Das „sorgenfreie” Deo: Nuud im Test

Das Versprechen: „das sorgenfreie Deodorant”. Es ist umweltfreundlich, gesund und soll effektiv sein. Weder Aluminium, Aluminiumsalze noch Mineralöl, Parabene, Parfum, Alkohol oder Chemikalien befinden sich darin. Die Tube ist aus recyclebarem Zuckerrohr hergestellt.
Des Weiteren wirbt die niederländische Firma aus Utrecht damit, dass man das Creme-Deo nur zwei-, dreimal die Woche verwenden müsse, es also auch noch sehr ergiebig sei. Eine 15 ml-Tube reiche für sechs Wochen (zum Vergleich: klassische Deos haben 50 ml). Das möchte ich ausprobieren!

Nuud im Test

Als Erstes freue ich mich, als ich die Bestellung im Briefkasten finde. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass Marken ihre Pflegeprodukte so versenden, dass sie durch den Briefkastenschlitz passen, und ganz ohne Styropor auskommen. Auch sonst macht die sparsame Rundumverpackung Freude: alles ungebleicht, aus biologisch abbaubarem Karton aus nachhaltiger Forstwirtschaft (FSC) und CO2-neutral versendet.
Nuud in der Schachtel Modepilot Test
Das Nuud-Deodorant in seiner Verpackung frisch bei mir auf dem Tisch
Ich hatte mich vorher eingelesen und auch ein kleines Erklärvideo angesehen. Da ein entsprechender Hinweis mit Link mit der E-Mail-Bestellbestätigung kam. Nuud sei ein anderes Deo und man müsse eventuell eine Entgiftungsphase mit übel riechendem Schweiß in Kauf nehmen. Die Poren müssen sich erst einmal befreien von dem, was herkömmliche Deos/Antitranspirantien verstopften.
Zur Erklärung: Deos bekämpfen Geruch. Antitranspirantien hingegen bekämpfen das Austreten von Schweiß und anderen Ausscheidungsprodukten (Giftstoffe aus der Lymphe), indem sie die Poren mit Alumiumsalzen blockieren. Oft handelt es sich bei Deos, die wir verwenden, gkeichzeitig um ein Antitranspirant. Ein reines Deo blockiert die Schweißbildung nicht, oder zumindest nur gering.
Auch solle man herausfinden, wie oft man das Deo selbst verwenden müsse, so heißt es in dem Video weiter. Im Durchschnitt müsse man es nur alle drei Tage, zweimal die Woche verwenden. Aber man solle erst einmal mit jedem zweiten Tag anfangen.
Ich hatte schon bei der Bestellung, also eine knappe Woche vor Testbeginn damit begonnen, nur noch ein alkohol- und aluminiumfreies Deo aus dem Bioladen zu verwenden. Ich wollte mich vor einer „Entgiftungsphase” bewahren.
Nuud Deodorant Test Tube Modepilot
Voll ist die Tube nicht, aber die versprochenen 15 ml sind drin
Bei der ersten Anwendung verstehe ich, was mit „the tiniest bit is more than enough” gemeint ist: Die Creme ist so ergiebig, dass die Größe einer getrockneten Erbse die gesamte Achselhöhle weißelt wie dickflüssige Sonnencreme. Doch die Menge reicht nicht aus, wie sich später herausstellen soll.

Wie funktioniert Nuud?

Das darin enthaltene, antibakterielle Mikrosilber sorgt dafür, dass geruchsbildende Bakterien neutralisiert werden. Schweiß tritt also ganz normal aus – anfangs vielleicht sogar verstärkt, wenn man es zuvor lange unterbunden hat, heißt es.
Die Liste der Inhaltsstoffe ist – auch im Vergleich zu Bio-Deos – mit 10 Zutaten überschaubar:
  • Caprylic/capric triglyceride
  • Ricinus communis seed oil
  • Zinc oxide
  • Prunus amygdalus dulcis oil
  • Stearalkonium bentonite
  • Polyglyceryl-3 diisostearate
  • Hydrogenated castor oil
  • Copericia cerifera cera
  • Propylene carbonate
  • Silver
  • Code Check hält alle Inhaltsstoffe für unbedenklich, lediglich das antibakterielle Silber, den Hauptwirkstoff, für „leicht bedenklich”. Dessen Anteil stellt aber den geringsten dar.
    Ein heftiges Work-out oder langes Duschen sollen keinen Einfluss auf die Wirkungsweise des Deos haben, heißt es. Das sei darauf zurückzuführen, dass das Deo auf Öl basiert – wie eine wasserfeste Sonnencreme. Wer mit sehr viel Seife oder einem Peeling seine Achselhöhlen schrubbt, kann das Mikrosilber-Ölgemisch aber abtragen. Angeblich müsse man gar keine Waschlotion mehr unter den Armen verwenden, aber das kann ich nicht unterschreiben.

    Ich probiere alles aus

    Nach circa 18 Stunden, am nächsten Morgen, erschrecke ich angesichts meines Odeurs. Ich rieche wie jemand, um den ich einen großen Bogen machen würde. Immerhin funktioniert mein Geruchsinn: Mit einem ähnlichen Genpool würde ich mich jedefalls nicht fortpflanzen.
    Ich dusche. Dabei verwende ich Waschgel, auch unter den Armen. Denn den Geruch kriege ich sonst nicht weg. Danach trage ich das Deo nicht erneut auf, sondern warte geduldig auf den nächsten Tag. Tatsächlich: keine Schweiß- oder Geruchsbildung über den Tag und die kommende Nacht. Allerdings stand auch kein Sport auf dem Programm und warm war es auch nicht.
    Nuud Deo Verpackung Modepilot Test
    Kleine, feine Versandverpackung von Nuud
    Weitere zwei Tage später folgt ein Deo-Extremtest: Ich fahre übers Wochenende zu einem Yoga-Retreat mit allein am Samstag fünf Yoga-Sessions und einer Bergwanderung. Das Deo versagt. Doch ich bleibe dran an dem Versuch, nur alle zwei Tage das Deo verwenden zu müssen. Also dusche ich zwischendurch und trage das Deo erst am Sonntag wieder auf. Auch das stellt sich später als nicht brauchbare Methode für mich heraus.
    Montagmittag schon wieder das unangenehme Gefühl, nach Schweiß zu riechen. Es ist der sechste Tag. Wie lange dauert so eine Umgewöhnungsphase eigentlich? Auf der Website des Herstellers steht „eine Weile”. Ich möchte es genauer wissen und frage nach. Dafür stehen zur Auswahl: E-Mail und Facebook-Messenger. Der Telefon-Button führt zu einer Fehlerseite. Ich wähle den schnellen Messengerdienst.

    Ich muss meine Routine nachjustieren

    Zehn Minuten später bekomme ich kurzweilige und detailliertere Informationen darüber, was ich speziell tun kann, um vor Schweißgeruch besser geschützt zu sein. Für mich relevant sind folgende Ratschläge:
    • Solange ich mich morgens noch selbst riechen kann, soll ich Nuud jeden Morgen anwenden.
    • Eventuell sollte ich die Menge erhöhen (also doch lieber die Größe einer knackigen und nicht vertrockneten Erbse pro Arm) und zwei bis drei Minuten einziehen lassen, bevor ich mich anziehe.
    • Mit zwei Wochen „Entgiftungsphase” solle man rechnen, wenn man sich jahrelang die Poren mit Antitranspirantien verstopft hat.
    • An Tag 8 schwitze ich in einem Cashmere-Pullover, der Schweiß läuft mir herunter und in das weiche Material. Hach, porenverstopfende Alumiuniumsalze waren schon eine tolle Erfindung! Am selben Tag tobe ich mich auch noch auf dem Crosstrainer aus, der Schweiß tropft mir von der Nase. Immerhin: Ich stinke nach diesem Tag nicht, die neue Routine scheint zu funktionieren.
      An Tag 10 vergesse ich morgens das Deo und bemerke die Auswirkungen schon gegen Mittag. An den folgenden Tagen habe ich die Sache wieder im Griff. Bis ich sie wieder so gar nicht im Griff habe. An den Tagen vor und während der Periode träume ich von Rexona. Ich zähle mich fortan unter stark schwitzende Menschen.
      An manchen Tagen muss ich mich zwischendurch mit Seife waschen, um den Schweißgeruch loszuwerden, und verwende das Deo zweimal. Entsprechend drücke ich den restlichen Inhalt schon nach knapp drei Wochen gegen Tubenausgang – 13 Euro schon nach drei Wochen aufgebraucht. Zum Vergleich: ein herkömmliches Deo hat 50 ml und hält mindestens zwei Monate.

      Fazit

      Die Hoffnung, nur noch alle paar Tage ein Deo verwenden zu müssen, erfüllt sich für mich leider nicht.
      Allerdings zähle ich offensichtlich zu den stärker schwitzenden Menschen. Denn der Freund einer Freundin verwendet das Deo seit einem halben Jahr und muss es seither nur alle zwei Tage auftragen. Er ist super happy damit, und die Freundin hat in der Zeit nichts Unangenehmes gerochen, sagt sie.
      Würde ich das Deo zu einem wichtigen Termin oder einer Date-Night verwenden? Nein.
      Die kleine Tube ist hübsch anzusehen und nimmt im Handgepäck keinen Platz weg. Das mag ich, genauso wie das gute Gefühl, das mit den Inhaltsstoffen und der Verpackung einhergeht.
      Würde es bei mir seinen Zweck erfüllen, würde ich das Produkt gern weiter verwenden. Doch so werde ich, wie Kollegin Sabine Kühnl, in Zukunft wieder herkömmliche Deos verwenden (hier ihr Tipp >>>). Dafür werde ich ein Deo an etwas weniger verfänglichen Tagen auch einfach mal weglassen.
      Empfehlenswert für Leute, die nicht viel schwitzen: https://nuudcare.de
      Photo Credit: Modepilot

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      Kommentare

      • efz sagt:

        Hätte nie für möglich gehalten, dass ich einen Bericht über Deos interessiert und gespannt bis zum Ende lesen würde.....super!
        • Kathrin Bierling sagt:

          Danke, was für ein schönes Feedback! Freu mich sehr.