Wozu eigentlich noch Chefdesigner?

„Chefdesigner“ ist diese altmodische Stellenbeschreibung, die längst von der des „Kreativdirektoren“ abgelöst wurde. Während der Chefdesigner schon nicht mehr schneidern können musste, muss der Kreativdirektor schon kein Designer mehr sein, jedenfalls kein gelernter (Justin O’Shea bei Brioni).

Nun launcht Dior – derzeit ohne Kreativchef – eine Sonnenbrille in verschiedenen Farbgebungen – entworfen von Sängerin Rihanna. Damit entwirft zum ersten Mal ein Testimonial für das Luxushaus. Rihanna hat auch einen größeren Namen als jeder potentielle Kreativdirektor und ihr nimmt man ein Sonnenbrillen-Design auch eher ab: Sie muss sich ständig vor Fotografen schützen und ist soooo cool und auch viel mehr Social Media-Star als Kreativdirektoren (ausgenommen Justin O’Shea). So gesehen, darf es einen auch nicht wundern, dass Youtuber Sami Slimani eine Kollektion für Peek & Cloppenburg designen durfte („Nach Sami Slimanis RIESIGER ANKÜNDIGUNG möchte man das Internet anzünden„). Nur was sagt das über unser Konsumverhalten aus? Ich meine, mich noch an Schwärmereien über Nähte, Materialien und Schnittführungen erinnern zu können, wenn man von seinem neuen Kleidungsstück, seinem Schneider oder seiner Lieblingsmarke sprach. Heute zeigen wir uns gegenseitig Instagram-Bilder, wenn wir einen Kaufimpuls teilen möchten.

Rihanna hat bereits letztes Jahr schon Schuhe für Puma mit entworfen (natürlich ausverkauft!) und einen Dreijahresvertrag als „Contributing Creative Director“ bei der Sockenmarke Stance unterschrieben.

Dior-CEO Sidney Toledano nennt sie eine „Stilikone für die heutige Generation“ und erklärt damit, warum Rihanna das erste Dior-Testimonial mit eigener Kollektion ist. Die Kollektion heißt „Rihanna“ und umfasst ein Brillenmodell in sechs Farbvarianten: Rot/Pink, Gold/Oliv, Grün, Metallic, Blau, Rosa/Gold. Sie kosten jeweils circa 750 Euro, wobei die Goldvariante bei fast 2000 Euro liegt.

Rihanna Dior Modepilot Sonnenbrille

Sonnenbrille aus der „Rihanna“-Kollektion von Dior

Auch Chanel hat sich prominente Unterstützung gesichert:  Pharrell Williams, laut Pressemitteilung ein enger Freund des Hauses Chanel und persönlicher Freund von Karl Lagerfeld, hat im März einen! Tag bei den Métiers d’Art-Kunsthandwerkern von Chanel vorbeigeschaut und mitgemischt. Er hat an der Kreation von Stücken für die Métiers d’Art Kollektion Paris in Rom 2015/2016, die dieser Tage in den Chanel-Boutiquen eintreffen, „mitgewirkt“. Was auch immer das heißen mag. Wir erinnern uns: Bei dieser Kollektion geht es Chanel eigentlich darum, das Handwerk von Genies wie des Feder- und Blumenmachers Lemarié, des Plissierers Lognon, des Schuhmachers Massaro und des Hutmachers Maison Michel zu zelebrieren.

Ich bin nach wie vor ein großer Fan von Edward Lewis‘ Aussage im Film „Pretty Woman“. Der von Richard Gere gespielte Geschäftsmann sagt darin zu Vivian Ward (Julia Roberts): „Ich weiß Profis zu schätzen, mit Amateuren habe ich nur Schwierigkeiten gehabt.“ Mit anderen Worten: Mir fehlt der Profi-Ansatz. Ich möchte eine gut sitzende Sonnenbrille, die nicht gleich kaputt geht und mich ausreichend vor Sonnenlicht schützt. Weiß ich nun, ob diese abstehenden Brillengläser nur vor Paparazzi-Blitzlichtgewitter schützen und an den Seiten aber so viel Sonnenstrahlen einfallen können, dass ich doch wieder die Augen zusammenkneifen muss?

Rihanna nennt Geordi La Forge, den Chefingenieur der USS Enterprise in „Star Trek“, als Inspiration für ihren Entwurf. Wirklich neu ist das nicht, aber ich finde es gut, wenn Rihanna beratend zur Seite steht, wenn es um Visionen/Trends und Formen geht. Mir fehlt nur die Erwähnung des Erfahrungswissens, das es für die Umsetzung von solchen Produkten nun einmal braucht. Zur Umsetzung sagt der Popstar: „Ich war immer schon von Brillen besessen. Als ich zu Dior kam und all die Materialien sah, mit denen ich spielen konnte, kam alles einfach zusammen.“ Das Branchenblatt Women’s Wear Daily (WWD) zitiert auch den Dior-Brillendesigner, Mathieu Jamin: „Sie suchte alle Materialien aus. Wir hatten viele unterschiedliche Muster mit unterschiedlichen Metalleffekten.“ Auch habe sie die Brillengläser gewählt. Ich hätte einfach ein besseres Gefühl, wenn man es so sagen würde, wie es sehr vermutlich war: Rihanna nannte La Forge ihre Inspiration,, woraufhin die Brillenprofis bei Dior ein tragbares Modell entwickelten und Rihanna schließlich bei den Farbgebungen mitsprechen durfte.

 

Photo By: Jean-Baptiste Mondino für Dior
1 Kommentar zu “Wozu eigentlich noch Chefdesigner?”

Kommentar hinterlassen

Your email address will not be published.

Follow our travels on Instagram: