Random Identities – Stefano Pilati führt die Mode wieder an

Als einer der besten Modedesigner, Stefano Pilati, nach 12 Jahren Yves Saint Laurent und vier Jahren Zegna in Berlin abtaucht, wurde ich etwas unruhig. Doch ein Freund aus Berlin, der mit ihm gesprochen habe, versicherte mir, dass Pilati die Nachfolge von Giorgio Armani antreten wird. Die Vorstellung gefiel mir, denn der Altmeister hätte mit seinem Imporium, zu dem noch so viel mehr gehört als nur die Modelinien, noch genug zu tun. Und Pilati könnte sowohl die Damen-, als auch die Herrenlinie modernisieren.
Doch dann passiert lange nichts. Was offensichtlich gut war. Denn vier Jahre später präsentierte Pilati auf seinem Instagram-Account das, was eine neue Mode verspricht: 17 neue Looks tauchen in seinen Instastories aus. Achtung hat Screenshots gemacht und schrieb damals: „Und auch wenn Pilati beteuerte, es handle sich bei dieser Kollektion lediglich um einen Test, und dass keines der gezeigten Teile jemals in Produktion gehen würden, kreiert er doch mit Random Identities – so der Name seines persönlichen Experiments – das Spannendste, was die Branche im Augenblick zu bieten hat.”

Berlin war in den 20ern schon einmal modisch einflussreich

Junge Männer aus dem Berliner Nachtleben tragen dort das, was sich ergibt, wenn man ein guter Beobachter ist, Feingefühl hat, visionär und ein exzellenter Modedesigner ist. Ich möchte mir das, was die Bärtigen dort tragen als neuen Look für die 2020er Jahre überstreifen. Es ist eine vom Geschlecht unabhängige Mode, ohne auf irgendwelchen Klischees herumzureiten. Die Message: Du kannst alles sein! Gegenüber L'Uomo Vogue sagte Pilati: „... Es soll junge Erwachsene dazu inspirieren, sie selbst zu sein, wenn sie sich kleiden. Anstelle sich mit dem Stil einer anderen Person zu identifizieren...” – Es ist vielleicht genau diese Einstellung, die dafür sorgt, dass man sich mit seiner Marke Random Identities so gern identifiziert.
So trägt einer der Männer einen schmalen, festen Volantrock (es könnte auch eine Shorts sein) über eine semi-transparente Sweatpants aus Nylon zu Absatzstiefeletten – alles in Schwarz. Was vielleicht merkwürdig klingt, sieht völlig nachvollziehbar aus. Es sind natürlich entstandene Looks, die Pilati als unabhängiger Designer vor allem für sich kreiert hat. Auch er trägt des öfteren Anzughose zu Absatzstiefeletten. Bei der gerade zu Ende gegangen Herrenmodewoche Pitti in Florenz lief er am Ende auch als Model über den Laufsteg.

Random Identities – Winter 2020

 
Jede Kollektionserweiterung, oder auch „Random Release” in diesem Fall genannt, baut aufeinander auf. Denn Pilati erfindet nicht jede Saison einen neuen Look, vielmehr bestätigt er damit seine Vision vom modernen Outfit. Auch in der Kollektion für Winter 2020/21 findet man Einzelteile (Gürtel, Web-BH), die man vielleicht schon hat oder zumindest schon einmal mit geliebäugelt hat. Damit unterstreicht er nur um ein weiteres Mal die Glaubwürdigkeit des Konzepts. Da kann man doch froh sein, dass sich der Mailänder nicht ständig um neue Handtaschen-Modelle bei einem der großen Labels kümmern muss.
Shopping-Tipp: Die „Black Worker Boots” mit Schlaufe und 8,5-Zentimenter-Absatz, die so ein 'Signature Piece' von Random Identities sind, gibt es in der Herrenabteilung günstiger: Ssense.com/en-de/men/black-worker-boots. Kann natürlich nicht jeder Mann modisch-gedanklich so weit sein wie Pilati. Daher kostet der Schuh bei den Frauen 375 Euro und bei den Herren nur noch 225 Euro. Er wurde reduziert und ist noch in allen Größen ab 36 erhältlich. Ich habe natürlich zugeschlagen.
Modepilot Random Identities Stefano Pilati
'Black Worker Boot' und Mode von Random Identities beim kanadischen Onlineshop Ssense
Photo Credit: Catwalkpictures
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

Kommentare

  • Martina sagt:

    Die Kollektion sieht spannend aus. Das kleine Cape vom mittleren Bild/obere Reihe gefällt mir am besten. Überhaupt finde ich es interessant, wie attraktiv es Männer in meinen Augen macht, wenn sie femininere Elemente tragen. Ich hoffe, dass der ein oder andere Mann sich traut!
    • Kathrin Bierling sagt:

      Liebe Martina, Vielen Dank für Deinen Kommentar! Freue mich sehr, dass es Dir auch so geht! 🙂

      Ganz liebe Grüße und einen schönen Abend,

      Kathrin


  • Katinka sagt:

    Zeig mal ein Bild, auf dem Du die Schuhe trägst, bitte! Auf den Fotos sehen sie toll aus, aber wie kombinierst DU sie? Ich meine so für Deinen Alltag... Liebe Grüße!
    • Kathrin Bierling sagt:

      Hallo liebe Katinka, Vielen Dank für Deine Nachricht! Die Schuhe sind noch auf dem Weg aus Kanada zu mir – Ich hatte den Artikel sofort geschrieben, damit Ihr auch noch rechtzeitig die Schuhe zum Vorteilspreis bekommt 😉 Aber, sobald ich die Schuhe habe, werde ich Fotos mit entsprechenden Stylings machen und hier hoch laden, versprochen. Bin versucht, auch ein Oversize-Layering dazu zu tragen, aber befürchte, dass das an mir nicht gut aussieht – mal sehen. Drücke mir die Daumen, dass die Lieferung noch rechtzeitig für die Couture-Schauen ankommt 🙂 Liebe Grüße zurück!
  • Silke sagt:

    Danke für den Tipp! Habe mir die Schuhe nun auch bestellt! 🙂
  • Silke sagt:

    Und die weiß/schwarzen Netzsocken!
    • Kathrin Bierling sagt:

      Ah, wie cool! Die Netzsocken habe ich auch gekauft – aber in Schwarz/Schwarz.