Julia von Boehm

Gestern meldete der Mediendienst Kress, dass Julia von Boehm als Creative Fashion Director die zweimal jährlich erscheinenden Stern Mode-Sonderhefte konzipieren und umsetzen wird. Anlass eine der wenigen deutschen Stylisten mit Weltrang vorzustellen.

Julia von Boehm: Ein Portrait

Bei den Schauen fällt Julia von Boehm auf. Hellblond gefärbtes Haar, ein bisschen zersaust. Mörderisch hohe Heels, leicht verschmierte Smokey Eyes, viel Schwarz gemixt mit Transparenz und ein wenig Grunge-Attitüde. Niemals Designerlooks von Kopf bis Fuß, dafür abgerockter Chic, immer auf dem schmalen Grat zwischen verrucht und over the top, der perfekt unperfekte Out-of-bed-look. Sie könnte auch gerade von einem Rockkonzert kommen – nicht als Groupie, versteht sich.  Modepilot hatte sie schon 2009 als stylische Schwangere vorgestellt. Schon damals und mit Babybauch blieb sie ihrem Stil treu.

Nach dem Abitur in Heidelberg zog es Julia von Boehm nach Paris, dort studierte sie an der École de la Chambre Syndicale de la Couture Parisienne Design. Ihre Karriere begann als Assistentin von Carine Roitfeld, damals freie Stylistin, später Chefredakteurin der französischen Vogue. Sieben Jahre arbeiteten sie dort Seite an Seite. Roitfeld ist die Patentante ihrer jüngeren Tochter Elisabeth. Seit 2007 lebt von Boehm als freie Stylistin mit ihrem Mann, Fotograf Ben Hasset, in New York. Ihre zwei Töchter sind Spielkameraden ihrer engen Freundin und Nachbarin Julia Restoin-Roitfeld, der Tochter von Carine Roitfeld. Sie berät Designer wie Wes Gordon, arbeitet für die internationalen Ausgaben von Harper’s Bazaar. Vogue, V Magazine und war International Fashion Director bei Interview – you name it!

Seit etwa eineinhalb Jahren arbeitet sie außerdem als persönliche Stylistin von Hollywood-Star Nicole Kidman, seit kurzer Zeit auch für Kate Winslet. Kidman lernte Sie bei einem Shooting für Jimmy Choo kennen. Ein kleiner Auszug aus ihrem Alltag: „Von Boehm und ihr Team gehen die 40 Outfits durch, die sie für die Schauspielerin reservieren lassen wollen. „Vera Wang, geht klar. Cavalli und Balenciaga melden sich erst nächste Woche mit einer Antwort. Chanel will vor einer Zusage wissen, bei welchem Event Nicole es tragen wird. Sieben der Outfits sind bereits für andere Promis reserviert“, erfährt von Boehm von ihren Assistentinnen. Allein für dieses Promi-Projekt musste sie eine zusätzliche Assistentin einstellen.

Das Ergebnis sieht dann zum Beispiel so aus: Nicole Kidman in Hugo Boss

LONDON, ENGLAND - SEPTEMBER 14: Nicole Kidman attends the "Photograph 51" press night after party at the The National Cafe on September 14, 2015 in London, England. (Photo by David M. Benett/Dave Benett/Getty Images)

LONDON, ENGLAND – SEPTEMBER 14: Nicole Kidman attends the „Photograph 51“ press night after party at the The National Cafe on September 14, 2015 in London, England. (Photo by David M. Benett/Dave Benett/Getty Images)

Kurz: Julia von Boehm ist gut im Geschäft. Der Stern wird ihr also ein lukratives Angebot gemacht haben. Stern-Chefredakteur Christian Krug: „Mit Julia von Boehm haben wir eine exzellent vernetzte Modeexpertin gewinnen können, die uns in jeder Hinsicht inspiriert. Durch ihre Arbeit für Modelabels wie Tom Ford, Jil Sander, Bulgari und Jimmy Choo bringt sie einen breiten Erfahrungsschatz ein. Mit ihr an der kreativen Spitze unseres Teams werden wir den Schwerpunkt unserer Berichterstattung noch mehr auf spektakuläre Designs und ungewöhnliche Fotografie lenken. Außerdem hat von Boehm als Stylistin von Schauspielerinnen wie Nicole Kidman und Kate Winslet ständig Zugriff auf die neuesten Kollektionen der großen Designer. Besser informiert kann man nicht sein.“ Ich führe weiter: Und so kann man die hart umkämpften Anzeigekunden im Print-Geschäft besser an sich binden.

Der Stern veröffentlichte im Mai dieses Jahres ein großes (und exzellent geschriebenes!) Portrait über von Boehm, als „Stylistin der Stars“. Zufall? Egal, ob Chefredakteur Krug so auf sie aufmerksam wurde, oder sie in Hinblick auf ihre neue Rolle geschickt dem stern-Leser vorgestellt wurde – beides ist sehr smart.

 

NACHTRAG:

Auf Hinweis von Sabine Resch-Pilmes (AMD München) auf einen Artikel aus dem Jahre 2008, habe ich online die „Abrechnung mit der Modebranche“ von Stern-Chefredakteur Christian Krug gefunden. Hier geht’s zum Artikel: Das „Kollektiv der Rückratlosen„.

 

Photo By: Hugo Boss, Instagram/JuliavonBoehm, Catwalkpictures

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