Rückblick: Frontrow Revolution – Modejournalismus 2.0

Alfons Kaiser (FAZ) & unsere Modejournalistin

 

Als ich im Januar 2010 die Blogger-Convention der Premium in Berlin besuchte, war es aufregend, denn plötzlich erhielt der Begriff Blogosphäre mit allen anwesenden Gästen ein Gesicht. Es war jedoch auch zu jener Zeit, als der Print mit den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen hatte und man auf Online-Portalen über das Thema heiß diskutierte. Einige Magazine wurden nicht mehr gedruckt und Redakteure mussten sich Existenzfragen stellen. Gleichzeitig kam eine Gegenbewegung von meist unausgebildeten, aber nicht unbedingt immer minder qualifizierten Schreiberlingen daher, die sich auf Blogspot, Tumblr oder WordPress über Modegeschehnisse austobten.

Wer waren sie, diese jungen Menschen, die eine Kollektion kritisierten, an der Fähigkeit eines Designers zweifelten oder sogar vereinzelt Front Row gesetzt wurden? Spätestens seit der Modenschau von Dolce&Gabbana in Mailand, als Tommy Ton, Garance Doré, Scott Schuman und Bryan Boy nebst Anna Wintour an Laptops und Smartphones die Entwürfe des italienischen Hauses aus erster Reihe ersichten durften, wurde klar: Hier passiert etwas, das die Modebranche umkrempelt.
Wo war sie – die Hierarchie, die einst ordnete, wer, was, wo und wann zu sagen hatte? Auf Facebook konnte man verfolgen, wie sich alteingesessene Modekenner darüber pikierten und Fragen stellten wie „Was hat das Mädchen mit Hut eine Reihe vor mir zu suchen?“

 

Kathrin Bierling aka Modejournalistin erzählte heute zusammen mit Alfons Kaiser (FAZ) und Adriano Sack (ILikeMyStyle & Interview Magazine Germany) im NRW-Forum Düsseldorf, wie sie diese Zeit und den mit ihr einhergehenden Demokratisierungsprozess wahrgenommen haben.
Gleich zu Beginn pointierte es Alfons Kaiser mit der Aussage: „Blogs sind fester Bestandteil der Branche.“ Adriano Sack erweitert den Gedanken: „Blogs werden den Print nicht verdrängen. Man wird nur vor die Herausforderung gestellt, zu entscheiden, was in den Print geht oder was sich eher für den Online-Bereich eignet.“
Auch wenn jene Aussagen für mich keinen Neuerungswert hatten, so war es wichtig, jene Statements aus den Mündern erstklassiger Köpfe in einem öffentlichen Rahmen zu hören. Und nicht wie sonst in Vier-Augen-Gesprächen.

 

„Online versus Print“

 

Dank der beiden AMD-Absolventinnen Isabelle Braun und Lena Grossmüller war dies nun also möglich. Auch für das perfekte Ambiente war gesorgt. So hatte man den Gästen eine Web 2.0 Atmosphäre geboten. Beim Einlass wurde man fotografiert, auf der Webseite noch vor Start der Talk-Runde kommentiert und das Bild großformatig an die Wand projiziert. Hinzu kommend waren die Ausstellungsstücke mit Scan-Codes beschmückt, um auf vorgestellte Webseiten und Apps direkt zu gelangen.
Besonders gefreut habe ich mich jedoch über die zahlreichen Teilnehmer. Denn es zeigt, dass man einer Professionalisierung der Branche nicht abgeneigt ist.

 

Deshalb meine Antwort auf die Frage „BLOGS – Schall und Rauch oder Olympisches Feuer?“: Im Sprinten war ich nie gut. Im Langlauf schon.

(v.l.n.r) Adriano Sack, Lena Grossmüller, Isabelle Braun, Kathrin Bierling & Alfons Kaiser

 

Photos: Jérôme
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