Remix der Ikonen: Jean Paul Gaultier modernisiert seine Kultparfüms

An einem Bestseller sollte man besser nichts verändern. An einem Klassiker sowieso nicht.  Somit hat Jean Paul Gaultier alles richtig gemacht: Der Pariser Mode-Designer  wollte seinen beiden Duftbestsellern Le Mâle und Classique ein neues Leben einhauchen. Was tat er? Er änderte nichts, sondern schuf Neues: Das Ergebnis nennt sich Classique Essence de Parfum und Le Mâle Essence de Parfum und schreibt die Geschichte zweier Kultdüfte weiter.

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Le Mâle Essence de Parfum und Classique Essence de Parfum

Die Vorgeschichte

Es gibt nur wenige Parfums, die es in den letzten Jahrzehnten geschafft haben, Klassiker zu werden. Die beiden Düfte Classique und Le Mâle von Jean Paul Gaultier gehören dazu. Als Gaultier sie in den Neunzigerjahren auf den Markt brachte, revolutionierten sie die ganze Duftbranche. Nicht nur durch ihre gewagten und sexy Duftnoten, sondern auch durch ihre Verpackung. Die Parfums steckten nicht in geschliffenem Kristall, sondern in gläsernen Torsos einer nur im Kult-Korsett des Designers bekleideten Frau und eines (fast) nackten Mannes, die Umverpackung war nicht aus edlem Karton, sondern aus Blech. Mit der revolutionären Lancierung machte der Designer seinem Ruf als „enfant terrible“ alle Ehre. Die damals noch skandalöse Blechdose ist heute längst das Markenzeichen aller Gaultier Düfte und beliebtes Deko-Element in vielen Badezimmern.

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Jean Paul Gaultier

Die Geschichte der neuen Essenzen

Fast ein Vierteljahrhundert später schreibt Jean Paul Gaultier diese Erfolgsgeschichte fort. Die Idee: Die neuen Parfum-Essenzen der Parfums Classique und Le Mâle sollen noch ausgeklügelter und facettenreicher werden als das Original – aber vor allem auch moderner. Beauftragt werden genau die beiden Parfumhäuser, die auch schon die Originale für Jean Paul Gaultier in den Neunzigern kreiert hatten: Givaudan, vertreten durch den Parfumeur Quentin Bisch und zuständig für Le Mâle Essence de Parfum, und Firmenich, vertreten durch die Nase Daphné Bugey, die zuständig für Classique Essence de Parfum ist.

Daphné Bugey, Parfümeurin von Classique Essence de Parfum
Quentin Bisch, Parfümeur für Le Mâle Essence de Parfum

Daphné Bugey, Parfümeurin von Classique Essence de Parfum

Quentin Bisch, Parfümeur für Le Mâle Essence de Parfum

Was machen nun die neuen Düfte aus? Barbara war bei der Lancierung in Paris dabei und hat sich die beiden Parfümeure zu einem kurzen Interview geschnappt:

Modepilot: Als Firmenich und Givaudan in den Neunzigerjahren für Jean Paul Gaultier die Klassiker-Parfums Classique und Le Mâle schufen, waren Sie beide noch in der Ausbildung. Warum wurden zwei junge Parfümeure gewählt? Und wie gingen Sie den Remix der beiden Kultdüfte an?

Quentin Bisch: Es gab bei Firmenich und Givaudan eine interne Ausschreibung für die Projekte, die wir beide gewonnen haben. Natürlich hatten wir die Originalformeln vorliegen, aber wir wollten uns nicht auf sie beziehen. Das meiste ist neu. Es sind komplett neue Kreationen.

Wenn man aber die Parfums riecht, ist der olfaktorische Bezug zum Klassiker sofort erkennbar. Wie kommt das?

Daphné Bugey: Die Parfums haben manche Inhaltsstoffe gemein. Aber sie sind anders eingesetzt. Beim Frauenduft Classique Essence de Parfum zum Beispiel ist der Ingwer gleich, aber es handelt sich um eine neue Generation von Ingwer, der ganz anders riecht. Es ist wie im Klassiker noch immer Orangenblüte enthalten, aber auch sie ist anders eingesetzt. Oder nehmen wir die Vanille: Sie ist nun in der „Schlagsahne“ (einem neuartigen Molekül, A.d.R.) integriert und wird dadurch viel milchiger und weicher als früher. Doch man muss schon sagen, dass die meisten Ingredienzen neu sind.

Die Parfümerie hat sich in den letzten Jahrzehnten weiter entwickelt und neue Moleküle herausgebracht. Kann man sagen, dass dank dieser Techniken und neuer Inhaltsstoffe Parfums heute vielschichtiger sind als früher?

Daphné Bugey: Ja, das kann man sagen. Viele der Moleküle entstammen einer neuen Generation, wie zum Beispiel Cachalox, eine Neuentwicklung von Firmenich. Sie geben eine viel modernere Tonalität. Durch neue Techniken ist auch die Qualität der synthetischen Moleküle stark gestiegen. Sie kommen den natürlichen Noten sehr viel näher, sind präziser und pointierter.

Können Sie konkret ein paar dieser neuen Inhaltsstoffe nennen, die in den Essences de Parfum verwendet wurden?

Quentin Bisch: Gerade bei der Re-Interpretation dieser beiden Klassiker haben wir uns erlaubt, in verschiedene Richtungen zu denken. Wir wollten ganz bewusst neue und gewagte Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel die von Daphné erwähnte Schlagsahne, ausprobieren. In Le Mâle steckt zum Beispiel auch eine neue Essenz von Leder, die erst kürzlich auf den Markt der Duftstoffe kam. Oder nehmen wir das synthetische Molekül Georgywood, eine Kreation von Givaudan, die rein, frisch und dabei doch holzig riecht. Das sind alles Moleküle, die es in den Neunzigern noch nicht gab. Sie greifen den Original-Tenor der Frische und des Holzes des Klassikers Le Mâle auf, aber beleuchten in der neuen Version Essence de Parfum ganz neue, moderne Nuancen.

 

Die neuen Duft-Essenzen, ihre Inhaltsstoffe und ihre Flakons

Classique Essence de Parfum: Kopfnote aus Ingwer, Pepperoni und Schlagsahne. Herznote aus Sambac Jasmin und Orangenblüte. Basisnote aus Cadewood (Zedernwacholder), Cachalox und Moschus. Die Umschreibung der Parfümeurin lautet: Der erste Eindruck ist frisch und würzig, danach wird es blumig und verführerisch, um in einen rauchigen und sexy Akkord zu enden.

Classique Essence de Parfum: erster Akkord aus Pepperoni, Ingwer und Schlagsahne
Classique Essence de Parfum: zweiter Akkord aus Jasmin Sambac und Orangenblüte
Classique Essence de Parfum: dritter Akkord aus  Moschus, Cachalox und Cadewood (Zedernwacholder)

Classique Essence de Parfum: erster Akkord aus Pepperoni, Ingwer und Schlagsahne

Classique Essence de Parfum: zweiter Akkord aus Jasmin Sambac und Orangenblüte

Classique Essence de Parfum: dritter Akkord aus Moschus, Cachalox und Cadewood (Zedernwacholder)

Le Mâle Essence de Parfum: Kopfnote aus Georgywood, Kardamom und Bergamotte. Herznote aus Leder und Osmanthus. Basisnote aus Tonka und Vanille. Die Umschreibung des Parfümeurs lautet: Der erste Eindruck ist wie beim Classique frisch und würzig, danach dringt ein weicher Lederduft durch, der am Ende pudrig umschließt.

Le Mâle Essence de Parfum: erster Akkord aus Bergamotte, Kardamom, Georgywood
Le Mâle Essence de Parfum: zweiter Akkord aus Osmanthus und Leder
Le Mâle Essence de Parfum: dritter Akkord aus Tonka und Vanille

Le Mâle Essence de Parfum: erster Akkord aus Bergamotte, Kardamom, Georgywood

Le Mâle Essence de Parfum: zweiter Akkord aus Osmanthus und Leder

Le Mâle Essence de Parfum: dritter Akkord aus Tonka und Vanille

Bei den Flakons muss man schon genauer hinsehen, um festzustellen, wo der Unterschied zum Klassiker liegt. Der Damen-Torso des Essence de Parfum hat weniger Busen, dafür mehr Hüfte bekommen. Die Herrenbüste hat ihr Matrosen-Ringel-Shirt ausgezogen (hoppla!!) und zeigt eine noch breitere Schulter und eine noch schmalere Hüfte als zuvor. Nun könnte man sagen, dass die beiden neuen Flakons damit unseren heutigen Körperidealen entsprechen: ein Männer-Torso, der regelmäßig ins Fitnessstudio geht, und ein Frauenkörper ganz nach den Idealen der neuen Schönheits-Königin Gigi Hadid.

 

Das Modepilot-Fazit:

Es ist für Parfümeure sehr schwer, solche Ikonen der Neunzigerjahre modern aufzufrischen. Es war eine andere Zeit, eine andere Mode, ein anderes Marktumfeld. Wir werden immer anspruchsvoller und wollen mehr Vielschichtigkeit. Hier setzen die neuen Essenzen an.

Der Damenduft Classique Essence de Parfum entwickelt nach einer ersten Frische eine starke florale Note, ganz im Stil moderner Parfums. Die Lieblichkeit der Blumen bleibt, wird aber im Abgang abgerundet mit einem frisch-holzigen Ton, der an frisch geschnittenes Holz erinnert. Die Basis riecht dennoch recht süßlich. Damit entspricht Classique Essence de Parfum ganz den heutigen Duft-Tendenzen.  Durch die einerseits weichen, wie süßlichen, aber andererseits auch frischen Noten ist diese Neuheit durchaus das ganze Jahr tragbar.

Bei Le Mâle Essence de Parfum überzeugt nach einem ersten Frischekick die Herznote sehr. Sie ist holzig wie auch rauchig und verstärkt sich immer mehr. Man könnte sagen, sie hüllt den Träger des Parfums ein. Ein bitter-zitroniger Abgang hält dabei die Frische aufrecht. Die Süße der Tonka und Vanille aus dem dritten Akkord ist dezent und das ist gut so. Die Basis bleibt rauchig-würzig. Ein gelungener Herrenduft, der sich bestens einreiht ins aktuelle Duft-Angebot und dieses um ein sexy Parfüm bereichert.

Das Ziel Quentin Bischs, dem Parfum Le Mâle eine „hyperschicke, moderne Seele“ zu geben, ist in Barbaras Augen ebenso geglückt, wie das Ansinnen von Daphné Bugey, dem Duft Classique etwas Reiches und Schlemmerhaftes  zu verleihen. Well done.

 

Jean Paul Gaultier mit allen Sinnen erleben

Am 22. September 2016 feiert die Revueshow THE ONE ihre Premiere im Berliner Friedrichstadt-Palast. Kathrin wird vor Ort sein, sich vorher Classique Essence de Parfum aufsprühen und die Show, gespickt mit 500 Kostümen von Jean Paul Gaultier, ansehen. Und berichten. In dem Stück geht es um die Suche nach dem Menschen, der uns alles bedeutet: The One. Tickets gibt es hier zu kaufen >>>

 

 

Die Düfte zum Kaufen:

Classique Essence de Parfum: 50 ml, um 79 Euro; Le Mâle Essence de Parfum: 75 ml, um 69 Euro.

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Photo By: PR Bilder Jean Paul Gaultier Parfums

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