Ganz groß: Prada für 2014/15

Fassbinder Collage die bitteren Tränen der Petra von Kant Prada Modepilot
Kostüme in "Die bitteren Tränen der Petra von Kant"
Scheußlich? Moment mal, wir reden hier von Prada! NIE sollte man hier zu voreilig urteilen. Und, wenn nach der Show alle schweigend den Raum verlassen, dann liegt es nicht nur daran, dass sich jeder regelmäßige Schauengänger dessen bewusst ist, sondern auch daran, dass all die Eindrücke erst einmal verarbeitet werden müssen. Miuccia Prada regt zum Denken an. Und sie hat sich immer etwas dabei gedacht. Gehe einfach davon aus, dass das, was Du da siehst und nicht gleich begreifst, einen Sinn bekommt. Und in einem halben Jahr folgen die Kaufgelüste.
Für die Herbst/Wintersaison 2014/15 sollten also alle, die den Look nicht als Unwissende mit "scheußlich" abtun möchten, das Drama "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" (Rainer Werner Fassbinder) aus dem Jahre 1972 gesehen haben. Frau Prada hat sich von dem Kostümbild (Film und Theateraufführungen) inspirieren lassen, wobei der Begriff "Inspiration" nicht ausdrückt, wie ähnlich sich die Kleidungsstücke teilweise sind!
So findet sich das Halstuch – die Seide ist gelegt wie bei einer Krawatte und ist der einzige Schmuck in der Kollektion! – am Halse der wohlhabenden Modeschöpferin Petra von Kant und an den Models, die in Mailand über den Laufsteg liefen. Der V-Ausschnitt-Pullover zeigt in beiden Inszenierungen das gleiche Streifenmuster auf und auch die Lingerie-Elemente und Pelzverbrämungen haben einen eindeutigen Wiedererkennungswert.
Meine Highlights sind das Morphing von Chiffonkleid und Lammfellmantel (sie werden eins), die V-Streifen-Pullover und natürlich der Seidenschal, den es zu tragen gilt (Pucci zeigte ihn auch). Fassbinders Stück handelt übrigens von einer 35-jährigen Modedesignerin, Petra von Kant, die sie sich im Strudel von Macht und Geld verfängt und letztlich lernt, was Liebe bedeutet. Am 29. und 30. März 2014, Münchner Residenztheater (Marstall), Bibiana Beglau als Petra von Kant >>>
Und bis dahin schon einmal "Wie lange noch" von Kurt Weill anhören – das sang Schauspielerin und Sängerin Barbara Sukowa live zur Fashion Show. Mit Orchester im Graben.
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Fotos: Catwalkpictures
Photo Credit: false

Kommentare

  • efz sagt:

    YES! ES LEBE D I E S E R BLOG!! Mehr solche Berichte, bitte.
  • modezarin sagt:

    Echt, war die allgemeine Reaktion "scheußlich"? Nö, kann ich auch nicht nachvollziehen. Finde alles recht tragbar. Ich hatte dieses Mal eher Schwierigkeiten mit Marni. Dafür hat Dries Van Noten für mich die eigentliche Marni-Kollektion gemacht 😉
  • Kathrin Bierling sagt:

    @modezarin

    Die allgemeine Reaktion ist immer verhalten bei Prada – erst einmal. "Scheußlich" war nicht die allgemeine Reaktion, nein. Marni war nicht Marni, sehe ich auch so.


  • Mila sagt:

    Wirklich interessante Looks - und die Kollektion ist aus einem Guss, so sehr sogar, dass ich beim Herunterscrollen ein paarmal den Eindruck hatte, dasselbe Outfin mehrmals gesehen zu haben.
  • modezarin sagt:

    PS: Danke noch für den Fassbinder-Filmtitel. Habe mir gerade die DVD gekauft...
  • Kathrin Bierling sagt:

    @modezarin

    Freut uns zu hören. Bitte hier berichten!


  • modezarin sagt:

    Das mit der Filmkritik muß leider noch etwas warten. Ich hatte wohl das Kleingdruckte überlesen, denn gestern lag zu meiner Überraschung eine VHS-Kassette in meinem Briefkasten 😉