Das Kleid und die Geschichte dazu

"OĂč est-ce que j`ai dĂ©jĂ  vu cette robe fantastique?", schwirrte es mir durch den Kopf, als ich den CĂ©sar-Beitrag von Parisoffice gesehen hatte. Na klar, als Fotografie im Buch "STYLE, STYLE, STYLE" und somit handelt es sich bei dem Kleid um eine Kreation von...
Gott, was ging mir das Herz auf, als ich das gesehen habe. Ich bin ja nun wirklich keine Leseratte, aber die Biographie des KĂŒnstlers und Designers, verfasst von Alice Rawsthorn, hatte mich vor einigen Jahren so in den Bann gezogen, weshalb ich mir gleich mal ein paar weitere YSL-Nachschlagewerke gekauft hatte.
Ob es sich bei Laetitias Robe um ein Original aus dem Jahr 1968 handelt, lĂ€sst sich anhand eines Bildes nicht sagen, jedoch wĂ€re es absolut möglich. Denn schließlich war sie neben Catherine Deneuve eine seiner Musen. Wiederum könnte ich mir auch vorstellen, dass man die Applikationen im Nachhinein angebracht hatte, da vielleicht einigen Kundinnen der Blick zu freizĂŒgig war und man ihn auf etwas anderes lenken wollte.

Als das Hauch von Nichts entstand, begannen in europĂ€ischen StĂ€dten wie Prag studentische Unruhen, LSD war Partydroge und beeinflusste viele Arbeiten der Acid-Kultur. In einigen Metropolen fasste die Frauenbewegung Fuß. In Frankreich das Mouvement de LibĂ©ration des Femmes und in New York kam es zu SchlĂ€gereien zwischen Transvestiten und der Polizei. Yves, dessen Charakter als feinfĂŒhlig, zart beseitet zu beschreiben ist, ĂŒberlegt laut Aussagen von Freunden mit der Mode aufzuhören, um mehr Zeit zum Schreiben und Malen zu finden und um die Theaterarbeit wieder aufgreifen zu können. Ein Jahr zuvor arbeitete er nebenbei als KostĂŒmbildner fĂŒr die franz. Schauspielerin Madeleine Renaud.

Und jetzt kommt es zum Kleid: Es war die PrĂ€sentation im FrĂŒhjahr im HĂŽtel Forain. Gezeigt wurde den in die Jahre gekommenen Moderedakteurinnen das schwarze Chiffonkleid mit Straußenfedern an einem Rotschopf namens Danielle. Paul Smith, der sich mit seiner Frau Pauline zu den Couture-Wochen ins Hotel Foraine schlich, sagte einmal: "Wenn man solange wartete war es erstaunlich einfach hineinzukommen. [...] Wir sahen all die großen YSL-Kollektionen. Die Smokings und die ersten durchsichtigen Blusen. Das Model kam herein, machte die Jacke auf und entblĂ¶ĂŸte die BrĂŒste. Was fĂŒr ein Knaller! So etwas hatte es in den Sechzigern noch nicht gegeben."
Der goldene SchlangengĂŒrtel war laut Rawsthorn eine Reverenz an Dar el-Hanch, ein Haus, das sich Pierre und Yves 1967 in Marrakesch gekauft hatten. Marrekesch war zu diesem Zeitpunkt eine Stadt voller freundlicher und freizĂŒgiger Kulturen. Yves lebte hier seine HomosexualitĂ€t in vollen ZĂŒgen. Inspiriert von dieser Zeit lassen sich zum Beispiel auch die jetzt neu aufgetauchten privaten Zeichnungen von 1980 interpretieren, die muskulöse MĂ€nner wie Freddie Mercury in erotisch-lasziven Posen mit verziert-orientalischen Schmuck, wie Cock-Ringen um den Penis, zeigen.

Eigentlich ist es nur ein Kleid an einem Abend, das wir gesehen haben... und doch hat es soviel zu erzÀhlen!

Hier noch ein paar Angaben zum Buch-Modell 53 "Evening Grown":

-Fall/Winter 1968.
-Silk muslin by Bianchini. Ostrich feathers by Barbier. Metal snake by Denez. Pumps with patent leather straps.
-Das Kleid wurde u.a. ausgestellt im Metropolitan Museum of Art (NY), Palace of Fine Arts (Beijing) und im Museé des Arts de la Mode (Paris).
-Publiziert wurde es in
der VOGUE France, MĂ€rz, 1968
der VOGUE UK, September, 1968
der Madame Figaro, France, Juni 1994

Das Werk "Yves Saint Laurent STYLE STYLE STYLE" mit den bedeutendsten Kreationen des verstorbenen KĂŒnstlers ist (wer hĂ€tte es gedacht!?!) Ă€ußerst empfehlenswert, genauso wie die oben genannte Biographie, aus der ich die meisten Infos habe. Das Buch umfasst ĂŒber 160 Zeichnungen und Fotografien und entstand in der Zusammenarbeit mit der Fondation "Pierre BergĂ© - Yves Saint Laurent".
Foto: abfotografiert aus "YSL STYLE STYLE STYLE", Seite 87, erschienen im Abrams Verlag (www.abramsbooks.com) / Infos zum Kleid: Seite 93
Photo Credit: false

Kommentare

  • Mademoiselle Tamtam sagt:

    Was fĂŒr ein wahnsinnig schöner, interessanter, informativer Artikel! Danke Jerome!!!!

    Ich freue mich auf die YSL-Ausstellung, sie steht fest in meinem Kalender wenn ich im Juni in Paris bin. =)