Bericht aus Berlin: Talk

Gesprächsthema während der Berlin Fashion Week: Der Spiegel-Artikel "In Deutschland weltbekannt" über das angebliche Scheitern der Berlin Fashion Week. Kress zitiert Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp dazu so: "Schon im zweiten Absatz des Artikels stand so viel Scheiße, dass ich zu lesen aufgehört habe." Fast alle Modewochen-Anwesenden wünschen sich eine internationale Akzeptanz der Berliner Mode. Doch tragen wir sie auch?
Model Karolina Kurkova, das Gesicht der Berlin Fashion Week 2011, in Azzedine Alaïa
Das tschechische Topmodel ist in der Mercedes-Kampagne in der ganzen Stadt zu sehen. Sie freue sich über all die Autos (Schauen-Shuttles) mit ihrem Gesicht darauf, sagt sie. Zum Gespräch in der Mercedes-Benz-Lounge erscheint sie in einem Alaïa-Kleid, das sie vermutlich bei der Boutique The Corner bekam, wo es (500 Meter vom Schauenzelt entfernt) hängt. Dem Designer ist sie seit ihrem 16. Lebensjahr verbunden. Denn schon damals durfte sie für ihn arbeiten, erzählte sie F.A.Z.-Redakteur Alfons Kaiser (er in Boss und Schuhen von Tod's).
Stylist Anton (von Alexx & Anton) in Zimmerli
Bei der ZEITMagazin-Party in der Bar Tausend traf ich Stylist Anton. Sein zum Anzug umfunktionierter Pyjama stammt von Zimmerli (Schweiz).
Taschen von Kostas Murkudis (Berlin!) für Coccinelle
Ich sah einige Handtaschen aus der Kostas-Murkudis-Kollektion für Coccinelle bei den Print-Kollegen. Man kann davon ausgehen, dass es sich dabei um Presse-Geschenke handelt, aber immerhin: sie wurden auf der Fashion Week ausgeführt. Bruder Andreas Murkudis hat in seinem Shop (Berlin) übrigens keine Berliner Labels.
Modechef Marcus Luft (Gala) in Closed (Hemd: Acne) mit Modedesigner Michael Michalsky
Gala-Modechef Marcus Luft trug viel deutsche Mode: Closed (aus Hamburg) und Drykorn (aus Kitzingen, Bayern) – seine Lieblingsmarken. Beim Departmentstore Quartier 206 holte er sich noch seinen vorbestellten Streifen-Pullover von Prada ab, der dann aber nicht warm genug zum Tragen war.
Der Kollege Siems Luckwaldt (Burda Style Group) lief am Freitag in einer Michalsky-Hose herum. Auffällig waren die vielen Kleider von Liebig (Berliner Label), die ich sah. Auch die Mitbewohnerin meiner Freundin rannte damit rum – keine Moderedakteurin; sie arbeitet für Schwarze Dose.
Nora Rochlitzer (Navyboot) und Liebig-Designerin Sandra Liermann – beide in Liebig
Chefredakteurin Annette Weber (InStyle) wurde in Chanel und Etro gesehen. Ihre stellvertrende Modeleitung Anneke Reinschmidt gesteht, auch nur internationale Marken getragen zu haben. Um beim Shopping am Samstag wurde dann Acne (Schweden) gekauft.
Dafür hielt Vogue die deutsche Fahne hoch: Vogue-Redakteurin und -Bloggerin Lea Groß trug beim Vogue-Cocktail einen Rock von René Storck (Frankfurt), bei der Show von Hugo ein Kleid von Rena Lange (aus München, zeigt in Berlin) und am Freitag eines von Schumacher (aus Mannheim, zeigt in Berlin) und einen "ganz tollen beigen Mantel von Perret Schaad (Berlin)". Danke, Lea!
Fotos: modepilot/Lara & modejournalistin (2), Coccinelle (2), Gala, Florian Seefried
Photo Credit: false

Kommentare

  • Simone sagt:

    Wer ist die Dame unten links? Bzw. was ist Navyboot?
  • modejournalistin sagt:

    @Simone Navyboot ist eine Schweizer Schuhmarke und Nora Rochlitzer arbeitet ab 1. Februar dort.
  • Xander sagt:

    Ich denke das mit der internationalen Akzeptanz kann noch eine ganze Weile dauern, aber man sollte trotzdem positiv denken.

    Im moment sind die Shows meiner Meinung nach zum größten Teil einfach zu unspektakulär...


    http://deine-mudda-liest-fashionblogs.blogspot.com/
  • FashionMaster sagt:

    @mj: toller Bericht! ...aber deutsche Marke hin oder her - die Kurkova war einfach der Hammer in diesem Kleid...und die Schuhe erst...göttlich!
  • Veyron Graves sagt:

    Die Deutschen neigen nun ein Mal dazu alles schlecht zu reden was made in Germany ist; mit der Ausnahme von Automobilen. War es nicht der Spiegel, der einst den Aufmacher "Neues aus Jammerland" hatte? ~ VG
  • modejournalistin sagt:

    @FashionMaster Kurkova hätte sogar in Patrick Mohr gut ausgesehen 😉
    @Veyron Graves Die Deutschen sind halt besonders selbstkritisch – ich finde das gar nicht so schlecht und der Mode tut es gut.
  • FashionMaster sagt:

    @MJ: ach ja, du hast ja recht...

    aber ich muss sagen, ich war wirklich verblüfft, wie "normal", nett und freundlich sie ist - da kann sich so mancher c bis z-promi mal ne Scheibe von abschneiden.

    @VG: miss MJ beipflichten, nicht umsonst gibt es deutsche Kollektionen, die mehr als erfolgreich sind. Siehe Schumacher, Closed...etc.


  • Castlequeen sagt:

    Guter Artikel 🙂

    Hab selbst auf der Fashion Week kaum was Deutsches getragen...ok, außer einem HUGO Kleid zur HUGO Show. Woran's liegt?

    Hmm, wir pushen uns selbst halt zu wenig. Sieht man auch so schön an DSDS - in UK und USA werden die Gewinner von Casting-Shows sowas von gehyped (z.B. waren 4 X-Factor UK Kandidaten bereits in der deutschen InStyle zu sehen) und unsere homemade Stars vergessen wir gern.

    Vielleicht sollten die deutschen Designer aber auch mal Care-Pakete an internationale it-girls verschicken? Chloe Sevigny sah in HUGO schon mal gar nicht schlecht aus 😉


  • Blackcowboy sagt:

    Also Berlin ist eine hippe Stadt, das bestätigen mir meine Kollegen aus Paris und London immer wieder. Es kann also nicht an der Stadt liegen, die ist im Trend. Vielleicht sollten die Firmen und die Medien mal mehr investieren.
    Ich kann mir vorstellen, dass das noch etwas wird.
  • Nadine sagt:

    Freue mich das die deutschen Labels mal ein wenig mehr in den Vordergrund rücken.
  • Trandfashion.ch » Bericht aus Berlin: Talk , Mode 2011, Fashion-Week, Models , Zürich sagt:

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