Modepilot-Reportage: Konfrontationstherapie

Ich will in diesem Jahr ganz klar SPAREN und nicht so viel Geld für Damenoberbekleidung ausgeben. Deswegen habe ich mir selbst eine Konfrontationstherapie verordnet - ich gehe mit Kreditkarte in die Stadt, mache Schaufensterbummel und warte ab, was es mit mir macht. Gestern war die erste Sitzung. Ich muss fairerweise sagen, dass ich meine absoluten Lieblingsläden ausgelassen habe - man muss langsam anfangen. Das Sitzungsprotokoll:
Ich gehe jetzt mal meine übliche Tour und starte auf dem Corso Genova bei Anna Ravazzoli, mit Celine und Azzaro im Fenster: Rot ist nicht so meine Farbe.
dann weiter zu Biffi, schräg gegenüber
Jetzt Espresso bei Cucchi...., und gleich latsche ich endlos weiter, am Dom vorbei, bis zur Via della Spiga (ich treibe weiter keinen Sport, daher alles zu Fuß). Wir landen bei Blumarine, da geht keine Gefahr von aus (hier wären auch noch Marni und Margiela, aber das wäre jetzt zu riskant)
Roberto Cavalli.... brauche ich nicht
Krizia, sonst immer einer meiner Favoriten, aber diesmal auch nix (Glück gehabt)
Dolce & Gabbana... brauche gerade kein Cocktailkleid
und endlich Miu Miu (wir biegen in die Via Sant'Andrea ein).
Jetzt kribbelt es leicht in den Fingern, ich habe die Hand schon am Türknauf, aber .... Puls beruhigt sich wieder.
Andere Straßenseite zu Fendi .... diese Stanzkleider sind nicht so meins.
...und mein Lieblingsschaufenster von Moschino....
Trussardi - die merke ich mir mal vor für bessere Zeiten (seit der Milan Vukmirovic das leitet, gefällt es mir immer besser)
So, da sind wir am Ende der Via Sant'Andrea, wo sich mir immer die Frage stellt: Wo lang? Via Montenapoleone nach rechts zu Yves Saint Laurent und Ferragamo, geradeaus zu Burberry und Jil Sander, oder doch nach links zu Gucci, Prada und Vuitton? Vom Therapie-Grad her alle gleich schwierig. Na gut, nach links.
Gucci wirbt im Fenster für seinen neuen Duft Flora by Gucci, mir aber egal.
Bei Etro sieht es so schlimm aus im Fenster, dass mir die Tränen kommen:
Bei Bally nicht viel besser
Prada... so eine Weiß-Weiß-Kombi fehlt mir wirklich noch für den Sommer, und mein altes Crinkle-Oberteil hat sich in der Reinigung entkrinkelt, also eigentlich muss ich da jetzt kurz rein ... Schweiß auf der Stirn, Herzrasen, Hyperventilieren, ...
Ich atme in die mitgebrachte Plastiktüte... und gehe vorbei.
Puuuhh, gerade noch mal gut gegangen, und zur Abschreckung Louis Vuitton - das sieht so schlimm aus, dass nichts passieren kann.
So, bin schon ein nervliches Wrack und schleppe mich zurück zur Galleria Vittorio Emanuele am Dom. Da ist mein Lieblings-Prada-Laden. Wenn ich den schaffe.... Ich versuche mich mit den Relief-Deko-Wänden, die man aus der Werbung gezimmert hat, abzulenken.
Drehe mich dann ganz schnell um und spiele kurz mit dem Gedanken, bei Louis Vuitton (gegenüber von Prada in der Galleria) einzubrechen und so eine Kiste zu klauen. Dann hätte ich das Geld für meinen Sarg schon mal gespart. Das könnte ich dann statt dessen wiederum noch zu Lebzeiten in eine Handtasche ....
Ich breche die Sitzung an dieser Stelle ab und verschiebe den eigentlichen Therapiebeginn auf nächstes Wochenende.
Fotos: Milanoffice/Modepilot
Photo Credit: false

Kommentare

  • modejournalistin sagt:

    Das ist ja wohl der raffinierteste Shopping-Guide, den ich je lesen durfte! Um auf Deine Therapie einzugehen: Die LV-Bag hast Du Dir - wie ich finde - verdient. Parisoffice, sag jetzt nichts. Für milanoffice ist das eine La-Recessionista-Glanzleistung. Respect, sister!
  • Corinna sagt:

    Ich liege am Boden vor lachen.. Und Milanoffice vermutlich mit Entzugserscheinungen auf der Intensivstation.
  • modejournalistin sagt:

    vielleicht krinkelt sie auch alte T-shirts auf...
  • parisoffice sagt:

    Corinna, ich bin enttäuscht von Dir. Und sehr stolz auf Milanoffice. Das ist nichts zum Lachen, sondern eine gelebte Tragödie, die wir live miterleben. Das bedeutet auch, dass mich Milanoffice nicht mehr in Paris besuchen wird, weil die Stadt voller Versuchungen ist. Fazit: Ich genehmige die von Modejournalistin zugestandene klitzekleine LV-Tasche. Aber nur eine ganz kleine.
  • auchmilan sagt:

    Brava milanoffice, eine Glanzleistung in jeder Hinsicht (außer LV aber das ist Geschmackssache)....
  • Corinna sagt:

    Millanoffice, komm nach Hannover, Hier kannst du in die Stadt gehen und KANNST gar nicht in Versuchung kommen.

    Nach Paris; Ich habe den Ernst der Lage schon vor Wochen angemahnt 😉


  • milanoffice sagt:

    Und ich musste das Drama bei Erstellung diese Posts gleich ein zweites Mal durchleben ....
  • parisoffice sagt:

    Corinna, Du hast Recht. Aber per Telefon habe ich Milanoffice schon dutzendmal gesagt, dass es so nicht weitergeht. Bloß auf mich hört die ja nicht. Siehste, welchen Einfluss du hast.
  • anna s. sagt:

    Hut ab, milanoffice!

    Ich hätte das NIE geschafft!

    Wahrscheinlich wäre ich bei jedem einzelnen Laden schwach geworden und hätte mich danach sehr, sehr schlecht gefühlt...


  • milanoffice sagt:

    Vielleicht können wir ja mal alle zusammen eine Gruppentherapie in der Art machen ....
  • Natalya sagt:

    Tolle Leistung und Anti-Shopping Guide für alle Shopoholics !

    PS:Die Schuhe bei LV sehen sehr interessant aus...


  • Corinna sagt:

    Ach milanoffice, als wenn das was bringen würde.. Ich bin bis jetzt immer wieder rückfällig geworden.. Irgendwann resigniert man und gewöhnt sich an Pizza und billigen Vino!! Worauf sparst du überhaupt?? Auf ne Birkin??

    😉


  • milanoffice sagt:

    Ich spare um des Sparens willen. Und da ich mein Geld ja nur für Klamotten ausgebe (keine Drogen, keine Männer, keine Autos), ist es das einzige, an dem ich überhaupt sparen kann.
  • Corinna sagt:

    AAAAAAHHHHHHHHHH, es geht ums Prinzip! Das ist natürlich was völlih anderes.. Bitte berichte mir, wann du wieder schwach geworden bist!!
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