365 Tage ohne Shopping - eine Abrechnung

Nun ist es also vollbracht - ein Jahr lang ohne den Kauf oder Entgegennahme von Geschenken in Form von Kleidung, Schuhen und Accessoires habe ich hinter mich gebracht. Ob das zu schaffen sein würde, daran haben andere und nicht zuletzt ich selbst zu Beginn dieses Tests vor zwölf Monaten erheblich gezweifelt.

Meine Beweggründe waren nicht unbedingt von hehren Zielen geprägt und ich wollte nicht die Welt verändern (dass wir im Konsumrausch leben, wussten wir alle schon vorher) - sondern einfach nur mal schauen, ob ich es schaffe, allerdings definitiv vor dem Hintergrund eines völlig überfüllten, mit zu viel Sinnlosem zusammen geshoppten Kleiderschranks. Dass am Ende auch der Kontostand ein ordentliches Plus zeigt, macht es nicht schlechter.

Jetzt, ein Jahr schlauer, darf ich also verkünden: Es hat funktioniert. Und überraschenderweise: Es war nicht so schwer, wie ich es mir vorgestellt hatte. Sicherlich gab es Prüfungen (diese Pumps von Proenza Schouler damals bei Opening Ceremony in L.A. hängen mir ebenso nach wie das weiße, rückenfreie Cocktailkleid von MaxMara... aber naja) und damit verbunden Schlechte-Laune-Attacken, aber im Rückblick alles leicht zu ertragen. Kein Teil war am Ende so schön, wie sich das Beherrschen der Kauflust angefühlt hat.

Denn Letzteres war im Grunde das eigentliche Problem und Grunderkenntnis Nummer 1: Mir geht es nicht so sehr darum, WAS ich kaufe, sondern, DASS ich kaufe. Natürlich schlägt mein Herz für Mode, aber mir scheint es schlägt noch schneller beim Betreten von Läden, beim Suchen, beim Finden, beim Erwerben - oft hätte ich danach die Tüten einfach irgendwo stehen lassen können, wenn der vom Shopping ausgelöste Adrenalinquell nach erfolgreichem Abschluss wieder versiegte. Ist das archaisches Jagen und Sammeln? Ich weiß es nicht. Aber diese lieb gewonnene Gewohnheit ein Jahr lang zu unterdrücken, war die eigentliche Kraftanstrengung (und ich habe Mode-Geschäfte und Online Shops nicht etwa gemieden, sondern mich den Versuchungen regelmaessig gestellt).

Wie es nun weiter geht? Nach 30 Tagen stellt sich das Gehirn angeblich auf neue Umstände ein - demnach müsste ich nach meinen 365 Tagen geheilt sein. Aber so weit traue ich mir selbst noch nicht über den Weg (ganz nebenbei bemerkt: Wenn einem etwas so viel Spaß bereitet, sollte man nicht immerzu darauf verzichten). Morgen kommt der erste eigentliche Härtetest und ich gehe mal wieder so richtig in mein Revier in die Frankfurter Innenstadt, schaue mich um, probiere an... Vielleicht ist es aber schon ein Erfolg, dass ich am Sonntag online und heute vor Ort bereits die Gelegenheit gehabt, sie aber ungenutzt habe verstreichen lassen.

Ich war immer ein Impulskäufer - das dürfte sich geändert haben. Ich habe mir sogar vorgenommen, immer eine Nacht über eine textile Neuanschaffung zu schlafen, meist erledigt sich der Reiz dann von ganz allein. Vielleicht sogar eine langsame Entwöhnung vom Nicht-Kaufen mit jedem zweiten Monat als Enthaltsamkeitsphase. Das bringt mich zu Grunderkenntnis Nummer 2: Ich will nur noch Lieblingsteile. Ein Ende mit den unnötigen Fetzen, die ich sowieso nicht tragen würde und die meinen Schrank und irgendwie auch mich belasten. Keinen neuen Ballast anschaffen, statt dessen reduzieren, das befreit den Kopf enorm, und so fühle ich mich tatsächlich ein bisschen gereinigt. Ein Nachahmen kann ich übrigens absolut empfehlen.

...Und vielleicht, vielleicht gönne ich mir irgendwann dieses Jahr einen Celebration Ring von Tiffany. Denn ich finde, ich habe etwas zu feiern.

Foto: abfotografiert aus UK Harper's Bazaar

Modepilot
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