He said, she said – Was Männer zur neuen Mode sagen

Das ist wieder so ein Kleid, das nur Frauen gefällt,“ sagt der Mann über das Kleid, das Lady Gaga bei den Oscars trug. Und von den Frauen gefeiert wird! Die Vorstellungen davon, was schöne Mode ist, gehen weit auseinander. Erst Recht zwischen Mann und Frau und noch viel mehr zwischen Mann und Modejournalistin.

Während sich die Modejournalistin in Culotte, Schluppenbluse und Plateau-Schuhen nun zur Paris Fashion Week verabschiedet, träumt der Mann zuhause davon, dass sie doch einmal wieder slim pants trägt, oder etwas Ausgeschnittenes oder wenigstens einfarbige High-heels. Er steht dann an der Tür und sagt: „Die anderen Moderedakteurinnen werden dein Outfit lieben!

Laut Prinzessin Minzi zu Hohenlohe, die das Celebrity Dressing bei Talbot Runhof betreibt, sind Männer bei der Wahl neuer Kleider maßgeblich mitbestimmend – ähnlich wie die Autoindustrie erkannt haben will, dass die Anschaffung eines neuen Wagens von der Meinung der Frau abhängt: Laut einer aktuellen Nissan-Studie werden 80 Prozent aller Auto-Kaufentscheidungen „von Frauen direkt beeinflusst“ (hier geht es zum FAZ-Artikel >>>). Zufällig wurde ich auch gerade von einem Freund gefragt, welches Auto er sich nun nach dem Abgeben seines Range Rovers kaufen solle, bzw. welche Neuanschaffung das beste Image aus Frauensicht habe.

Männerbefragung: Ich mache mein Thema nun auch zu einem für das andere Geschlecht. Ich befragte mein männliches Umfeld zu meinen Lieblingslooks 2016: Sie sind zwischen 11 und 67 Jahre alt, darunter ein Basketballcoach (42), ein geschäftsführender Rechtsanwalt (67), ein Start-up-Unternehmer aus der IT-Branche (36) und ein Berater aus Berlin (34).

Wichtig bei einer solchen Männerbefragung ist es, die Herren darauf aufmerksam zu machen, dass es NICHT um das Bewerten der Models geht. Ich habe die Fotos ohne Nennung der Marken oder irgendwelcher Fachbegriffe vorgelegt – nur um eine spontane Einschätzung gebeten…

Was Männer über diese Modetrends denken

Prabal Gurung Modepilot

Prabal Gurung für Sommer 2016

Götz, der Geschäftsführer: „Ansatzweise ein Morgenrock, kombiniert mit einem an sich hübschen Rock aus einem feinen Material, durchaus sexy (seitlicher Schlitz), aber der Saum! Schade um den schönen Stoff und gar nicht originell. Die Schuhe gefallen mir.“

Joachim, der Anwalt: „Eigenartiger Morgenmantel.“

Denis, der Basketballcoach: „Hat was von einer edlen modischen Kimono-Version. Komm‘ damit aus dem Bad und ich bin happy.“

Felix, der Berater:Hübsche Frau. Der Look ist ein bisschen morgenmantelig, nur zu fein. Die Schleifchen sind too much, bzw. beißt Morgenmantel Abendkleid – passt nicht. Das zarte Gelb ist aber freundlich hübsch.“

Lutz, der Unternehmer: „Das sieht für mich so aus, als ob der Stoff ausgegangen wäre und der Praktikant noch ein paar Teile an den Ärmeln und Beinen dran nähen musste. Wenn das Model mehr Oberweite hätte, fände ich es aber wahrscheinlich bei dem Ausschnitt trotzdem gut. Die Schuhe sind süß.“

Ich, die Modejournalistin: „Ein Traumkleid aus fließender Seide für laue Sommerabende, das man sowohl zu einem Cocktail als auch zu den Salzburger Festspielen tragen kann. Klebeband kaufen.“

Roland Mouret für Sommer 2016 Modepilot

Roland Mouret für Sommer 2016

Götz, der Geschäftsführer: „Ja, das ist schick, weiblich und der Stoff scheint angenehm zu tragen sein. Die Schuhe sehen nach Plastik aus.

Joachim, der Anwalt: „Klassisch, toller Schnitt. Schuhe auch top.“

Denis, der Basketballcoach: „Das Kleid ist Weltklasse: enges Männerunterhemd goes Abendkleid. Besser geht nicht.“

Felix, der Berater: „Oben plustert es ein wenig auf: sieht fast wie ein reingestopftes Kissen aus. Ansonsten figuranschmiegend und die Farbe mit dem Orangesandalenkontrast: sehr schön.“

Lutz, der Unternehmer: „Das Kleid ist durchschnittlich und langweilig, irgendwie fehlt das besondere Etwas oder interessante Accessoires. Die Schuhe sehen so aus, als ob Crocs jetzt in der Haute Couture mitmischen würden.“

Ich, die Modejournalistin:Kleider von Roland Mouret sind die besten Figurschmeichler. Ich liebe die Kombination aus dunkelblauem Kleid und orangefarbenen Schuhen – diese aus Leder-Korbgeflecht muss ich unbedingt haben.“

Tod's Modepilot Paperbag Style

Tod’s für Sommer 2016

Götz, der Geschäftsführer: „Wie viele Schnipsel mussten noch untergebracht werden? Die Tasche auf der Hose soll sicherlich mit den Taschen auf der Bluse „korrespondieren“, wirkt aber völlig deplatziert, weil unpraktisch (was soll da reinpassen?). Insgesamt eher das Testbild eines Schwarz/Weiß-Fernsehers, dabei könnte die Bluse ohne den ganzen Schnickschnack ganz hübsch aussehen.“

Joachim, der Anwalt: „Finde ich zu sehr 80er, bzw. irgendwie komisch retro. Das aufgesetzte Uhrenarmband auf der Bluse verstehe ich nicht. Die Hose, die Tasche und die Schuhe – für sich genommen – sind aber top.“

Denis, der Basketballcoach: „Schwarz/Weiß macht mir Kopfschmerzen. Wie ein Dopplereffekt.“

Felix, der Berater, und sein Sohn Linus: „Nein, nein, geht schief: Schnallen doof, Black/White doof, Taschenapplikationen doof, Schuhe auch nicht richtig. Linus: Stripey, Juventus Fan.

Lutz, der Unternehmer: „Alles einfach nur furchtbar, aber die Schnalle über der Brust sticht sogar aus diesem verunglückten Ensemble noch als besonders geschmacklos heraus. Man könnte denken, der Designer sei farbenblind und kompensiert dies mit möglichst vielen häßlichen Details und Applikationen.“

Ich, die Modejournalistin: „Ich warte schon sehnsüchtig auf das Eintreffen der Hose beim Onlineshop Net-a-porter.com – der beste Sommer-Entwurf für den Paperbag-Style.“

Gucci Modepilot Winter 2016

Gucci für Herbst/Winter 2016/17

Götz, der Geschäftsführer:An einer schlanken Frau kann die Hose schick aussehen, auch der Bolero (ist das überhaupt einer?) ist ganz hübsch, auch das Gelbe daran (Anm. d. Red.: damit sind die Strickbündchen an der Blousonjacke gemeint). Mich stören die tausend Muster von Halstuch und Bluse/Weste(?). Schuhe passen gut zur Hose.“

Joachim, der Anwalt: „Die Schleifenbluse ist eigenartig. Vorallem die Kombi aus verschiedenen Mustern ist mir zu viel. Die Hose mit Gürtel, Schuhen und Handtasche widerum ist top.“

Denis, der Basketballcoach: „Sharon Stone in „the Quick and the Dead“ hätte ihren Spaß gehabt.“

Felix, der Berater, und sein Sohn: „Linus sagt: sehr funky (ich sage: das stimmt). Nichts für jede und jeden Tag – eine gewagte Musterkombi und ein Schnitt-Potpourri. Viele Farben, schöne Farben, aber immerhin funky!“

Lutz, der Unternehmer: „Schwierig. Typisches Outfit, bei dem man als Mann denkt, dass man eigentlich erkennen müsste, dass es irgendwie modisch ist, es einem aber trotzdem nicht gefällt. Weite Hosen finde ich selten gut und auch beim Rest des Looks hätte man doch irgendwo etwas finden können, das die Weiblichkeit betont. Insgesamt ist das Outfit zu sehr gewollt – die Cowboy-Anspielungen kombiniert mit den Ärmeln einer Baseball-Jacke und ohne Stiefel gehen sich einfach nicht aus. Bei der Kombination der Muster von Bluse und Jacke habe ich Angst, einen epileptischen Anfall zu bekommen.

Ich, die Modejournalistin: „Genau so würde ich den Gucci-look im kommenden Herbst tragen, bis auf den Hut und die Tasche. Die Musterkombination von Bluse, Schluppe und Blousonjacke ist auf den Punkt.“

Marni Modepilot Winter 2016

Marni für Winter 2016

Götz, der Geschäftsführer: „Alles ziemlich furchtbar: Die Hose ist eine Strafe auch für den Betrachter. Die weiten Ärmel der Bluse: Wozu? Und richtig unpraktisch, ja gewollt unpraktisch ist das braune Cape; einzig die Farbzusammenstellung stimmt. Schuhe passen überhaupt nicht dazu, wer hat denn da geschlafen?“

Joachim, der Anwalt: „Tolles Outfit: ein bisschen Bruder Tuck und ein bisschen Robin Hood. Gefällt mir.“

Denis, der Basketballcoach:Und was macht Robin Hood, wenn sie mal nen Pfeil aus dem Köcher holen muss?

Felix, der Berater, und sein Sohn Linus: „Linus sagt: OH!! Das Cape. geht. nicht. Och, die Schuhe gehen auch nicht. Die enge Hose ist auch doof, die Farbenkombi auch. Ich sage: schöner Lippenstift. Und: Nee, kann dem ganzen Rumgeschnitte auch nicht viel abgewinnen. Die Schuhe finde ich jetzt nicht so problematisch, hilft aber auch nix. (dazu sagt Linus: dieser Wolkenkratzer-Grauton ist megamies).“

Lutz, der Unternehmer:Finde das ganze Outfit super, weil es trotz der etwas konservativen Farben durch die Schnitte nicht langweilig rüberkommt. Besonders der “Verschluss” an der Hose gefällt mir, und das Cape ist auch etwas, das man selten sieht. Die weiten Ärmel der Bluse finde ich aber ein bisschen too much.“

Ich, die Modejournalistin: „Ein perfektes Spiel mit Proportionen: die Steghose mit extra breitem Gürtel, die Bluse mit gebauschten Ärmeln, die exakt aus dem schmal(!) geschnittenen Cape herausschauen. Marni präsentierte für den kommenden Herbst eine rundum gelungene Kollektion.“

Fazit: Welches ist das beste Outfit?

Götz, der Geschäftsführer: „Das blaue Kleid.“

Joachim, der Anwalt: „Da ich es eher dezent mag, gewinnt bei mir Sherwood Forest (4) vor Nummer 2.“

Denis, der Basketballcoach: „Das gelbe Kleid: edler Bademantel.“

Felix, der Berater: „Das blaue Kleid, weil es schlicht und figurbetont ist. Und ich mag die Farbe.“

Lutz, der Unternehmer: „Das letzte Outfit, weil es clean und trotzdem nicht langweilig ist.“

Ich, die Modejournalistin: „Selbst würde ich am ehesten den Look von Roland Mouret tragen. Rein fachlich gesehen, ist der Look von Marni einsame Spitzenklasse.

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Photo By: Catwalkpictures
3 Kommentare zu
“He said, she said – Was Männer zur neuen Mode sagen”
  • Zeigt wieder mal, dass es besser ist, jegliche Kleidungsbewertung von Männern zu ignorieren. Es sei denn, sie hießen Lagerfeld o. ä. Habe übrigens heute wieder eine paperbag-Hose an. Trage ich schon seit 5 Jahren. So auffällig ist die gar nicht.

  • Hallo,
    leider fehlte die Möglichkeit abzustimmen : Trage ich gerne
    Denn ich trage seit langem gerne Röcke

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