Der Snob-Effekt - warum Verkäufer arrogant sind
Isabelle Braun

Der Snob-Effekt - warum Verkäufer arrogant sind

Ich hasse Einkaufen in Luxusboutiquen. Ob als schaulustiger Teenager in Chucks, aufgerüschte Studentin mit Designer-Handtasche oder heute im Understatement-Look. Mit offenem „Hallo“ oder schlecht gelaunt und versteckt hinter einer zickig großen Sonnenbrille: Man betritt eine  Luxusboutique, wird von den Verkäufern kritisch abgecheckt und anschließend wird man durch den Laden verfolgt, als sei man ein stadtbekannter Silberlöffel-Dieb. Mein letztes Erlebnis dieser Art war bereits vor einer Woche in der FAZ zu lesen. Alles Einbildung?

Mitnichten. Tatsächlich verbirgt sich hinter diesem ablehnenden Verhalten eine verkaufsfördernde Maßnahme:

Der Snob-Effekt

Allgemein versteht man in der Betriebswirtschaftslehre unter dem Snob-Effekt ein abnormes Nachfrageverhalten der Konsumenten: Je teurer, desto begehrenswerter erscheint ein Produkt, denn ein extrem hoher Preis verkleinert den potenziellen Kundenkreis. Umgangssprachlich ausgedrückt: Haste was, biste was!

Hier soll es aber um den Snob-Effekt im Einzelhandel, besonders im Luxussegment, gehen. Zur durch hohe Preise erzeugten Begehrlichkeit addieren wir den arroganten Verkäufer, der den Charme eines Eisschranks versprüht und signalisiert: Du gehörst nicht dazu. Im Unterbewusstsein entsteht durch die künstliche Hürde der dringliche Wunsch, unbedingt dazugehören zu wollen. Diese These hat die Studie "Should the devil sell Prada?" (2014) der Saunder Shool of Business der University of British Columbia belegt. Studienleiter Darren Dahl verglich dieses Phänomen mit der Cliquen-Bildung in der Schulzeit - je unhöflicher und ablehnender die Probanden behandelt wurden, desto stärker stieg die Sehnsucht, Mitglied der Clique zu sein.

Allerdings zeigt die Studie auch Grenzen: Diese Taktik funktioniert nicht mit günstigen Massenprodukten. Nachdem einige Zeit vergangen ist, lässt die Begierde auch nach – die negative Erfahrung bleibt jedoch präsent. Dieser Kunde (ich zum Beispiel) kommt nicht wieder.

Es gibt natürlich auch Kundinnen, die nicht nur dazugehören wollen, sondern selbst zum Snob werden und erst recht die Kreditkarte glühen lassen. Frei nach dem Motto: Ich kaufe so viel, dass du mich nie mehr vergisst!

Und an dieser Stelle ist wieder einmal Zeit für eine der legendärsten Shopping-Szenen. Julia Roberts in Pretty Woman: "Big mistake. Huge!"

Photo Credit: PR (Prada, The Iconoclasts)

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