2026: Was trugen wir wirklich?
Klara Schlemmer

2026: Was trugen wir wirklich?

Während manche sehnsüchtig auf ihren Spotify-Rückblick warten, interessiert uns vor allem diese Frage:

Mode 2026: Was wurde wirklich getragen?

Polka Dots Modepilot Modetrends 2026
Polka Dots is einer ihrer schönsten Formen

Statt Vermutungen über Trends: Klarheit! Wäre 2026 wirklich 2026 gewesen ohne Polka Dots? Polka Dots regierten nicht nur die sozialen Medien, sondern auch die Straßen Europas. Die Prognose, dass Polka Dots um 55 % mehr getragen werden als im Vorjahr¹, ließ uns also nicht im Stich.

Leo ist in 2025 geblieben, aber 2026 bekamen wir dafür Zebra. Laut Prognosen sollten es 21 Prozent mehr Zebraprints als im Vorjahr werden². Unterschreibe ich glatt.

Knallharte Zahlen

Mode 2026 Modepilot Sellpy
Zwischen den Neunziger- und den 2000er Jahren

Und was andere vage Vorhersagen angeht: Alles schön und gut, aber wie wäre es mit knallharten Zahlen? Sellpy liefert. Durch seine Auswertung der Suchanfragen bekommen wir Klarheit, was wirklich angesagt war. Mit der Ausstrahlung der Serie „Love Story“ begann die minimalistische Ära. Wie sehr jeder Carolyn Bessette nacheiferte, ist unter anderem an der Suche nach Bermuda-Shorts zu erkennen – ganze 390 Prozent mehr Suchanfragen als im Vorjahr*. Aber nicht nur Schwarz und Weiß!

Farbe

Der Sommer hatte anscheinend auch dieses Jahr wieder die Wirkung, dass mehr Menschen zu Farbe griffen. Besonders begehrt war Koralle* (+250 %). Viele deklarierten 2026 als das neue 2016. Der Hype um das zurückgekehrte Lied „Lush

Life“, die damalige Instagram-Nostalgie und auch die Mode schrie nach 2016. Nur eben besser!

Barrelljeans Modepilot Trends
Hier trage ich Barrel-Jeans

Die typischen 2000er-Tops: eng, kurz, Muster, Farben und Glitzer. Die Hosen hingegen lieber ein paar Nummern zu groß. Statt Skinny Jeans lieber Ballonhosen* (+372 %) oder Barrel-Hosen* (+355 %). Unsere über die Jahre angelegte Bequemlichkeit möchten wir schließlich nicht komplett aufgeben.

Die Weltmeisterschaft

Für viele das diesjährige Highlight: Die WM, oder sollte ich besser sagen die WM-Looks? Die deutsche Nationalmannschaft konnte uns nicht lange einen Dopaminrausch verschaffen. Laura Abla hingegen schon eher. Durch ihre durchdachten Looks brachte sie zum Ausdruck, wie fashionable Fußball sein kann. Für die Fußballfans: Trikot = Zusammenhalt und Beistand. Für die Fashion Girls: Trikot = Fashion Piece. Egal, mit welcher Intention: Das Fußballtrikot* (+159.9 %) war gefragt.

Und wer sind die Sieger dieses Jahres?

Klara Schlemmer Modepilot Gucci bag
Ich mit meiner Gucci-Tasche

Wie könnte es anders sein als Taschen? Vermutlich wird keiner Fendi, Gucci und Louis Vuitton vom Thron stoßen. Vielversprechender als das jetzige Wetter sind hingegen die Suchanfragen für den Herbst. Die Zeit der Hunter Boots* (42.34 %) ist wiedergekommen. Dazu passen perfekt die heiß begehrten Karohemden* (182 %) und karierten Hemden* (142.2 %). Wie beliebt Karohemden schon im Sommer waren, zeigte uns eine Frau auf den Straßen von Nizza. Außerdem machte sie kein Geheimnis daraus, dass die Trendfarbe dieses Sommers Tiffanyblau war. Mein perfektionistisches Herz machte Freudensprünge, als ich ihre dazu passenden lackierten Nägel sah.

TikTok Trends

Irrte man auf TikTok herum, galten Spitzentops oder eingenähte Spitze als der Hit, genauso wie Karohemden, allerdings eher als Accessoire lässig um die Hüften gebunden. Plateauschuhe hatten ihr Comeback. Hate it or love it: Die angesagteste Kopfbedeckung: das (gehäkelte) Tuch. Die sportliche Bewegung von 2026 schlug auch in der Mode ein. Der Wanderurlaub wurde zum neuen Malle-Urlaub. Statt Ballermann-Shirt lieber Wanderausrüstung. Ein gefundenes Fressen für The North Face. Sei ihnen aber gegönnt. Schließlich zeichnen sie sich auch durch ihre Nachhaltigkeit im Circular Fashion Index aus³.

Salomon, der Überraschungssieger

Generell wurden Sportartikel zum Streetstyle gemacht. Besonders beliebt: Salomon* (+928.6 %). Alles in allem gleicht die Mode in 2026 einer Selbstfindungsphase. Man hat unendliche Optionen, aber keine scheint die eine zu sein. Die Motivation treibt uns an, bei jedem gescheiterten Versuch, eine bessere Version zu werden, durch das Hineinspringen von dem

einen Extrem ins andere. Und warum? Vielleicht um sich selbst durch das Unbekannte herauszufordern. Oder ist es vielmehr die Bemühung, seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln?

*Hinweis zur Datenbasis: Alle Prozentangaben beziehen sich auf das Wachstum der

Suchanfragen auf Sellpy im Vergleich zum Vorjahr.

¹ https://heuritech.com/fashion-trends-2026/

² https://heuritech.com/fashion-trends-2026/

³ https://www.de.kearney.com/consumer-goods/nac

Photo Credit: Sellpy, Klara Schlemmer für Modepilot

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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