Die Daune kommt nicht mehr dicke

Die Daunenjacke ist jetzt schmal und deswegen als Trend ganz groß.
Grob gefasst gibt es in der Mode nur zwei Aufenthaltsorte: Das Happy-Fashion-Land mit Mode, die man haben möchte, aber die manchmal kompliziert ist. Und dann gibt es noch das Sad-Fashion-Land, mit Mode, die man braucht, aber die meist stillos ist.
Aus dem Sad-Fashion-Land¬†stammt die dickmachende Daunenjacke, die selbst Bohnenstangen in Michelinm√§nnchen verwandelt und die h√§ssliche Stiefschwester des eleganten, aber leider manchmal etwas zugigen Wollmantels ist (Happy-Fashion-Land). Oder wie die S√ľddeutsche Zeitung √ľber das deutsche Stra√üenbild im Winter so treffend formulierte: ‚ÄěUnd so verwandelt sich das ganze Land in einen riesigen Kindergarten. Es ist die totale Aufgabe des Selbstverst√§ndnisses als Frau. Oder als Mann. Es gibt nur noch K√§lte, und seltsam quadratische, asexuelle Wesen, die freudig einer Apokalypse entgegenstiefeln, die niemals kommt ‚Äď meistens nicht mal in Form einer¬†Schneeflocke.‚Äú
Zum Gl√ľck gibt es zwischen den beiden L√§ndern, dem Sad- und dem Happy-Fashion-Land, eine Br√ľcke. Sie nennt sich ‚ÄěAnti-Chic‚Äú¬†und beherbergt den Aussichtspunkt ‚ÄěHigh-Fashion-Fernglas‚Äú. Hier, ganz oben auf der Anti-Chic-Br√ľcke, die also exakt zwischen Anti und Chic liegt, ist momentan viel Verkehr; mit Vetements, Birkenstock, Teva-Sandalen & Co. Und √ľber diese Br√ľcke geht nun auch die Daunenjacke. Denn aus der High-Fashion-Perspektive, also neu interpretiert, sieht die Daunenjacke eben nicht mehr aus wie ein aufgeblasener Airbag. Zumindest lenken auff√§llige Muster, ungew√∂hnliche¬†Farben (z.B. Gold) oder ungewohnte Materialien wie Samt¬†geschickt davon ab.

Daunenjacke goes High Fashion

Bei dem franz√∂sischen Couture-Haus¬†Balenciaga¬†ist sie tomatenrot, wird zu glamour√∂sen Manolos mit Schmuckstein gestylt und l√§ssig √ľber die Schulter gekrempelt (wie genau, das hat Barbara schon erkl√§rt: Aufgekn√∂pft und halb ausgezogen).
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Diesen Look hat Zara natürlich direkt kopiert: Balenciaga Herbst/Winter 2016
Jason Wu¬†zeigte die Daune in schmaler Ausf√ľhrung zum Abendkleid mit Schlitz, bei¬†Tory Burch¬†wird die Daunenjacke als d√ľnner, leichter Mantel interpretiert ‚Äď das nennt man jetzt ganz fashionable ‚Äěpuffer jacket‚Äú.
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Tory Burch Herbst/Winter 2016
Bei Marques'Almeida,¬†Alexander McQueen und¬†Stella McCartney ist der Begriff ‚Äěout of bed‚Äú w√∂rtlich zu nehmen, denn die¬†XL-Jacken (bei Stella ohne Federf√ľllung, sie¬†ist ja Tiersch√ľtzerin) reichen bis zu den Unterschenkeln. Das sieht dann aus, als h√§tte man einfach nicht die Bettdecke loslassen wollen. Da soll nochmal jemand sagen, die Mode vom Laufsteg h√§tte nichts mit dem allt√§glichen Leben am Hut.
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Stella McCartney, Alexander McQueen, Marques Almeida

Pufferzone: Daunenjacken auf dem Laufsteg

 
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Photo Credit: Catwalkpictures

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