Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Kopfhaut Peeling – Braucht man das?

Zumindest scheinen sich „Scalp Peels”, wie sie auf Englisch heißen, zu dem Trendprodukt in der Haarpflege zu entwickeln. Fast wöchentlich kommen neue Peelings für die Kopfhaut auf den Markt. Wieder mal ein cleverer Marketing-Schachzug? Oder wirklich sinnvoll? Ich bin zwiegespalten. Bei Trockenheitsgefühl und Schuppen sehe ich persönlich noch einen gewissen Sinn darin. Aber muss eine gesunde Kopfhaut wirklich regelmäßig gepeelt werden?
Wir kennen Rubelkuren fürs Gesicht und für den Körper. Durch sanftes Reiben werden abgestorbene Hautschüppchen gelöst und die Durchblutung angeregt. Die Effekte sollen auf der Kopfhaut genau die gleichen: Tiefenreinigung, gesteigerte Durchblutung und eine bessere Versorgung mit Pflege-Wirkstoffen.
Modepilot Kopfhaut Peeling Innersense
Kathrin bei einer Haarwäsche mit einem Kopfhaut Peeling von Innersense
Warum Tiefenreinigung? Reicht da nicht ein Shampoo? Nicht immer, denn auf der Kopfhaut sammeln sich Schmutz und abgestorbene Zellen, sowie Rückstände von Styling-Produkten, an. Zusammen mit Silikonen aus Shampoos und anderen Pflegemitteln können sie sogenannte „Build-ups” an Ansatz und Haaren verursachen. Diese beschweren die Haare und machen sie platt. Peelings lösen solche „Build-ups” auf. Der Effekt: Die Poren der Kopfhaut können wieder atmen und Wirkstoffe besser aufgenommen werden. Verstehe!
Außerdem kommt die Rubbelkur einer sanften Massage gleich, die die Durchblutung anregt. Genauso wie die Kopfhautmassage beim Friseur. Was dabei passiert, ist, dass das frische Blut, reich an Sauerstoff und Nährstoffen, an die Haarwurzeln gelangt und somit das Wachstum unterstützt. In den Peelings sind zusätzliche Wirkstoffe enthalten, beispielsweise entzündungshemmende Substanzen wie Teebaumöl, die auf die Bedürfnisse einer irritierten Kopfhaut abgestimmt sind. Mineralstoffe wie Tonerde versorgen die Haarwurzeln mit Nährstoffen. Arganöl oder Apfelextrakte spenden Feuchtigkeit und sollen die Produktion der Talgdrüsen regulieren. Das wiederum hat zur Folge, dass die Ansätze weniger schnell nachfetten.
Der eigentliche Peelingeffekt wird jedoch durch feine Sand-, Zucker- und Meersalzkörner erreicht. In Peeling-Shampoos, wie man sie in Anti-Schuppen-Haarpflege findet, sind allerdings immer seltener Rubbelkörner enthalten. Sie wirken enzymatisch, kennen wir auch aus der Gesichtspflege, häufig in Kombination mit Salicylsäure. Aber das alles war mir an Information noch nicht genug. Mich hat es jedenfalls nicht überzeugt, dass meine gesunde Kopfhaut von regelmäßigen Rubbelkuren profitiert. Deshalb habe ich einen erfahrenen Haarexperten gefragt, der es wissen muss.

Das sagt Haar-Profi Stefan M. Pauli vom Salon Pauli in München:

Muss ich mir ein „Scalp-Peeling” kaufen?
Stefan M. Pauli: Es ist in jedem Fall ein Problemlöser-Produkt. Wer keine Probleme hat und sein Haar nicht überstylt, sollte ein gutes Shampoo und dann lieber eine Kur oder ein Serum bevorzugen, wenn er seiner Kopfhaut etwas Gutes tun will.
Hilft Peelen bei trockener Kopfhaut oder Schuppen?
SP: Wirklich belasteter Kopfhaut mit Schuppen hilft es schon. Die Peelingkörner gehen zwischen die Haare und lösen, was sich dort angesammelt hat. Mit einem normalen Shampoo klappt das nicht immer. Aber: Bei schuppiger Kopfhaut ist diese nach dem Peeling zwar erst mal befreit von allen Rückständen, aber nicht reguliert. Deshalb anschließend ein Produkt verwenden, das sie beruhigt.
Und bei fettiger Kopfhaut?
SP: Die erlebt den größten Benefit. Wenn man sie nicht intensiv reinigt und nur mit Shampoo wäscht, können Talgreste zurück bleiben. Da ist die mechanische Wirkung eines Peelings toll. Das wirkt sich dann auch auf die Haare aus, sie sind leichter und luftiger. Der optische Volumenzuwachs liegt daran, dass sich die Haare an den Wurzeln wieder aufrichten. Ablagerungen auf der Kopfhaut können den Follikel einengen.
Lieber Rubbelkörner oder Enzyme?
SP: Angenehmer finde ich Peelings, de sich auflösen bei der Anwendung. Da muss man nicht zu intensiv nachwaschen, um die Krümel wieder aus den Haaren zu kriegen. Wenn schon Körner, dann mit einem entsprechenden Shampoo lösen, das Haartyp- und Kopfhaut-gerecht ist.
Darf ich nach dem Färben peelen?
SP: Nach einer Farbbehandlung eher nicht, weil Haare und Kopfhaut ohnehin bereits gereizt sind. Auch wenn im Salon bereits ein Strukturaufbau erfolgt ist, sind die Haare aufgequollen. Je nach Haarbeschaffenheit und Art der Farbbehandlung (Teilfarbe, Blondierung) sollte man mindestens zwei bis vier Tage warten. Durch ein zu frühes Peeling kann man außerdem schöne Farbreflexe verlieren.
Für wen sind „Scalp Peels” ein Tabu?
SP: Auf jeden Fall für eine sensible Kopfhaut, die schon auf Berührung empfindlich reagiert. Sie verträgt kein grobkörniges Peelen. Das gilt auch für Psoriasis oder Ekzeme der Kopfhaut. Da wäre die Reizung eines mechanisches Peelings zu intensiv. Lieber etwas benutzen, das die Kopfhautprobleme lindert. In extremen Fällen den Hautarzt fragen.
Wie peelt man richtig?
SP: Das Haar leicht anfeuchten. Ein wenig von dem Produkt auf den Handrücken geben und scheitelweise auftupfen. Erst an den Seiten, dann nach hinten zum Hinterkopf weitermachen. Nicht zu viel von dem Peeling verwenden, weil es ja auch wieder raus muss. Weniger ist hier mehr. Und sanft einmassieren, nicht wild rubbeln.
Wie oft sollte man es anwenden?
SP: Auf vielen Produkten findet man die Empfehlung von ein- bis mehrmaliger Anwendung pro Woche. Ich würde sagen, alle drei bis vier Haarwäschen. Wenn ich ein- bis zweimal pro Woche wasche und jedesmal vorher ein Peeling mache, ist das zu viel. Wirklich nur benutzen, wenn man etwas wegarbeiten will. Sonst erreicht man das Gegenteil und induziert eine gereizte Kopfhaut.
Und wie verwendet man ein Peeling-Shampoo?
SP: Das ist Peeling und Shampoo in einem. Die Rubbelkörner sind im Shampoo enthalten. Zuerst mit wenig Wasser sanft in die Kopfhaut einarbeiten, dann mehr Wasser dazu geben. Die nun aufgelösten Körner werden zum schäumenden Shampoo. Moderne Schuppen-Shampoos wirken inzwischen meist enzymatisch ohne feste Partikel. Anschließend empfiehlt sich auch hier ein Serum, um die Kopfhaut zu regulieren.
Photo Credit: Catwalkpictures

Kommentare

  • Jessica sagt:

    Seitdem ich hier von Kathrins Tipp mit dem Vitamin C Serum gegen trockene Kopfhaut gelesen habe, gehört es zu meiner festen Routine. Immer wenn ich trockene Stellen auf meiner Kopfhaut spüre, trage ich ein paar Tropfen des Serums auf. Jeder, der ähnliche Probleme hat und es noch nicht getestet hat, muss es unbedingt mal ausprobieren! Super Tipp!

    https://www.modepilot.de/2020/02/18/neulich-zum-falschen-flaeschchen-gegriffen-und-jetzt-ein-hautproblem-weniger/


    • Kathrin Bierling sagt:

      Ah, liebe Jessica! Das freut mich ungemein. Vielen Dank für das schöne Feedback. Liebe Grüße, Kathrin