Baisers, überall Baisers

Ich habe einen neuen Job. Nein, keinen, bei dem ich Geld verdiene und auch nicht als hannoveroffice: Ich bin Trauzeugin, und eins kann ich Euch sagen, das ist ein wahrer Vollzeitjob. Meine ersten Amsthandlungen, wie zum Beispiel den Termin für den JGA (in Fachkreisen heißt das Junggesellinnenabschied) zu bestimmen oder die schlimmsten Spiele abzuwehren, sind bereits erledigt. Das war ja alles noch leicht, aber am Wochenende hab ich wirklich etwas durchgemacht. Ich sage nur: Baisers, überall riesige Sahnebaisers - wir waren im Brautladen. Meine Freundin ist wirklich eine hübsche Lady und sucht (dem Himmel sei dank) ein elegantes Kleid und keinen Haufen aus Tüll, Stoffrosen und Lametta.

Wer noch nie im Brautladen war, ich erkläre kurz das Prozedere. Samstag ist ein ganz schlechter Tag, um in den Brautladen zu gehen, da alle Bräute mit ihrer gesamten Sippschaft im Schlepptau ein Kleid kaufen wollen, aber es ging leider nicht anders. Selbstverständlich hat man vier Wochen vorher einen Termin gemacht, sonst ist einem kein Platz auf den thronartigen Stühlen vor dem roten Laufsteg gesichert. Nachdem man 50 Kataloge mit 700 Kleidern angeschaut hat, zeigt man seiner persönlichen Braukleiderassistentin (PBKA) die Kleider, die man gut findet. Die Antworten lauten dann meist "Hab ich nicht da" oder "Hab ich nur in Größe 44 da". Aha, und was haben Sie dann da?

Aus irgendwelchen Gründen haben alle Brautkleiderhersteller für 2010 dieses Model gebucht, aber das nur am Rande. Ich habe eh gelernt: Wer sich mit Mode auskennt, kennt sich noch lange nicht in der Brautkleiderszene aus.

Zurück an den roten Teppich. Nachdem die PBKA zwischen den Haufen aus Stoff und Tüll wieder hervorgekrochen kommt, verschwinden die beiden (PBKA und Freundin) im Schnitt mit 5 Kleidern, die einigermaßen den Vorstellungen entsprechen könnten, in der Umkleidekabine. Man selbst sitzt währenddessen hochgespannt vorne am Laufsteg und waaaaartet. "Sesam öffne dich", taataahh, here comes the bride. Meine arme Freundin musste nun mehrmals den Laufsteg entlang schreiten, um sich meinen bescheidenen Kommentaren, aber in erster Linie denen der Sippschaften der anderen Bräute zu stellen. Andere Menschen können so distanzlos sein.

Mein Tageshighlight war diese junge Lady, die "gerne wie eine Prinzessin aussehen wollte".

Dieser Traum von einem Sahnebaiser wurde auch gleich gekauft, obwohl die Braut lieber das mit der drei Meter Schleppe und dem dementsprechenden drei Meter Schleier gehabt hätte. Aber die liebe Sippschaft, die gönnt einem ja nichts.

Meine Freundin hat am Ende ein wirklich zauberhaftes Kleid gefunden, was ich an diser Stelle natürlich nicht zeigen kann. Ich kann nur soviel verraten: Es ist das Gegenteil von einem Sahne-Baiser.

Foto: Lilly (1), hannoveroffice/modepilot (2)

Modepilot
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