Paris Fashion Week: Haider Ackermann, Celine, Cédric Charlier, Chloé, Hermès

Wenn der Herbst einzutreffen droht, beginnt naturgemäß die Zeit der Schutzbedürftigkeit. Je nach Modeangebot können wir es dann kaum erwarten, uns auf Kälte, Wind und Nässe vorzubereiten. Dafür wird uns im September weniger Oversize-Funktionskleidung von Balenciaga zur Verfügung stehen, dafür umso mehr Leder, Hosenröcke und eine Flucht hin zu alten Werten. Das verleiht auch Sicherheit.

Graue Hosenröcke Modepilot 2019 Dior Celine

Hosenröcke bei Christian Dior, Loewe und Celine (v.l.n.r.)

Hosenröcke aus grauer Wolle mit Bundfalte, hoch geschlossene Bluse, Kaschmirpullover, Blazer und zarte Halskette – das sieht jetzt alles wieder mehr nach Bildungsbürgertum als nach Proletariat aus. Brockhaus statt YouTube. Die Sehnsucht ist leicht greifbar – nicht immer ist deren modische Erfüllung aber ein Schritt nach vorn. Kommerziell vielleicht.

Ich aber möchte nicht nach „Mädchen spielt Student” aussehen. Und auch nicht wie ein Berliner Tween, der sich auf das Shoppen nach Kilogramm versteht. Daher:

Danke an Cédric Charlier, Haider Ackermann, Hermès, Loewe, Sacai u.v.m.

... für Kleider mit denen man sich nicht verkleidet fühlt – weder zu nostalgisch noch zu futuristisch. Danke für inspirierende Outfits und für Einzelteile, die ein Upgrade der aktuellen Garderobe bedeuten. Nach vorne zu blicken, sollte doch der Urgedanke der Mode sein (vergleiche Celine weiter unten).

Sacai
Haider Ackermann
Hermès
Cédric Charlier
Valentino
Sacai
Loewe
Lemaire
Balenciaga

Sacai

Haider Ackermann

Hermès

Cédric Charlier

Valentino

Sacai

Loewe

Lemaire

Celine – Was ist da los?

Die zweite Kollektion von Hedi Slimane für Celine ist zwar das Gegenteil der ersten: hochgeschlossen und konservativ statt bitchy. Aber sie ist nichts weiter als das Zusammenstellen alter Klamotten – das sieht an einer Studentin cool, aber nicht nachahmenswert aus. Doch offenbar trifft diese Kollektion mitten ins Herz vieler Modefans, weil es so vertraut aussieht. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde.

Modejournalisten, denen „Look at me, I've got a plan” über die Show-Musik eingehämmert wurde, glauben jetzt, dass Hedi Slimane eine Strategie verfolgt. Aber welche soll das sein? Unsere Erwartungshaltung so klein kochen, bis uns die kleinste Vision, die er für das Haus hat, umhaut?

Bislang belegt er einen Grundkurs in Kollektionsfindung: erst die Fortsetzung dessen, womit er bei Saint Laurent 2016 aufhörte (Selbstfindung, vermutlich). Das war für die kommende Sommermode. Jetzt dann also das Nachschneidern des Siebzigerjahrearchivs von Celine. Hedi Slimane mag ein Meister des subtilen Updates sein, doch das verschließt sich meinem grobschlächtigen Modeverständnis.

Vorsicht beim Durchklicken der neuen Kollektion: Ein stechender Secondhandgeruch könnte die Nase hochklettern und verweilen. Schuhe: gibt es auch von Aigner.

Celine, Herbst/Winter 2019

Get the look:

Eine Modekritikerin sieht in dieser Kollektion die Schließung einer Lücke, die zwischen Chloé und Hermès aufklafft. Man muss vielleicht der Pariser Hautevolee angehören, um das zu verstehen. Ich wäre mit Chloé und Hermès rundum gut versorgt, auch in der kommenden Wintersaison.

Nostalgische Gefühle werden bei Chloé und Hermès ebenso bedient, aber mit neuen Schnitten und neuen Schuhen. Da findet eine gewisse Transferleistung statt – Etwas, das man auch von Studenten erwartet darf.

Chloé, Herbst/Winter 2019

Chefdesignerin Natacha Ramsay-Levi zauberte wieder eine Stiefelette aufs Parkett – wieder einen, bei dem alle „Hier!” schreien. Das musst Du erst einmal bringen: neu & unwiderstehlich. Der Bootie hat, anders als der aktuell angesagte „Rylee” eine eckige Kappe, zwei grobe Nähte auf dem Fußrücken zu den Ecken laufen, und ein Band quer darüber. Es gibt verschiedene Varianten, wie cognacfarbenes Leder mit einem mittelhohen Absatz oder rotes Echsenleder mit schwarzem Rippstrumpfeinsatz und einem hohem Absatz.

Bei ihr bekommt man lauter Sachen, die anders und gleichzeitig cool sind: den spießigen Karorock in sexy, dank geknöpfter Schlitze; das Tapetenmusterkleid in neu und nicht mit Flohmarktgeruch (der Ärmelschnitt, der Saum!).

Short Shorts für den Winter

Zusammenfassend lässt sich sagen: Hosen sind entweder weit und lang geschnitten (egal ob Jeans, Leder oder Wolle) oder sie sind sehr kurz. Die kurzen Hosen, die auch meist weit geschnitten sind, werden mit Strumpfhose getragen: dünn und durchscheinend. Knickerbocker gab es auch zu sehen und auch wieder am Saum geschlitzte, lange Hosen in weit und schmal.

Shorts Modepilot Modetrends 2019 Herbst Isabel Marant

Short Shorts für den Winter: Saint Laurent, Hermès und Isabel Marant (v.l.n.r.)

Röcke: eng und aus Leder oder weit und flatterhaft

Röcke sind entweder flatterhaft mit ungleich verlaufendem Saum und midilang. Oder: Willkommen zurück zum Bleistiftrock! Am liebsten aus Leder. Leder ist sowieso ein beherrschendes Thema der Herbst/Wintersaison. Nicht immer entspricht es aber einer Tierhaut! Designer wie Stella McCartney verwenden Materialien, die täuschend echt aussehen und sich auch genauso anfühlen.

Bleistiftrock Modepilot Modetrends 2019 Winter

Pencil Skirts von Cédric Charlier, Hermès und Rochas (v.l.n.r.)

Photo By: Catwalkpictures

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