Zwei Glückssterne auf Sardinien

Drei Tage Costa Smeralda. Meine Freundin Julia Werner und ich sind am vergangenen Freitag auf die italienische Insel Sardinien geflogen. #birthdayweekendnumerouno. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll: Man hätte die Tage filmen müssen, um sie uns zu glauben. Wir hatten die schönsten Modemomente und auch erhellende, was neue Schönheitsideale angeht (Dicke Pos mit Dellen!) und wir erlebten Zufälle, die keine sind, also schicksalhafte Begegnungen und tiefe, abgrundtiefe Einblicke in die italienische High Society. Es war großartig! Der Reihe nach...

Costa Smeralda im Schnelldurchlauf

Freitag. Im Mittagsflug der AirBerlin nach Olbia lesen wir in der BUNTEN, dass wir beide (Sternzeichen: Löwe) diese Woche Glückssterne sind. Das Gefühl hatten wir eh, aber es bestätigte sich auch gleich beim Abholen des Mietwagens: Wie bekommt man die Schlüssel zum Auto, wenn derjenige, der gebucht hat, seinen Führerschein nicht dabei hat? Also wir Glückssterne bekamen unser neues Lieblingsauto, aber zu diesem später dann mehr… beim Valet-Parking des Luxushotels Cala di Volpe, wo auch Schauspieler Adrien Brody gastierte.
Unser Zuhause für drei Tage: die Pension Ca' la Somara
Die Pension Ca' la Somara hat einen Esel und dieses Tier zu ihrem Maskottchen erklärt. Sie ist über die Sommermonate restlos ausgebucht, denn sie ist wunderschön und ruhig (bis auf den Esel) gelegen, hat Charme, guten Wein und einen Salzwasser-Pool. Wir bekamen kurzfristig das Zimmer "Pink Donkey": völlig ausreichend fürs schnelle Duschen zwischendurch und vier Stunden Schlaf pro Nacht. Zum Frühstück darf man auch zu spät kommen und wird immer noch freundlich begrüßt. Nessun Problema! Wir lieben Italien.
Wir nahmen noch die heiße Nachmittagssonne am Meer mit (alla griglia mit LSF 15) und sind, leicht erschöpft vom vielen Schwimmen, ins Nahe gelegene Bergdorf San Pantaleo eingekehrt, um Spaghetti, Bistecca und gegrillten Fisch zu essen. Eine Flasche Rosé sorgte dafür, dass wir noch vor Mitternacht – Julias Geburtstag – angetüdelt über den Oleander-gesäumten Marktplatz schlenderten und in eine Kaftan-Boutique einkehrten. Dachten wir. Bei Yashu & Prem, so der Name des exzentrischen Ehe- und Designerpaars, die vor ihrer "Wiedergeburt" Ilaria und Daniel hießen, hatten wir zwar auch lauter schöne Kaftane in der Hand, aber plötzlich auch jeder eine Handtasche: Liebe auf den ersten Blick. "Wow, schau sie dir an!", "diese Verarbeitung!", "auch nicht billig – hast du mal auf das Preisschild geschaut?".

Shopping-Galerie zu Benedetta Bruzziches

730 Euro stand auf dem kleinen Karton, der in einer der Taschen lag. "Made in Italy with love by a young designer" stand auf der Rückseite und "Autentically imperfect" stand da auch drauf, ebenso wie die Begründung für die vermeintliche Unvollkommenheit: alles Handarbeit. Prem saß auf ihrem Stuhl und wirkte wie die reiche Nachbarin, die ihrem Freund Yashu einen Besuch abstattet, während er sich um das Geschäft mit betrunkenen Touristinnen mit Sonnenstich kümmert. Sie beobachtete uns, lächelte. Sie lächelte wissend. Modeliebhaberinnen erkennen sich untereinander. Dann stand sie auf und zeigte uns noch die anderen Handtaschen von Benedetta Bruzziches. Julia erinnerte sich an die Taschendesignerin aus der Vogue Talents Corner in Mailand. Prem sagte: "Ich gebe euch die Taschen für die Hälfte." Da war es 23.56 Uhr. Vier Minuten bis Julias Geburtstag.
Happy Birthday, Julia!
"Es gibt doch so Momente, in denen man wunschlos glücklich ist," sagte Julia und fuhr fort: "Die gibt es nur ganz selten. Das ist natürlich leichter, wenn eine Tasche in der Tüte ist." Zwischen den Oleanderbäumen feierten wir in Julias Geburtstag rein.
Samstag. Am Strand fallen uns diverse junge Frauen auf, die den ganzen Tag in ihren Bikinis posieren, sich gegenseitig fotografieren und die Ergebnisse auf Instagram hoch laden. Das Besondere: Sie zeigen ihre sehr dicken Popos und klemmen sich das Bikini-Höschen zwischen ihre delligen Backen. Sie stehen im Hohlkreuz da, sind stolz und irgendwie stellen sie das neue Frauenbild dar, das wir (Generation Kate Moss) sehr faszinierend finden. Wir gucken hin, gucken sehr laaaange hin, denken nach, möchten uns der Generation Kim Kardashian näher fühlen und es gelingt uns ganz schnell. Ein Hoch auf den Popo-Stolz!
Wir holen uns die Einlasskarte (siehe in der Foto-Galerie unten) für die alljährlich stattfindende und legendäre Geburtstagsparty von Fawaz Gruosi ab. Fawaz hat mit Julia am 8. August Geburtstag und das gemeinsame Feiern stand schon länger aus. Fawaz, das ist der Mann, der mit seinem bunten, hochkarätigen und meist wunderschönen De Grisogono Schmuckstücken italienische Superreiche versorgt und sämtliche Hollywood-Schauspielerinnen für Verleihungen ausstattet. Wir erfahren, dass Sänger Mika auftreten wird (Foto in der Galerie unten). Für den Dresscode "Blue Nights & Diamonds" hatten wir uns in München schon vorbereitet: kurze Kleider, denn es wird heiß, in Dunkelblau und kleine Diamanten.
Uns liegt das Kokosnuss-Wassereis vom Strand noch im Magen, als wir uns in dem kleinen Pensionsbadezimmer für den Abend zurechtmachen und das Hohlkreuz üben. Eigentlich könnten wir auch schlafen gehen – wir sind von der vielen Sonne und dem vielen Salzwasser müde. Aber es hilft ja nix und Mika möchten wir singen hören. Wegen der Hitze sparen wir uns die Föhnerei. Wir sind eh spät dran: Um 22 Uhr erreichen wir die Dinner- und Party-Location, das Cala di Volpe Hotel.
Och, so spät sind wir doch gar nicht. Italien! Flavio Briatore und seine Elisabetta Gregoraci laufen zeitgleich mit uns ein und müssen mit uns in der Schlange stehen. 800 Gäste werden es an diesem Abend sein. Elisabetta hat ein bodenlanges, mit Pailletten besticktes Galakleid an und Haare, die nach 8 Stunden Rundbürsten-Aktion aussehen (Foto in der Galerie oben). Aber keinen großen Po. Flavio erkennt "Giulia!" wieder – die beiden sahen sich zuletzt vor 10 Jahren. Julia sagt dem ehemaligen Formel-1-Teamchef, dass die Formel 1 nun nicht mehr das sei, was sie einst war. Er sagt, er würde auch nicht mehr hinsehen, gratuliert Julia zu ihrem Geburtstag und bedankt sich bei ihr für das großzügige Geburtstagsfest. Wir finden, er hat Humor. Und ein gutes Gedächtnis.
Frauen in langen Abendkleidern, meist von Roberto Cavalli, sehen wir an diesem Abend viele. Die meisten lassen sich keiner Generation zuordnen: sind sie 20, 30, 40 oder 50 Jahre alt? Man weiß es nicht. Sind sie "gut gemacht", wirklich schön oder nur wahnsinnig gut geschminkt? Egal, sie haben Haltung. Wir möchten uns vor allem von der Haltung ein paar Scheiben abschneiden. Zusammen mit den vielleicht schönsten Abendroben in Azur und Nachtblau, die Designerboutiquen weltweit hergeben, trinken wir ein Glas Champagner vor dem Pool des Cala di Volpe und sehen uns ein fantastisch komponiertes Feuerwerk an. Da ist er wieder, dieser Moment, in dem man wunschlos glücklich ist. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, dass der Hummer erst in zwei Stunden serviert wird.
Non importa! Ist ja nicht so, als wären wir nicht abgelenkt. In dem Zelt, wo die langen Dinner-Tafeln stehen, werden aktuelle Radio-Hits live gesungen. An den Tischen um uns herum entdeckt Julia, die in Italien lebte und dieses Land schon fast besser kennt als Deutschland, lauter Society Stars und erklärt mir, wer zum Hochadel gehört, wer mal Fußballstar war, wer der Mann mit kleinem Pferdeschwanz ist (Adrien Brody) und, wer davon lebt, die wechselnde Frau an der Seite schwer reicher Männer zu sein. Von letzterer gibt es viele und sie sehen unglaublich aus. Granaten. Geschosse. Deren Begleiter ziehen sie als Trophäe hinter sich her, händchenhaltend, um dann, wenn sie allein an der Toilettenschlange stehen, andere Frauen anzusprechen und deren Kontaktdaten in ihren Handys abzuspeichern. Beim Händewaschen fallen uns Visitenkarten auf, die der Toilettenbetreiber dort zum Mitnehmen hingelegt hat: "Fashion Toilet – Renting 4 Events – www.fashiontoilet.it." Kein Scherz!
Auf der After-Party, die ebenfalls auf dem Hotelgelände stattfindet, wird wieder live gesungen und die Sänger tanzen in ihren silbrigen Anzügen leicht nachzutanzende Choreographien auf einer Bühne. Dann! Der Ex-Mann von Ivana Trump, Männermodel Rossano Rubicondi, steigt auf das Podest und nimmt sich ein Mikrofon. Was er sagt, kann auch Julia nicht verstehen, die fließend Italienisch spricht. Als er zum Singen ansetzt, entreißt ihm eine schöne, ältere Dame der Gesellschaft das Mikrofon und bittet ihn die Bühne zu verlassen. Italienisch temperamentvoll. Rubicondis Freunde lachen sich kaputt. Es ist jetzt irgendwas nach 3 Uhr nachts. Wir holen uns Wasser, essen Pasta im Lounge-Bereich und treten den Rückzug an. Auf dem Weg nach draußen sehen wir noch einmal Schauspieler Adrien Brody, der das Dinner nach der Vorspeise verlassen hat, keine Fotos von sich erlaubte, um jetzt genau dort in Abgeschiedenheit zu sitzen, wo jeder drüber fällt, der durch das Hotel läuft.
Wir geben den Valet Parking Jungs unser Nummernkärtchen fürs Auto. Während wir auf unseren Wagen warten, fahren Ferraris und Cayennes vor. Irgendsoein Prinz von Italien (Julia kennt den Namen, aber es ist eigentlich egal) steigt mit seinem Kumpel, der das Hemd bis zum Bauchnabel offen trägt, in seine Limousine hinten ein. Sie bleiben mit erleuchtetem Innenraum stehen, lassen die Fenster hinunter und blockieren den Betrieb. Dann hüpft die Dame, die in der Toilettenschlange so bereitwillig ihre Kontaktdaten vergab, zum Auto: "Sorry, can you give me a lift?" Die drei Personen kennen sich nicht, aber die Jungs rücken bereitwillig zusammen und nehmen sie mit. Julia: "Ich fass es nicht. Das ist genau das, was mir ein Freund letzte Woche noch erzählt hat. So läuft das. Das ist ein Code für die weiteren Geschäfte der Nacht."
Und endlich kommt unser Auto, unser weißer Fiat Panda. Wir sind so glücklich. Die Jungs vom Hotel auch: Beehren Sie uns bitte bald wieder.
Photos by: Sabine Brauer Photos, Modepilot

Kommentare

  • Sophie sagt:

    Das Fashion-Klo ist der pure Wahnsinn!

    Ich finde euch einfach so witzig und das in keinem negativen Sinne. Ich hab gerade richtig laut gelacht! Danke dafür 🙂


    • Kathrin Bierling sagt:

      Haha, Barbara! Was ist denn an dem Namen genial? Na gut, in Italien oder Frankreich mag das funktionieren, aber als Deutsche (in Deutschland lebend) fragt man sich doch, was das eine mit dem anderen zu tun haben soll. Was man dem Unternehmen lassen muss: es war alles sehr ordentlich. Und ständig wurde gereinigt. Vielleicht sollten wir ein Advertorial mit denen machen... aber das schreibst du dann, haha.
      • Barbara Markert sagt:

        Ok, bekomme ich dann ein Fashion-Dixi-Klo in den Hof gestellt? Mann, das wäre ein Gag, wo doch das halbe Viertel bei uns sich ins Erdgeschoß-Klo schleicht (Das ist leider kein Witz, sondern die traurige Realität!) Da könnten wir einen echten Hardcore-Modepilot-Test draus machen.
      • Barbara Markert sagt:

        Fashion Toilet ist einfach genial als Firmenname. Die Modelle aber, die man auf der Website sieht. könnten durchaus etwas schicker sein. Beim Montblanc Event in Paris waren die vom Feinsten. Mittels einer Ampel-Licht-Schaltung wusste man sofort ob besetzt oder nicht. Falls die Frage aufkommen sollte: Nein, Orange gab es als Leuchtfarbe nicht. Das würde ja denjenigen, der auf der Schüssel sitzt, in Stressattacken versetzen.