Reviews Review oder J.W. vs. J.W.

Mailänder Modewoche. Sie ist gestern zu Ende gegangen und heute schreiben Julia Werner in der Süddeutschen (leider online nicht auffindbar) und Jennifer Wiebking in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ihre Zusammenfassungen. Ich erwähnte die beiden bereits in "Jil Sander: zwei Lager".

Jennifer Wiebking versus Julia Werner

Sehr viel uneiniger sind sie sich bei dem Label Pucci, bzw. dem, was Chefdesigner Peter Dundas für die Herbst/Winterkollektion 2014/15 ablieferte. Jennifer nennt es "Klimperkleider," die "billig wie Modeschmuck" aussehen. Und geht noch weiter: "Um dieses Haus neu zu ordnen, müsste man schon Chefdesigner Peter Dundas feuern." Julia hingegen streicht den Sex-Appeal hervor und schreibt weiter: "Und Pucci [zeigte] die perfekt verarbeitete Version des aktuellen Cowboy-Trends, den man vor allem in den Schuh-Showrooms sieht."
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Klimperkleid, sexy, Cowboy-Trend: Emilio Pucci für Herbst/Winter 2014/15
Italienische Hoffnungen. Beide sehen die in Mailand gezeigte Mode als neues Aushängeschild für Italien, beide verwenden das Wort "Hoffnungen" und bringen den frisch vereidigten Premier ins Spiel. "Die Mailänder Mode steht für ein Italien, von dem Matteo Renzi noch träumt," formuliert es Jennifer in der FAZ. Für sie habe sich die Mode längst neu organisiert. Und auch Julia sieht die "Wiedergeburt" schon auf dem Laufsteg: "– nämlich die der italienischen Frau. Nur sehr selten war da noch das Fernweh-Starlet mit den aufgespritzten Lippen aus der Berlusconi-Ära zu sehen. Sondern meistens La Signora, die flache Schuhe zu Diamantohrringen so selbstverständlich eklektisch kombiniert wie niemand sonst auf der Welt."
Fendi bekommt von beiden gute Noten. Die vier Drohnen, die während der Show über unseren Köpfen schwirrten, wackelig kreisten und Bilder einfingen, wurden erwähnt. Schließlich stehen auch sie für Modernisierung – etwas das beide der Marke zutrauen. Laut Jennifer, weil die Pelze jetzt mit Humor harmonieren und Julia erwähnt "Carlito", eine kleine Karl Lagerfeld-Puppe aus Pelz, die Model Cara Delevingne (lief in Mailand exklusiv für Fendi), in einer Hand vor sich hertrug und damit die Show eröffnete.
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Model Cara Delevingne mit Carlito an der Hand
Bottega Veneta-Kreativchef Tomas Maier bekommt auch von beiden Lob und zwar für seine Plissee-Kleider und ihrer raffinierten Farbgebung, die erst durchs Tragen so Richtung zur Geltung kommt. Julia gegenüber sagte der gebürtige Pforzheimer, der wieder Englisch sprach, Julia übersetzt für uns: "Die aufspringenden Falten sollen unterstreichen, dass eine Frau vorangeht." … und Jennifer gegenüber: "Man muss sehen, wie sie [die Frau] läuft, wo Bewegung im Kleid ist, an welchen Stellen die Farbe also Sinn hat und dem Körper schmeichelt."
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Bottega Veneta für Herbst/Winter 2014/15
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Bottega Veneta für Herbst/Winter 2014/15
Wo geht der Purismus hin? Während Jennifer noch einmal erwähnt, dass die Kollektion von Jil Sander ohne Jil Sander oder einen anderen "fähigen Kopf" zu flach sei und eher für eine Zweitlinie tauge, weist Julia Werner auf die "neue Lust am Verzieren" hin (ohne auf Jil Sander einzugehen), die sie bei Dolce & Gabbana und No. 21 sah. Sie fragt sich, ob der "vermehrte Einsatz von Glitzersteinen ... das Ende der Céline-Purismus-Ära" ist. Gleichzeitig erklärt sie auch das Ende der modischen Verkleidung, wie man sie vor allem von Bloggern und Anna dello Russo, der Mitarbeiterin der japanischen Vogue, kennt. Jeremy Scott, der jetzt für Moschino entwirft, kommt mit seiner plakativen Mode entsprechend schlecht weg bei ihr. Jennifer Wiebking erwähnt ihn gar nicht.
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Die neue Lust am Verzieren: Dolce & Gabbanas Märchenwald
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Nur zehn Minuten im Archiv recherchiert? Das sieht man, findet Julia Werner
Auch andere Marken, wie Etro oder Sportmax werden von den Kolleginnen der Tageszeitungen besprochen, aber die werden wir hier noch einmal ausführlich angehen.
Kuschelkurs. Super einig sind sich J und J, was den dicken Kaschmir von Designer Stefano Pilati (ehemals bei Yves Saint Laurent) für Agnona angeht. Beide bestreiten ihren letzten Absatz mit ihm und weisen auf die Zughörigkeit der Damenlinie Agnona zum Herren- und Stofflabel Ermenegildo Zegna hin. Jennifer findet, dass man sich in die voluminös geschnittene Mode verkriechen könne und Julia mit ihm "auch mal ohne Dach überm Kopf" klar käme.
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Kuschelig und warm: dicker Kaschmirmantel von Agnona by Stefano Pilati
Fotos: Catwalkpictures
Photo Credit: false

Kommentare

  • Kathrin Bierling sagt:

    @Barbara

    Hahaha! Meine Meinung kommt noch..., aber J.W. vs. J.W. war einfach zu gut als Titel 😉 Und ich bin außerdem der Meinung, dass Modekritik in deutschen Tageszeitungen gerade auch auf Blogs Beachtung finden sollte.


  • Barbara Markert sagt:

    Geliebtes MJ, was ist das denn? Was interessiert mich, was die Jennifer und die Julia sagen! Was hat DIR gefallen?

    Nun schicke ich Dich für teuer Geld nach Mailand ('nen Chauffeur wolllte sie auch, A.d.R.) und dann schreibt sie am Ende ab, was die Kolleginnen sagen. MJ,das war das letzte Mal, dass ich Dich nach Mailand habe fahren lassen. Als Strafe musst Du nun eine Woche lang in Paris Streetstyles knipsen. Anna Dello Russo im Daily-Outfit, ach was sage ich, im Hour-Outfit und das täglich!!!


  • Hanna sagt:

    Super! Danke für die tolle Zusammenfassung.