Lifetransforming Gadgets
Kathrin Bierling

Lifetransforming Gadgets

Shopping Talk: Wie sagt man dazu?

Das Thema ist groß, allgegenwärtig und trifft JEDEN, aber es gibt keinen Begriff dafür. Lifetransforming Gadgets, nennt es der Mann, wenn er sich im Shoppingwahn von einem Banker zu einem Supersportler verwandelt: lauter Dinge, die er beim Erlernen einer neuen Sportart gar nicht braucht und, die bald ein staubiges Dasein im Keller fristen, wie z.B. die ganzen Fairway Hölzer und der Regenschirm fürs Golfbag. Auch wir kennen dieses Phänomen, allerdings aus der Boutique: Hippie-Kleider zum Beispiel, mit denen wir versuchen, uns in einen anderen, lässigeren Menschen zu verwandeln. Und dann tragen wir im Urlaub doch wieder das schlichte Kleid in Dunkelblau, weil wir eben keine Isabel Marant-Frau sind.

Wie nennt man dieses Shopping-Fehlverhalten, das am Ende lediglich zu Vorlagen für unsere Rubrik "Was hat mich denn da geritten?" dient? Es handelt sich dabei nicht einfach nur um den klassischen Fehlkauf (zu klein, zu kurz, zu gelb) und es ist auch kein reines Frustshopping. Es sind Sehnsuchtskäufe, ja, bishin zu der geistigen Verwirrung, sich einer Lebenswelt zugehörig zu fühlen (langes Seidennachthemd à la Michelle Pfeiffer in Scarface oder eben Profi-Equipment für den Anfänger), in der man sich gar nicht befindet.

In der Psychologie nennt man es "Heterosuggestion", wenn man durch sich oder andere (z.B. durch Werbung oder Filme) beeinflusst wird. Damit diese Heterosuggestion greift, muss eine Grundbereitschaft da sein: "Suggestibilität". Man ist empfänglich, sich programmieren zu lassen, z.B. auf ein Jachtoutfit oder ein Hippie-Dasein. So, wie andere plötzlich Lust auf "die extra Portion Milch" verspüren oder auf das kühle Bier.

Ob es viel zu hohe Stilettos sind, die wir kaufen, die aber eigentlich nur von Frauen mit eigenem Chauffeur getragen werden können (wenn überhaupt!) oder handbemalte Batikhemden aus Indonesien, Schmuck aus Afrika. Die Liste lässt sich endlos weiterführen (gern die Kommentarfunktion dafür verwenden).

Requisiten-Shopping

Wir horten lauter Errungenschaften in unserem Kleiderschrank, die vielleicht in eine Filmrequisite gehören, aber sicher nicht in unseren Alltag: Handtaschen mit dazu passenden Handschuhen (so ladylike!) oder Seidennegligés! Im Winter zu kalt und ungemütlich, im Sommer überflüssig.

Wie nennt man diese Geistesverwirrung, Dinge zu kaufen, die mehr einem gewünschten Leben als der Realität entsprechen? Männer kennen das nicht nur von der coolen, neuen Sportart – auch von ihrem gewünschten Abenteurer-Dasein. Die verzweifelte Bergwacht berichtet dann von zwar bester Ausrüstung, aber dazu nicht passender und ausreichender Erfahrung. Aber auch Damen mit High-heels müssen jährlich in den Bergen geborgen werden (kein Scherz) – da stehen sich Spontan-Abenteurer und Stiletto-Wanderin in nichts nach.

Habt ihr eine Idee? Dann verratet sie uns bitte in der Kommentarfunktion oder stimmt unter den Möglichkeiten ab, die wir uns ausdachten:

Wie sagt man beim Shopping dazu, wenn man sich Wunschdenken kauft?

Und, wie gesagt: Wir freuen uns über weitere Ideen (in der Kommentarfunktion), wie wir dieses Phänomen künftig hin beschreiben. Dann, wenn wir wieder in einer Boutique stehen und glauben, diesen kleinen, neckischen Jumpsuit unbedingt haben zu müssen...

Photo Credit: Net-a-porter

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

Kommentare