Die Ketchup-Attacke

New York. Ich konnte lange nicht darüber sprechen, über das, was mir am Sonntag in New York auf offener Straße passiert ist. Der Schock saß zu tief.

Ich wurde tatsächlich Opfer eines hinterhältigen Fashion-Anschlags. Meiner Meinung nach könnte es sich beim Täter um einen Aktivisten einer neuen Untergruppe der PETA handeln, die sich parallel zur Pelz-Ächtung nun auch auf Tierhaar in Form von Wolle konzentriert.

Aber eins nach dem anderen. Ich spaziere am Sonntag also ganz gemütlich die Park Avenue lang, gehüllt in meinen neuen Mega-Oversize-Grobstrick-Cardigan von Derecuny. Als sich mir ein mittelalter Herr nähert und mich nach dem Weg zur Fifth Avenue fragt. Da ich da ja nun im Schlaf hinfinde, gebe ich freundlich Auskunft, warte mit ihm an der Ampel, bis er plötzlich mit Tempo wegrennt. Und leider habe ich erst dann bemerkt, dass er kurz zuvor - mit voller Absicht - eine Ketchup-Tüte auf meinem Strickschaf verteilt hatte.

Ketchup-Mantsche auf der ganzen Rückseite. Ist das zu fassen? Wer tut so was? Und warum? Zwangsneurose? Strickphobie? Habe ich ihn an seine ätzende Ex-Frau erinnert? Oder wird Schafwolle jetzt mit Zobel und Nerz über einen Kamm geschert? Es bleibt mir ein ewiges Rätsel und ich gehe neuerdings nur noch in abwaschbarer Ware aus dem Haus.

P.S. Dem Strickschaf geht es den Umständen entsprechend - es war in der Reinigung und riecht jetzt ein bisschen nach Appretur.

Fotos: Milanoffice/Modepilot

Modepilot
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