zum Onlineshop Net-a-porter gehört, weiß man dort, was tatsächlich käuflich zu erwerben ist (und wann genau) und man profitiert dort vom Verkauf direkt. Und(!) Modemarken, also die Anzeigenkunden, sind einem Abnehmer, wie Net-a-porter, natürlich viel verbundener als einem klassischen Verlags-Modemagazin, das keine 1000 Kleidungsstücke abkauft und selbst weltweit für solch einen Abverkauf nicht mehr sorgen kann...
Ich meine jetzt nicht die kommerziellen Überlegungen, sondern deren eigener, sehr smarte und interessanter Inhalt, und die Art, ihre Fotografie einzusetzen.
Ihre Wunsch-Anzeigenkunden?
Es sollen Marken sein, die auch im Heft stattfinden. Lieblingskunden habe ich nicht, ich bin da sehr offen. Die Kunden sollen kommen, wenn sie sich im Heft wohl fühlen. Wir haben da natürlich eine schwierige Position, wenn man unser Geschäft mit dem großer Verlagshäuser vergleicht, die ganze Pakete anbieten können.
Wen sehen Sie als direkte Konkurrenz in Deutschland?
Natürlich sind es die großen Player, in diese Reihe gehören wir nun mal: Vogue, Elle, Harper's Bazaar. Aber auch die immer besser gemachten Beilagen der Wochentitel. Dahin sind inzwischen eine Menge Leserinnen ausgewichen, die mir den herkömmlichen Modemagazinen nichts mehr anfangen können. Ich denke hier vor allem an die jungen Frauen.
Welche Magazine lesen Sie?
Das Porter Magazine von Net-a-porter, das wirklich gut gemacht ist, die britische Vogue, SZ-Magazin, Zeit-Magazin, das New York Magazine seit vielen Jahren und die FAS, die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Dazu kommen die entscheidenden Online-Blogs und mein Instagram Account. Alles andere eher unregelmäßig.
Welche entscheidenden Online-Blogs?
Meine Lieblingsblogs/-sites sind BOF (Busisness of Fashion), Dazed, Refinery 29, WWD, Spiegel, Bild, Daily Beast, New York Magazine.
Wie groß wird Ihr Team sein? Wer soll mit an Bord?
Wie das genau aussehen wird, müssen wir noch schauen. Für das Team habe ich schon ein paar Wunschkandidaten, aber da ist noch nichts spruchreif. Jetzt werde ich das optische Konzept erst einmal mit einem Team in New York entwickeln.
Wie können wir uns die Online-Aktivitäten von l'Officiel in Deutschland vorstellen?
Wir planen ein dreiköpfiges Team und in Berlin gibt es eine Menge gute Leute in diesem Bereich. Ich werde dafür mitverantwortlich sein, was mich sehr freut, aber ich werde das nicht alles allein erfinden müssen, da gibt es heute größere Kompetenz in einer ganz anderen Szene. Meinen Instagram-Account werde ich dann aber auf l'Officiel umstellen.
Vielen Dank für das Gespräch.

l'Officiel Geschichte in Deutschland

Bislang lag die Lizenz von L'Officiel Hommes bei dem Verleger Christian Medweth, der L'Officiel Hommes von 2010 bis 2014 unter seinem Madame Verlag herausbrachte. Nun gehören die deutschen Lizenzen gemeinsam dem russischen Unternehmer Alexander Fedotov und dem französischen Mutterhauses Jalou Media Group. Unter Jalou Media Germany entstehen nun l'Officiel Hommes und l'Officiel in Berlin. Das Frauenmagazin wird ab Ende 2015 am Kiosk liegen. Deutscher Verlagschef ist Robert Sandmann, der von der Media Group Medweth kommt, zu der auch der Madame Verlag zählt.
L'Officiel wurde 1921 in Paris gegründet. Zum Vergleich: Vogue existiert in Frankreich seit 1920 und wurde 1892 in den USA gegründet. In Frankreich hat l'Officiel einen ebenso hohen Stellenwert wie Vogue. In Deutschland ist die Marke nur eingefleischten Modeliebhabern bekannt. Die Marke gilt als besonders hochwertiges High Fashion Magazin.
Photo Credit: l'Officiel, Lisa Feldmann

Kommentare

  • Tanja sagt:

    Interessantes Interview!