Kommen Sie doch mal kurz
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Kommen Sie doch mal kurz

Es kann einfach NICHT sein, dass plötzlich so viele Frauen Liebeskummer haben und deshalb einen Termin mit ihrem Friseur gemacht haben. Der dieses Mal nicht nur ein paar Millimeter an den Spitzen wegschnibbeln, sondern richtig rangehen durfte. Tschüss, Wallemähne. Wo man auch hinguckt, überall sieht man in letzter Zeit Frauen mit rispel-raspelkurzen Haaren. Emma Watson war eine der Ersten. Um endlich ihr altklug-spießiges Harry-Potter-Hermine-Image loszuwerden. Und jetzt haben die Stylisten auch den Models auf dem Catwalk einen Pixie verpasst. Siehe Dior oder auch Louis Vuitton oder Stéphane Rolland.

Von langer Mähne zu kurzen Haaren - natürlich kennen wir alle den psychologischen Hintergrund für eine so radikale Typveränderung: Damit wird deutlich gemacht, dass jemand eine Krise überwunden und einen neuen Weg eingeschlagen hat. Schluss mit den Tränen, auf zu neuen Ufern!

Und selbstverständlich ist uns klar, dass eine Frisur Auswirkungen hat, ja, dass sie sozusagen „sprechen“ kann. Psychologen haben herausgefunden, dass Männer viel häufiger als Frauen von der Frisur auf die Persönlichkeit schließen. Kurze Haare wirken schlau, dunkle Haare werden als „zuverlässig“ kategorisiert, blond „billig“ bis „teuer“. Ein Shortcut steht für Intelligenz, ein Updo für Ehrgeiz, toupierte Locken verbinden Männer mit Streitlust und viel Haarspray mit Spießigkeit.

Klar, so eine Milchmädchen- (äähh... Milchmänner-)Psychologie ist absoluter Quatsch und stimmt mit der Wirklichkeit nicht überein. Trotzdem lässt sich nicht von der Hand weisen, dass kurze Haare eine ziemlich große Portion Selbstbewusstsein erfordern. Eine Frau mit einem Pixie fällt in der Masse der Langmähnigen auf – dieser Style ist also nix für graue Mäuse. Hinzu kommt: Frau kann sich nicht hinter ihrer Wallemähne verstecken, wenn sie mal einen Bad Skin Day hat oder einfach nicht gut drauf ist. Kurzhaar-Frisuren rücken das Gesicht ganz klar in den Vordergrund.

Die Frage, wie wir unsere Haare tragen, ob lang oder kurz, hat aber auch etwas mit unserer gesellschaftlichen Stellung und unserem Kulturkreis zu tun. In den 60er und 70er Jahren beispielsweise trugen Männer ihre Haare lang, als Zeichen ihrer Auflehnung gegen die ältere Generation. Und in den vergangenen Jahren prägten Stars und Models ein Frauenbild, zu dem a) ein perfekt trainierter Körper gehörte, b) lange, möglichst dichte und glänzende Haare und c) strahlend weiße Zähne (Veneers! Kronen!) sowie d) High Heels mit mindestens 10-cm-Absätzen. Beginnt sich das gesellschaftliche Bild der Frauen / einiger Frauen zu ändern? Haben diese Frauen es satt, auf die Regeln der Manager, Fitness-Gurus, Stylisten oder Filmindustriebosse oder die Werbung zu hören? Weil sie merken, dass sie langsam alle wie geklont aussehen? Blond, langhaarig, langbeinig, schmal-taillig, weiß-lächelnd ... Das ist doch langweilig, oder? Gäääähn ....

Deshalb hier meine Pixie-Favoriten:

... Emma Watson

... bei Dior

... bei Stéphane Rolland

... noh mal bei Dior

... Anne Hathaway

Fotos: Parisoffice/Modepilot,  catwalkpictures, PR Chanel, PR Lancome

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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