A shaded view on pink

„Think pink, but don’t wear it.“ sagte Karl Lagerfeld einst und zeigte nun doch für die kommende Wintersaison Rosa-Töne in allen Schattierungen für Chanel. Designer und Labels wie Comme des Garçons, Balmain oder Gucci zogen mit. Rosa für den Winter, das mag erst einmal verwunderlich klingen: Normalerweise dominieren Erdtöne, kombiniert mit kräftigen dunklen Farben, wie Bordeaux oder Petrol. Aber Mode ist, auch wenn das mancher Kritiker gerne anzweifelt, auch immer ein Spiegel des Zeitgeists. Und die unschuldige Farbe hat aktuell geradezu gesellschaftliche Sprengkraft.

Rosa ist eine der umstrittensten Farben der Welt: Gender-Studies wüten, man erziehe Geschlechter an (Mädchen spielen mit Puppen, Jungs mit Autos) und Mädchen würden in die Prinzessinnen-Ecke gedrängt. Dabei sollen sie doch Amazonen sein! Die Protestorganisation „Pink stinks“ geht gegen Gendermarketing, Sexismus in der Werbung und gegen die „Pinkifizierung“ von Mädchen UND Jungen vor – sollen die kleinen Racker bloß früh genug lernen, dass der Alltag grau und die Welt eher tiefschwarz ist! Dabei ist die Farbe Rosa eigentlich geradezu geschlechtervereinend, ja sogar geschlechtslos. Nicht nur, weil Männer jetzt pudrige Schluppenblusen tragen (zumindest wenn es nach tonangebenden Designerin geht): Bis etwa zum vierten Lebensjahr ist Rosa die häufigste Lieblingsfarbe von Mädchen UND Jungs. Bis in die 1920er-Jahre war Rosa sogar DIE Farbe für Jungs. Mädchen trugen Hellblau. Ein Auszug aus dem Ladies’ Home Journal von 1918: „Die allgemein akzeptierte Regel ist Rosa für Jungen und Blau für die Mädchen. Der Grund dafür ist, dass Rosa als eine entschlossenere und kräftigere Farbe besser zu Jungen passt, während Blau, weil es delikater und anmutiger ist, bei Mädchen hübscher aussieht.“ (Mehr dazu hat die Welt). Da kann sich natürlich keiner dran erinnern, der jetzt Rosa und Pink verteufelt. Außer Farbhersteller Pantone. Dort übt man sich in Diplomatie und erklärte gleich zwei Töne zur „Farbe des Jahres“ – ein zartes Rosé und ein Hellblau, ganz im Sinne der Geschlechterverständigung.

Die Wirkungskraft von Rosa

Heute lernen die toughe Kerle dann im Kindergarten: Rosa ist was für Mädchen, und lehnen die Farbe ab. Etwa ab dem achten Lebensjahr weicht der zarte Ton als Lieblingsfarbe insgesamt, der individuelle Geschmack bestimmt dann. Schade eigentlich, denn Rosa wird mit vielen, positiven Eigenschaften belegt: Sensibilität, Mitgefühl, Jugend, Romantik, Zärtlichkeit. Sie wirkt süß und lieblich, die Farbe sagt: „Sei lieb zu mir, ich tue doch keinem was.“ und erinnert an die leicht erröteten Wangen einer schüchternen Maid (oder Buben!). Dass kleine Kinder die Farbe so gerne mögen, liegt übrigens an der beruhigenden Wirkung: Die soll so effizient sein, dass in den USA, der Schweiz und auch in Nordrheinwestfalen (Dortmund und Hagen) rosafarbene Gefängniszellen zur Agressionsreduktion der Insaßen eingesetzt werden. Bewiesen ist die Wirkung nicht, Wissenschaftler glauben an einen Placeboeffekt. Doch die Farbenlehre ist sich sicher: Gekleidet in Rosa, hüllen wir uns in eine emotionale Schutzzone. Das ist in diesen Zeiten wirklich mal ein nützliche Trendfarbe.

 

Rettet die Welt – tragt Rosa!

Und weil Mode zum Träumen da ist, die schönsten Looks vom Laufsteg, gegen den stressbedingten Burn-Out, für entschlossene, kräftige Frauen.

Balmain Herbst/Winter  2016
Balmain Herbst/Winter  2016
Comme des Garçons Herbst/Winter 2016
Chanel Herbst/Winter 2016
Ports 1961 Herbst/Winter 2016
Gucci  Herbst/Winter 2016
Gucci  Herbst/Winter 2016
Alexander McQueen Herbst/Winter 2016.
Moschino Herbst/Winter 2016
Chanel Herbst/Winter 2016
Backstage: Gucci Herbst/Winter 2016

Balmain Herbst/Winter 2016

Balmain Herbst/Winter 2016

Comme des Garçons Herbst/Winter 2016

Chanel Herbst/Winter 2016

Ports 1961 Herbst/Winter 2016

Gucci Herbst/Winter 2016

Gucci Herbst/Winter 2016

Alexander McQueen Herbst/Winter 2016.

Moschino Herbst/Winter 2016

Chanel Herbst/Winter 2016

Backstage: Gucci Herbst/Winter 2016

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Photo By: Catwalkpictures
2 Kommentare zu
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