Der Modepilot Verbrauchertest Teil 2: Die Faseranalyse der Blauer®USA Jacken

Also, wer hier aufmerksam Modepilot liest, der weiß, dass Luxusproukte nicht immer das halten, was sie versprechen. Zum Beispiel war da das zerissene Innenfutter des Lanvin-Mantels von Milanoffice und dann die Passantin mit dem Schraubenzieher an dem zu fallen drohenden Henkel der Chloé-Handtasche oder bei mir ein stark abfärbender Anzug von Cinque (Ich habe damals das Geld zurück bekommen). Für mich der Beweis dafür: So prüfe, ob das Ding sein Geld wert ist.

Blauer®USA hat in erster Linie seinen guten Ruf wegen der Funktionalität und der hervorragenden Stoffqualität. Allerdings wollte ich mich davon überzeugen, ob es wirklich stimmt, was Enzo Fusco sagt. Da ich hier keinen Mist verzapfen will, schickte ich ein paar Fasern per Privat-Kurier zu einem Bekannten, der sich durch langjährige Erfahrung im Bereich der Bekleidung und Faseranalyse auskennt.

Ich gehe nun mal auf die dunkelblaue Jacke ein, da sie eine Besonderheit aufweist.

Vorab: Auf dem Etikett sind die Angaben "Made in China / 100% Polyester" vorzufinden. Die Faseranalyse bestätigte diese Angabe. Allerdings waren auch Fasern von Polyamid enthalten. Diese Kombination ist eher ungewöhnlich, habe aber dennoch keinen Nachteil. Außerdem seien beide Stoffarten preislich ungefähr gleich. Sie werden vor allem für wärmende Kleidungsstücke verwendet, da Stabilität eine herausragende Eigenschaft dieser Faserartkombination ist, denn Kleidungsstücke dieses Materials sind BESONDERS wasserabweisend und winddicht.

Desweiteren hatte mich ein Freund etwas kirre gemacht, weil er von einem Skandal erzählte, der vor einigen Jahren aufdeckte, dass lebenden Hasen aus China die Felle über den Kopf gezogen worden waren, um sie zu verwerten. Gerade hatte ich während seiner Worte die Nase tief in den weichen Kragen gekuschelt, versuchte ich mir das Teil schon wieder vom Leib zu reisen. Konnte es denn wirklich so sein? Eine so mächtige Firma im skandalösen Tiermisshandlungsskandal??? NEIN, so ist es nicht. Auch hier habe ich mich nochmal vergewissert. Wenn im Etikett "Made in China" steht, so können die Stoffe -dank der Globalisierung- genauso gut aus Italien oder anderen Ländern zur Verarbeitung nach Fernost importiert worden sein.

Ob die Kanninchen nun gut ernährt worden sind, konnte man anhand der Fasern nicht erkennen, aber, und das trifft auch auf die Polyester-Polyamid-Stoffe zu, die Fasern sind nicht geschädigt und definitiv aus gutwertigen Materialien hergestellt.

Weiter im Text, denn das mit der ungewöhnlichen Polyamid-Verbindung erklärte nun endlich die Worte auf dem Jackenschild: "Mit ScothliteTM Reflexmaterial wird ihre Sicherheit bei Dunkelheit [...] erheblich verbessert."

Hierzu muss man wissen, dass Polyamid aufgrund seiner hochsymmetrischen Molekularstruktur zu einer sehr hohen Kristallinität führt und Kristalle -wir erinnern uns an Physik 8. Klasse- als wunderbare Lichtreflektoren dienen.

Auch konnte ich mir nun erklären, warum die Jacke mit Blitz fotografiert so latent glänzend aussah. Kein Wunder. Hier auch nochmal der Bildvergleich. Links Jacke ohne Blitz und rechts Jacke mit Blitz fotografiert.

Somit ist das Modell perfekt geeignet für Leute wie mich, die lieber das Geld in den letzten Drink investieren, als es für eine Taxifahrt auszugeben. Mit der Jacke werde ich dann wenigstens nicht angefahren.

Fusco behält somit Recht: Man muss ins Detail gehen, um die Einzigartigkeit der Jacke zu verstehen.

Wer jetzt diesen etwas wissenschaftlich angehauchten Text gelesen hat, der kann aufatmen: Morgen gibt's den KLAMOTTEN-POST... Jérôme kombiniert und kritisiert!

Photos: Jérôme/Modepilot

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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