Spielverderber

Neulich beim Orthopäden: "Darf ich fragen, was Sie beruflich machen?". Ich: "Modejournalistin". Er: "Ach du Sch****!"

Die ganze Geschichte:

Ich fragte nach besonders dünnen und extra schmalen Einlegesohlen – die hat man jetzt so, erklärte mir meine Pediküristin, um nicht näher auf den geschwollenen Fußballen eingehen zu müssen. Also wollte ich ihr und mir das Leben erleichtern und schicke Einlegesohlen kaufen, die in Pumps und Sandaletten nicht weiter auffallen. Ha! Da hatte ich die Rechnung aber noch nicht mit dem Orthopäden gemacht. Der erklärte mir erstmal, dass ich hochhackige Schuhe abends ruhig mal tragen dürfe, aber Einlegesohlen machen in den Dingern keinen Sinn. Tagsüber solle ich die Sohlen in flachen Schuhen tragen, wenn ich keine Langzeitschäden riskieren wolle.

Ne, möchte ich natürlich nicht. Gibt ja auch schicke, flache Schuhe – mag ich derzeit eh lieber. Also kümmerte ich mich um flache Schuhe während er mir die schmalste Einlegesohle der Welt bastelte.

Um Pluspunkte bei dem strengen Mann zu sammeln, trug ich Birkenstocks beim Abholen meiner costum-made Sohlen. "Sind Sie die Dame aus der Modebranche?", fragte er, warf einen Blick auf mein Schuhwerk und schüttelte wieder den Kopf. "Ich wollte heute einen guten Eindruck machen", sagte ich. Er lächelte, fast geschmeichelt, und sagte: "Die Schuhe sind aber nichts für Sie". Und die "weichen Modelle" (à la Chloé) gefielen ihm auch gar nicht, die ich extra für die Sohlen mitbrachte. Auf diesen "modischen Schuhen" läuft man fast wie barfuß und das sei bei unserer Bodenbeschaffenheit in der Stadt nicht gesund. Und dann kommt er – wie die Pediküristin – auf meinen auffälligen Ballen zu sprechen.

Um es kurz zu machen: Wenn es nach dem Orthopäden ginge, müsste ich mit einer dicken Profilsohle rumlaufen, damit mein Fuß beim Laufen nicht so stark knickt. Wir konnten uns darauf einigen, dass weiche Lederschuhe und Chucks mit maßgefertigter Sohle für den Alltag immer noch besser sind als High-heels. Und ich bei der nächsten Städtetour meine Wanderschuhe anziehe. Parisoffice, das wird ein Spaß!

Foto: modepilot/modejournalistin

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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