Was nach SatC 2 hängen bleibt

Hotel-Seifen von Bulgari
Gestern Nacht war ich in SatC 2. Ich sage es gleich: Block und Stift hatte ich nicht dabei. Was blieb also hängen? Gänsehaut-Feeling, wenn Alicia Keys' "Empire State of Mind (Part II) Broken Down" zum Kameraschwenk über die New Yorker Skyline ertönt. Gänsehaut hatte ich oft. Immer dann, wenn Filmmusik eine Szene dramatisch machen konnte, z.B. als Carrie zufällig Aiden auf einem arabischen Markt in Abu Dhabi (tatsächlich Marrakesch) sieht. Das ist angenehme Effekthascherei. Das Beste an diesem kommerziellen Film ist aber die Lust auf Mode, die er weckt. Wenn sich Carrie im Tüll-gefüllten Rock, in überlangen Halston-Kleidern, in goldglitzernden 12-Zentimeter-Louboutins so selbstverständlich über die Straßen bewegt wie ich mich im Kapuzenpullover im Kinosessel lümmele, dann bekomme ich (nach meinem mega-entspannten Urlaub) wieder Lust aufs Kombinieren unlümmeliger Sachen.
Den Hergang, wie die Mädels von New York nach Abu Dhabi ("Dubai is over") im Luxusjet aufbrechen, weil Samantha eine Jobeinladung dorthin hat, formuliere ich jetzt nicht aus. Auch, dass Charlotte weiterhin liebe Ehefrau und Mutter (zweier Kinder) ist, kann sich jeder denken. Gut, ihren Nachnamen "Goldenblatt" legt sie sicherheitshalber für den Aufenthalt in Abu Dhabi kurz ab und checkt mit ihrem Mädchennamen "York" ein. Miranda ist immer noch Rechtsanwältin, trägt immer noch Orange und Grün und leistet sich als Einzige in der Runde ganz uneitel auch mal hängende Schultern. Samantha ist jetzt mit Menopausen-Angst beschäftigt, vielmehr noch mit der Angst, für junge, saftige Männer nicht mehr attraktiv sein zu können, weshalb sie täglich 40 Pillen schluckt. Carries Anliegen werden traditionsgemäß mit feineren Beobachtungen geschmückt. Da ist es ein fehlender Blick von Mr. Big oder seine Tüte mit Dinner drin, die in Carrie die Frage nach Glamour in der Ehe/erfülltes Eheleben aufkommen lässt. Oder einfach nur das Interesse für vermummte Frauen in arabischen Ländern: Wie sie mit Stickereien, Marken-Sonnenbrillen, LV-Spring-Collection unter der Kutte doch ein glückliches Leben führen können - auch, wenn für jede Pommes Frites der Schleier gekonnt angehoben werden muss.
Die Highlights (nicht lesen, wenn man den Film noch nicht gesehen hat. Der Überraschungseffekt ist sonst futsch):
- Liza Minnelli singt auf der Hochzeit von Stanford und Anthony "Single Ladies" von Beyoncé und tanzt deren Videoclip-Coreographie mit zwei Liza-Minelli-Lookalikes.
- Zum Thema "Häuslichkeit" sagt Carrie zu Mr. Big: "You always knew I was more Coco Chanel than coq au vin" - "coq au" klingt in der amerikanischen Version wie "Coco"
Wirklich gebrüllt habe ich bei so massentauglichen Witzen wie den hüpfenden und prallen Mega-Brüsten von Charlottes Kindermädchen - kein BH, Nippelalarm und damit eine echte Herausforderung für die älter gewordenen SatC-Girls. Da wurden die Jungs im Kinosaal wieder wach. Ziemlich allein war ich mit meinem Lacher als sich Miranda bei verfrühter Abreise in Abu Dhabi schnell noch die gesamte Palette Bulgari-Produkte des Sechs-Sterne-Hotels in die Reisetasche schiebt. Bei Bulgari-Produkten, vor allem bei "au thé vert", bin ich auch raffgierig (siehe Foto). - Das vielleicht beste Product-Placement im hypergesponserten Film.
Typische SatC-Elemente: Carrie öffnet ihren begehbaren Kleiderschrank jetzt mit einem Sicherheitscode: Die Türen gleiten zur Seite, sämtliche Lichter gehen an, meinem Freund hoffentlich eines auf. Im Suq, auf dem arabischen Markt, wo sich Carrie traditionelle Schuhe kaufen möchte, fragt sie den Verkäufer erstaunt: "Es gibt Schuhe für 20 Dollar?!?". Bei aller Liebe zum strapazierten SatC-Schuh-Klischee, aber so weltfremd ist keine Autorin, der das Wochenmagazin "The New Yorker" eine Zeile auf dem Titel widmet (kommt im Film vor). Natürlich kommt Samantha wieder regelmäßig beim Anblick besonders männlicher Männer in Wallung. Doch die Kondome, die ihr in unpassenden Situationen (Islam!) ständig aus der Tasche purzeln, nerven irgendwann. Genauso wie die fleißige Miranda, die ständig versucht, Samanthas Cut-out-Couture vor Araber-Blicken zu verhüllen.
Insgesamt wird der weiblichen Bevölkerung wieder geholfen, diesmal vor allem Ehefrauen und Müttern: Auch eine New Yorker Spitzenkolumnisten kommt in Verlegenheit, wenn sich der Ehemann mit Schuhen auf die Couch legt. Auch Super-Mamis mit 24/7-Nanny brechen zusammen, wenn das Kind den ganzen Tag schreit. Auch Stylistin Patricia Field greift mal daneben:
Patricia Field wird für diese Kombinationen in die Wüste geschickt
Foto: modepilot/modejournalistin, SatC 2
Photo Credit: false

Kommentare

  • Mauri sagt:

    und wieso die seife ??
  • modejournalistin sagt:

    @Mauri Kommt unter "Wirklich gebrüllt habe ich..."
  • texterella sagt:

    LOOOOL Danke für diesen Artikel! Ich war noch nicht drin, aber bald! 😀 (Hab trotzdem alles gelesen ... ;-))
  • modejournalistin sagt:

    @texterella Schade ums Coco-Cog-au, aber es gibt noch mehr gute Momente. Bin gespannt, was bei Dir hängen bleibt...
  • Mauri sagt:

    ok, ich fühle mich gerade richtig doof.

    verstanden hab ich's immernoch nicht !


  • Horst sagt:

    @mauri

    weil sich die modejournalistin in miranda widererkannt hat: beide sacken im hotel immer die bulgari-produkte ein.

    @modejournalistin: habe noch die kerze, dann wär das bulgari-set komplett (hab ich mal ausm hotel mitgehen lassen) 😉


  • modejournalistin sagt:

    @mauri Heute morgen las ich in der Welt am Sonntag Silke Wicherts Artikel über "Product Integration" (nicht mehr "Placement") in Filmen, gerade auch bei SatC 2. Witziger Weise fand ich die Hundertstelsekunde, in der die Hotel-Seifen von Bulgari zu erkennen waren, viel einprägsamer als sämtliche Limousinen und PCs, deren Hersteller viel Geld dafür bezahlten so prominent immer und immer wieder im Bild gesehen zu werden, sogar namentlich genannt zu werden.

    Wenn ich in ein Hotel gehe, schaue ich mir zuerst das Seifen-Arrangement im Badezimmer an: Bulgari-Produkte sind mein Favorit, erst die grüne Linie, dann die weiße. Verstehst Du, die SatC-Girls sprachen mir mit dem Einsacken der Produkte, selbst bei unerwarteter Abreise-Hektik, mehr aus der Seele als mit dem Streicheln irgendwelcher Sandaletten - das blieb bei mir nach dem Film hängen. Das ist vielleicht zu persönlich und deshalb schwer verständlich, aber wenn ich mir die Haare mit dem grünen Bulgari-Shampoo wasche, dann duftet die ganze Wohnung herrlich. Das ist ein Erlebnis, das dem Öffnen von Carries Schrank nahe kommen dürfte. Verstehst Du jetzt?


    Hier geht es zu Wicherts Artikel "Das Ende der Schleichwerbung" in der Welt am Sonntag. Bulgari kommt darin nicht vor, aber zum Beispiel HP, die mit ihren PCs nun Apple bei SatC abgelöst haben, weil sie für die nicht mehr schleichende, sondern trampelnde Film-Integration viel Geld zahlen: http://www.welt.de/die-welt/lifestyle/article7843797/Das-Ende-der-Schleichwerbung.html
  • modejournalistin sagt:

    @Horst Wie viel möchtest Du dafür haben?
  • Rene Schaller sagt:

    ich komme gerade aus dem film... die seifenszene war toll, aber das publikum lachte mehr bei stinkefinger gegen die männer auf dem markt. ich war peinlich berührt!
    das lange grüne von lanvin am ende war ein kleiner trost, macht aber die wüstenoutfits nicht vergessen. die verursachen noch lange kopfschmerzen.
  • Jérôme sagt:

    hahahaha... abgefahren! das mit den bulgari-teilchen! ich schaue immer als erstes darauf, wie das toilettenpapier gefaltet wurde. will wissen, ob da jemand kreatives im zimmer zu gange war.

    produkt integration trifft es tatsächlich besser. klingt ein bißchen härter und trifft damit den nagel auf den kopf.

    und ja, ich kann dir nur völlig beipflichten. die situation und die damit verbundenen gefühlen müssen geweckt sein, damit etwas hängen bleibt. nur schön und nur perfekt ist langweilig.


  • milanoffice sagt:

    beste szene (und im geiste für meine eigene hochzeit notiert): der männerchor auf stanfords hochzeit. ich LIEBE männerchöre!! (bitte mal laut marilyn monroes "kiss me" hören - ein ganz wundervoller männerchor schmettert da irgendwann los)
  • Horst sagt:

    @modejournalistin

    nix! gib adresse!

    🙂


  • modejournalistin sagt:

    @Horst Wie nett! Vielen Dank. Nimm doch einfach unsere Redaktionsanschrift aus dem Impressum, ja? Freue mich.
  • Mauri sagt:

    Oh bin ich doof, ich hab sogar noch super laut drüber gelacht, dass ich auch immer die Seife ausm Hotel mitnehme wenn die denn gut riecht ! 🙂

    JETZT ist es mir klar, danke und entschuldigung ! 😉


  • Tina sagt:

    Ich fand die Serie anfangs gut, dann immer schwächer, den ersten Film total nichtssagend und werde den zweiten wohl trotzdem gucken – nur wegen der Klamotten. Hoffentlich gibt es wenigstens ein paar Highlights.
  • Horst sagt:

    @modejournalistin

    päckchen geht morgen zur post! 🙂


  • Corinna sagt:

    Ich war gestern drin und enttäuscht. Zu kitschig, zuviel Walla-Walla Gewänder, zuviel Halston Heritage und Carries Haare waren sowas von gruselig. Das Beste war die Hochzeit von Stanny und Anthony. Ich guck mir lieber zum wiederholten Male die Serie an, das waren noch Zeiten.
  • modejournalistin sagt:

    Carries Haare waren gruselig? Du meinst auf der Hochzeit, oder? Seitdem ich nach München gezogen bin, habe ich den Absprung von meinem Düsseldorfer Friseur nicht geschafft - das bedeutet Haaransatz-Ausgleich nur alle 6 Monate, zur CPD, und immer länger und heller werdende, wellige Carrie-Haare. Dachte SJP würde mit dem Film meine Verwahrlosung vielleicht zum Trend küren. Wohl nicht.
  • Danke, Horst! > Und sonst > Modepilot sagt:

    [...] kam die Bulgari-Kerze von Horst (Blog: http://www.horstson.de) an, die er bei der SatC 2-Filmbesprechung unter den Kommentaren angekündigte. Welch Freude! Es handelt sich um meinen Lieblingsduft: au thé [...]