Dolce & Gabbana feiert la mamma

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Schlusslauf der Dolce & Gabbana Fashion Show für Herbst/Winter 2015/16

 

Journalistin und Autorin Julia Werner war für Modepilot bei der Fashion Show von Dolce & Gabbana in Mailand und sprach anschließend mit Stefano Gabbana. An der Stelle muss ich erwähnen, dass keiner so hinreißend und sexy in einem Kleid von Dolce & Gabbana aussieht, wie Julia selbst – auch angesichts der Tatsache, dass Dolce & Gabbana Kleider wirklich jeden Damenkörper sinnlicher erscheinen lässt.

 

Dolce & Gabbana feiert la mamma

 

Alle Hedi Slimane-Fans, Raf Simons-Vergötterer und sonstige Mode-Experten rümpfen immer die Nase, wenn ich sage: ich liebe Dolce & Gabbana. Für sie ist die Welt der beiden Designer eher eine Art Themenpark, der nach einem altbewährten Muster funktioniert: man nehme eine sehnsuchtsheraufbeschwörende Geschichte, sizilianischen Strandurlaub zum Beispiel, oder einen Märchenwald, erzähle sie mit Embellishment, Farben und Prints – und an den Silhouetten ändert sich so gut wie nichts. Womit wir schon beim Grund meiner ewig währenden Liebe wären. Denn die Dolce & Gabbana-Silhouette liebt auch mich. Ein Kleid des Designer-Duos vertreibt Kummer und Sorgen, die sich um die Hüfte oder das Hinterteil drehen: Zipper hochziehen und schon hat eine Frau genau die richtigen Kurven an genau der richtigen Stelle! Umgekehrt machen Pencil Skirts, Korsagen und Shift Dresses selbst hagerste Mädchen zur sinnlichen Frau. So etwas nennt man meisterhaften Schnitt, und warum sollte der bitte dem modischen Zeitgeist geopfert werden, der sich ja heutzutage in den komischsten Formen ausdrückt, wie zum Beispiel Springerstiefel zu langen Flatterkleidern (not flattering!)?

 

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Nun, mit einer Moderevolutions-Erwartung darf man nicht in eine Show von Domenico Dolce und Stefano Gabbana gehen (darf man übrigens sowieso nirgends mehr, aber die komplette Auflösung von Trends ist ein anderes Thema). Die beiden Designer haben ihren eigenen Kosmos, und in den samtbespannten Reihen ihres Theaters ist kein Platz für Angst vor Pathos. Ihr Thema für den nächsten Winter lautet: La mamma, oder wie der italienische Sänger Edoardo Bennato im Soundtrack der Show singt: die Frau, die an ihrem etwas längeren Rock hängt. Als die Show beginnt, öffnet sich ein Vorhang, und ein Raunen geht durch die erlesene Menge der Gäste: Dahinter verbergen sich die wohl schönsten Mütter der Welt, sie tragen schwarze Negligés und ihre Babies in Spitzen-Outfits auf dem Arm! Und schon läuft die hochschwangere Bianca Balti in engem Shift-Dress über den Laufsteg. Nein, ihr Po ist im Moment kein Model-Modell mehr, aber: er sieht trotzdem großartig aus.

 

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Es folgen: alle möglichen Varianten des Mamma-Looks, zum Beispiel Kleider mit Kindermalereien-Print, für Mama gemacht, die uns damit natürlich gleich an Angelina Jolies Hochzeitsschleier erinnern, ziemlich viele Varianten der Rose, gedruckt oder gestickt auf Kleidern, Röcken, Mänteln, und Liebeserklärungen an die Mutter aus buntem Strass, in Kombination mit Marienbildern. Der Rest dazwischen ist schwarz, weit schwingend oder eng, natürlich tragbar und irgendwie auch schon wieder zum Mama-Thema passend. Denn schöne Frauen sind schließlich alle potenzielle Mütter!

 

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Nach der Show mehren sich natürlich gleich deutsche und australische Stimmen der politischen Korrektheit: so kleine Kinder schon über den Laufsteg zu schicken! Und war die Musik für die Babies nicht viel zu laut? Gegenfrage, auf die ich in dem Moment nicht gekommen bin: Ist es in den Boxen der neuen Luxus-Kindertransport-Fahrräder, die zur Zeit in gentrifizierten deutschen Innenstädten das Status-Symbol sind, nicht viel zu eng? Ich habe während der Dolce & Gabbana-Show zwar kein einziges Kind weinen sehen – sondern nur ein Baby, das bei jedem Applaus begeistert mitklatschte, sowie eine blonde Sechsjährige, die an der Hand ihrer Mutter strahlte, wahrscheinlich, weil sie im Kopf gerade ihren ganz eigenen Prinzessinnen-Film drehte — teile Stefano Gabbana beim After-Show-Cocktail diese Bedenken einiger Schauenbesucher bezüglich der Zukunft der Kinder aber trotzdem mit. Er lacht und sagt: Aber das ist doch das Leben! Stimmt: wenn so viele Fashion-Eisköniginnen während der Mailänder Schauen zerschmolzen sind und zum ersten Mal gelächelt haben, ob sie wollten oder nicht, dann heißt das: für einen kurzen Moment ist wirklich das echte Leben in den Front Rows angekommen. Im Themenpark, wer hätte das gedacht! Beruhigt greife ich zum dritten arancino, einem dieser unvergleichlich köstlichen frittierten sizilianischen Reisbällchen, serviert auf hübschen, bunten sizilianischen Tellern. Irgendeines meiner Dolce & Gabbana-Kleider wird dieses Reisbällchen auch diesmal wieder hervorragend zur Geltung bringen.

 

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Kleider von Dolce & Gabbana aktuell im Onlineshop:

 

 

Fotos: Catwalkpictures

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