Best of Berlin: William Fan

Während der Berlin Fashion Week ist in mancher Saison ein Moment der Euphorie spürbar. Ein Moment, in dem sich alle einig sind: „Jetzt geht es wirklich aufwärts mit dieser Modewoche in der deutschen Hauptstadt.“ Im vergangenen Jahr war das beispielsweise die Gründung des Fashion Council Germany (mehr dazu hier) zur Förderung deutscher Designer. In dieser Saison war der Moment die Show von William Fan am Donnerstagabend im Kronprinzenpalais. William Fan macht so ziemlich alles richtig, was man als aufstrebender Designer richtig machen kann. Die Kollektionen und auch das Drumherum.

william fan berlin modepilot

„Business in the front, party in the back“ – das Credo für die Kollektion spiegelt sich auch im Hairstyling von Sebastian Professional wider.

Obwohl er erst seine dritte Kollektion in Berlin präsentiert hat, ist es dem Meisterschüler der Kunsthochschule Weißensee gelungen, seinen eigenen Stil zu finden und zu etablieren. Und das ganz ohne untragbare Experimente. Stets lässt er seine chinesischen Wurzeln in die Kollektionen einfließen, um sie mit westlichen Attributen zu kombinieren. Was nach Klischee klingt, ist bei William Fan vielmehr ein Beweis dafür, dass das Verstofflichen der eigenen Herkunft eben nicht bedeuten muss, Models in Kluften über den Laufsteg zu schicken, die in den Straßen von Berlin bis München völlig deplatziert wirken.

William Fan Herbst/Winter 2016/17

William Fan Herbst/Winter 2016/17

Die Inspiration: Kung-Fu trifft Disco

Die Kollektion Herbst/Winter 2016/17, jene die am Donnerstag für besagte Euphorie sorgte, ist sowohl von Bruce Lee und dessen Kung-Fu-Künsten als auch dem Studio 54 der Siebzigerjahre nachempfunden. Ihm gefalle die Vorstellung, dass man in seiner Kleidung am Tag kämpfen muss, um am Abend in ihnen zu feiern, erzählt William Fan vor der Show. Die Ästhetik der Bewegung wird durch die Materialauswahl unterstrichen –  zarte Seide, Fransen und Tasseln, die bei jedem Schritt wippen, und goldfarbenen Pailletten, die Schritt um Schritt das Licht neu einfangen.

Dass sich nicht wenige der Gäste ausgewählte Teile dieser Kollektion sofort in den eigenen Kleiderschrank wünschten, ist dabei kaum verwunderlich. Einige sollen Shopping-Listen angefertigt haben, anstatt fleißig Notizen für die spätere Berichterstattung zu machen (unter anderem ließ sich die Autorin dieses Textes dabei ertappen). Auch das liegt darin begründet, dass die Kollektion von William Fan so wohl durchdacht ist.

Bei William Fan ist das Thema Oversize exakt richtig dosiert, ohne den Körper seiner Proportionen zu berauben – mit leicht verlängertem Saum und überlangen Hemdärmeln mit aufgeknöpften Manschetten zum Beispiel. An anderer Stelle wartet ein Trenchcoat mit einer textilen Überraschung auf: Er ist an der Rückseite vom Saum bis zum Po ausgeschnitten und mit Tasseln dekoriert. Mit Schlitzen und offenen Säumen zeigen viele der Kleider und Tops von William Fan reichlich Haut, ohne offensiv zu sein. Und das Spiel mit Hosen hat William Fan von Beginn an perfektioniert: Die weit geschnittene Hose, in dieser Saison mit extraweitem Bein, die am Knöchel gewickelt und geschnürt wird, gehört seit seiner Bachelor-Kollektion, die er 2011 am ArtEZ in Arnheim präsentierte, zu seinem Signature-Schnitt.

Mit Liebe zum Detail

Wer nun bei William Fan tatsächlich Kleidung bestellt, so wie ich zur aktuellen Sommersaison, findet sein Paket bei der Lieferung mindestens ebenso liebevoll verpackt vor wie ein Päckchen von Net-A-Porter – mit gebrandetem Schleifenband und Seidenpapier, einem geprägten Logo und von Hand geschriebener Karte. Die Liebe zum Detail, die der Designer schon in seinen Kollektionen zeigt, dekliniert er mit Professionalität durch alle Bereiche seiner Markenpräsenz: Die Garderoben, an denen im Berliner Mode Salon seine Kollektion hing, hat er selbst entworfen. Der üppige Schmuck aus Messing wurde in Marokko gefertigt; der Ohrschmuck etwa ist so perfekt ausbalanciert, dass er nur über das Ohr gelegt werden muss (für nicht-durchlöcherte Ohren eine coole Alternative zu Clips). Die Show, die für Euphorie sorgte, war von der Musik bis zum Setting im Kronprinzenpalais, einer Mischung aus Neon-leuchtendem Schriftzeichen und Goldnuggets, perfekt komponiert. Ein stimmiges Gesamtbild mit ausgefeilten Details und Schnitten.

William Fan Herbst/Winter 2016/17

William Fan Herbst/Winter 2016/17
William Fan Herbst/Winter 2016/17
William Fan Herbst/Winter 2016/17
William Fan Herbst/Winter 2016/17
William Fan Herbst/Winter 2016/17
William Fan Herbst/Winter 2016/17
William Fan Herbst/Winter 2016/17
William Fan Herbst/Winter 2016/17

Photo By: PR
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