Ohrringe aus Paris: Sie sind die neuen It-Bags

Was ist eigentlich noch Trend? Für den kommenden Sommer und die Zeit danach: ganz klar lange Ohrringe. Warum das so ist...
Früher, ganz früher, da gab es noch Rocklängen, Farben oder Muster, die für ein paar Saisons angesagt waren. Das ist seit 20 Jahren nicht mehr der Fall. Heute tun wir uns schwer. Wir können allenfalls von Strömungen sprechen: "Die siebziger Jahre kommen zurück", wenn es Hosen mit Schlag und wallende Chiffon-Oberteile auf den Laufstegen zu sehen gibt. Oder wir sprechen von "Normcore", wenn Leute der Modebranche plötzlich Sneaker zu Röcken und Kleidern tragen oder Karottenjeanshosen zu ausgeleierten Pullovern. Modemagazine werden nicht müde von Marine-Looks und neuen Blumendrucken zu sprechen, wenn es Richtung Frühling geht. Das Dilemma wurde in dem Film "Der Teufel trägt Prada" (2006) schon aufs Korn genommen: "Flowers? For spring? Groundbreaking." Das Zitat von Meryl Streep als Miranda Priestly aka Anna Wintour ist längst Kult.
Was prägte das letzte Modezeitalter? It-bags. Dieses Phänomen haben wir nun endlich hinter uns gelassen. Luxuskonzerne, die davon gut lebten, sahen voraus, dass sich der Trend abnutzen und die Erlösquelle versiegen wird. So sprachen Entscheider eben dieser Luxuskonzerne schon vor zwei, drei Jahren hinter vorgehaltener Hand davon, dass sie sich auf den Schmuck konzentrieren möchten. Dieser soll das lukrative Geschäft mit den Handtaschen ablösen. Das muss vorbereitet sein. Schmuck hat der Kleidung gegenüber den gleichen Vorteil wie Taschen: Man muss nur eine Größe produzieren, jedem passt es. Man kann es leicht verschenken, etc. Der skalierbare Trend wird von den Luxuskonzernen gemacht.
Ihr glaubt mir das nicht? Nun, nehmen wir mal die in Paris zeigenden Marken, die zum LVMH-Konzern gehören: Céline, Christian Dior, Kenzo, Loewe, Louis Vuitton (Show ist am 7. Oktober. Ich bin gespannt!). Na, ratet mal! Ich antworte mit der Fotogalerie für Sommer 2016. Der Reihe nach...
Ich kann mich daran erinnern, wie der damals frisch gebackene und heute noch amtierende Dior-Chefdesigner Raf Simons in der "Go Global"-Modedokumentation auf arte (2012) so etwas sagte wie:"Jetzt muss ich Handtaschen machen." Dabei schaute er versonnen und irgendwie hatte man das Gefühl, der Belgier habe seine Seele verkauft. Ihm gegenüber wurde die unabhängige Designerin Ann Demeulemeester gezeigt, die damals noch ihr Label verantwortete und sehr viel glücklicher schien. Vielleicht würde Raf Simons heute sagen: "Jetzt muss ich mir Ohrringe ausdenken."
Es ist praktisch, wenn sich verschiedene Marken in einem Konzern versammeln. In der Beauty-Industrie teilt man sich z.B. die Forschungsergebnisse zur Gesichtspflege. In der Modebranche kann man sich trendweise abstimmen, Produktionsstätten und -erfahrungen teilen.
Aber das soll keine Verschwörungstheorie werden. Das Schöne an der Mode ist ja, dass sie in der Luft liegt. Nachdem wir uns mit den Handtaschen als Statussymbolen schmückten, haben wir jetzt – ganz natürlicher Weise – ein anderes Schmuckbedürfnis. Das mit den Halsreifen des letzten Jahres hat sich noch nicht richtig durchgesetzt, die Designer bleiben aber teilweise dran. Und sie schießen mit langen Ohrringen nach, auch gern mit einzeln oder asymmetrisch getragenen. Weitere Designer, die in Paris den neuen Ohrschmuck zeigten…
Zuvor sahen wir lange Ohrringe auch schon in Mailand und New York– da rief ich schon den Schmucktrend vom Laufsteg aus >>>
Ich hatte unter anderen die langen Ohrringe von Emilio Pucci (LVMH) und Gucci (Kering) gezeigt. Aus Neugier schaute ich nun bei Bottega Veneta (Kering) noch einmal genauer hin: auch lange Ohrringe. In Paris zeigten die Labels Alexander McQueen (Kering) und Balenciaga (Kering) auch lange Ohrringe. Die Schauen von Stella McCartney (Kering) und Saint Laurent (Kering) finden erst noch statt: nachher um 10 Uhr und heute Abend. Schauen wir mal, was dann so an den Ohren baumelt.

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Photo Credit: Catwalkpictures

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