Designerwechsel bei der Menswear: Zegna, Berluti und Brioni

Ja, was ist denn da los? In nur wenigen Tagen haben drei große Männermode-Labels einen Designer-Abgang zu vermelden: Zegna, Brioni und Berluti haben sich im Abstand von nur zwei Tagen von ihren Chefdesignern getrennt.

Designerabgänge bei der Menswear

Stefano Pilati verlässt Zegna

Gerade vermeldet WWD, dass Designer Stefano Pilati das Haus verlassen wird. Das Gerücht um seinen Abgang schwirrte schon seit einigen Tagen durch den Raum. Pilati kam im März 2012 von Yves Saint Laurent (das damals noch den "Yves" im Markennamen trug) und wurde Head of Design bei Ermenegildo Zegna plus Kreativdirektor bei Agnona. Letzteren Posten gab er bereits im Sommer 2015 auf, um sich angeblich eigenen Projekten in der Womenswear zu widmen.
Modepilot-Menswear-designer-wechsel
Stefano Pilati
Bei Zegna hat Pilati vieles erreicht: Das bis dato stark auf Businessmode konzentrierte Haus wurde durch Pilati stark verjüngt. Seine Idee des Broken Suits, also eines Anzugs, bei dem Hose und Jackett nicht aus exakt dem gleichen Stoff sind, hat die Männermode geprägt. Mehr dazu auch im Interview, das Pilati zum Auftakt der Berliner Modewoche gab. Hier geht es zum Artikel -->>. Die Branche mutmaßt, dass Pilati den vakanten Posten bei Lanvin übernehmen könnte, nachdem Ende 2015 Alber Elbaz das Haus verlassen hatte. Passen würde das.
Der Designer hatte erst kürzlich gegenüber der New York Times verkündet, dass seine "Aufgabe bei Zegna erfüllt sei". Und Firmeninhaber Gildo Zegna zeigte sich erfreut zu vermelden, dass sein Bestreben, Zegna zu einer der wichtigsten Shows während der Mailänder Modewoche zu machen, früher als geplant erreicht wäre. Mission erfüllt, der Designer kann gehen? Klingt ein bisschen so.
 

Berluti: Alessandro Sartori geht zu Zegna, Alexandre Mattiussi soll kommen

Das Label Berluti hat ein bisschen die Rolle des Nesthäkchens in der LVMH Gruppe inne. Die Marke, die 1895 von Alessandro Berluti gegründet wurde und Maßschuhe herstellte, wurde 1993 von der LVMH Gruppe gekauft mit dem Ziel, aus der leicht verstaubten Marke ein cooles Männerlabel im Luxussegment zu formen. Antoine Arnault, Sohn und Erbe des LVMH Gründers, kümmerte sich höchstpersönlich ab 2011 um die Marke. Er war es auch, der Alessandro Sartori als Kreativdirektor anstellte.
Modepilot-Menswear-designer-wechsel
Alessandro Sartori
Angeblich sind rund 100 Mio. Euro in Weiterentwicklung der Marke geflossen und das Ziel, aus dem Herrenschuh-Hersteller ein schickes Menswear-Label mit Shops an den besten Adressen der Welt zu machen, ging auf. Auch dank Alessandro Sartori, der es schaffte, nicht nur High-End-Businessmode unter Berluti zu verkaufen, sondern mehr und mehr auch Luxus-Casual-Wear anzubieten. Sartori wechselt nun zu Zegna, auf den Posten von Pilati. Er kennt Zegna, war dort bereits früher beschäftigt.
Nach neuesten Informationen soll angeblich Alexandre Mattiussi, bekannt für das In-Label AMI, Sartoris Posten übernehmen. AMI kam 2011 auf den Markt und erlebte einen kometenhaften Aufstieg in der Herrenmode. Die Marke, die erst 2013 mit den ANDAM Preis geehrt wurde, gilt als cool und Must-Have bei der jungen männlichen Klientel. Mattiussi arbeitet bereits früher für LVMH, nämlich bei Givenchy. Er kennt die Gruppe und er kennt sich bestens aus mit lässiger Menswear, die heute ein wichtiger Umsatzbringer ist.
 

Brendan Mullane verlässt Brioni

Brioni gehört seit 2012 zu Kering-Gruppe und ist steht für Business-Mode im Luxus-Bereich. Das Label ist bekannt für einen konservativen, klassischen Stil. Brendan Mullane war der erste Art Direktor der Marke.
Modepilot-Menswear-designer-wechsel
Brendan Mullane
Er kam vor dreieinhalb Jahren, damals von Givenchy. Davor hatte der Brite bei Hermès, Burberry und Louis Vuitton gearbeitet. Die Trennung kam angeblich überraschend und wurde im beidseitigen Einvernehmen geschlossen. Ob ihn jemand ersetzen wird, ist im Augenblick noch nicht klar.
 

Wie sind die drei Abgänge zu werten?

Die aktuellen Designer-Wechsel geben Raum für jede Menge Spekulationen. In Paris erwartet man ein Stühlerücken in den kommenden Monaten – vor allem auch in der Damenmode. Dort sind einige wichtige Posten vakant: Dior, Lanvin sind auf der Suche, Hedi Slimanes Abgang bei Saint Laurent schwebt weiter als Gerücht im Moderaum. Die aktuellen Weggänge in der Menswear unterstützen auch die Tendenz, dass Designer nicht mehr wie früher über Jahrzehnte bei einem Haus bleiben, sondern für bestimmte Management-Ziele engagiert werden und nach deren Zielerreichung ihren Posten wieder verlassen müssen. Damit werden kurz- bis mittelfristige Managerziele einer langfristigen Markenentwicklung vorgezogen. Dies ist natürlich auch dem Rendite-Druck bei börsennotierten Konzernen geschuldet.
Photo Credit: Catwalkpictures, Brendane Mullane via Kering PR

Kommentare