Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Sonne und Pickel

Rebound kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Rückstoss oder Rückprall. Also eine Gegenreaktion von genau dem, was man eigentlich erwartet hat. Exakt das passiert, wenn UV-Strahlen auf Akne treffen. Obwohl es anfangs zu einer Verbesserung kommt, verschlechtert sich das Hautbild schon bald wieder.
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Sonnenschutz bei Coach für Frühjahr/Sommer 2022
Viele Mütter schicken ihre pubertierenden Kinder mit Akne im Gesicht in die Sonne, damit die Pickel und Pusteln austrocknen. Und das stimmt auch in gewisser Weise, denn UV-Strahlen besitzen tatsächlich eine entzündungshemmende und antibakterielle Wirkung. Sie schalten sozusagen die Mikro-Organismen aus, die an der Entstehung von Pickeln und Mittessern beteiligt sind. Deshalb verbessert sich der Hautzustand auch tatsächlich − erstmal.

Mit dem Ende des Sommers bekommt man die Rechnung

Doch der schöne Effekt ist trügerisch und nur vorübergehend. Trotzdem lassen sich viele Betroffene davon täuschen und verzichten auf ihre bisher bewährte Anti-Akne-Pflege. Mit dem Ende des Sommers kommt dann die Rechnung: Die Akne ist wieder da und oft noch schlimmer. Sie „blüht“ geradezu. Das bezeichnet man als den Rebound-Effekt. In der Pharmakologie kennt man dieses Phänomen ebenfalls, wenn nach abruptem Absetzen eines Medikaments eine überschießende Gegenreaktion einsetzt.
Judith Horzel Pierre Fabre
Judith Horzel, Apothekerin und Senior Medical Managerin bei Pierre Fabre
„Bei zu viel UV-Strahlung durch die Sonne kommt es jedoch vor allem im Herbst zum Rebound-Effekt. Daher ist es wichtig, immer einen sehr hohen Sonnenschutz aufzutragen“, bestätigt Judith Horzel, Apothekerin und Senior Medical Managerin bei Pierre Fabre. Am besten fährt man mit einer dermatologen Problemlösermarke. Denn bei Akne sollten Sonnenschutz-Produkte nicht nur einen effektiven UVA-UVB-Breitbandfilter enthalten, sondern auch Substanzen, die Hautunreinheiten beseitigen und dafür sorgen, dass diese nicht wieder auftreten. Zu solchen Aktivstoffen gehören beispielsweise Myrtacin und Celastrol wie sie die Marke „Ducray“ (zu Pierre Fabre gehörend) einsetzt. Sie wirken entzündungshemmend und verhindern die Bildung des Biofilms durch das Propionibacterium acnes, das für die Akne mitverantwortlich ist.

UV-Licht verdickt die Haut

Schauen wir uns mal genauer an, was passiert, wenn UV-Licht auf Akne-Haut trifft. Wie schon beschrieben, verbessert sich das Hautbild kurzfristig, da die Sonne die Pickel austrocknet. Aber die Haut will sich vor den Strahlen und der Wärme des Sonnenlichts schützen. Sie verdickt sich und schließt den produzierten Talg sowie Bakterien in der Haut ein. Das bedeutet zwar vorübergehend ein schöneres Hautbild, aber auch verstopfte Poren. Benutzt man dann noch einen unpassenden Sonnenschutz und sogar einen falschen Faktor, wird die Verdickung der Hautschicht noch weiter gefördert. Nicht zu unterschätzen ist auch der Faktor Schweiß: Schwitzen ist zwar grundsätzlich gut, weil es die Poren öffnet und Schmutz nach außen spült. Trocknet der Schweiß allerdings auf der Haut, und das noch dazu bei warmen Temperaturen, vermehren sich die Bakterien.
Sonne und Pickel Modepilot Beauty Kolumne
Schöner Teint ohne Pickel bei GCDS für Frühjahr/Sommer 2022
Was eingeschlossen ist, will schließlich irgendwann ans Tageslicht. Im Herbst drängen deshalb Talg und Bakterien nach oben. Damit kommt zurück, was im Sommer vermeintlich verschwunden war: erweitere Poren, Pickel und Mittesser − und in vielen Fällen noch ausgeprägter als es vor dem Sommer. Der Rebound-Effekt ist da! Eine weitere Gefahr von zu ausgiebigen Sonnenbädern bei Akne besteht darin, dass es neben neuen Entzündungen zu Hyperpigmentierungen und dunklen Flecken durch eine überschießende Melanin-Produktion kommen kann. Dieses ästhetische Problem lässt sich oft komplizierter lösen als die Akne selbst.

Hautpflege-Routine beibehalten

Die beste Lösung, um Akne-Ausbrüche nach dem Sommer bereits im Vorfeld zu vermeiden, besteht darin, dass man seine gewohnte Hautpflege-Routine für Tag und Nacht während der warmen Monate allgemein, aber auch im Urlaub beibehält. Bei Sonnenschutzmitteln unbedingt darauf achten, dass sie für Akne-Haut geeignet sind und keine problematischen Zusätze enthalten. Dazu gehören Fette, Emulgatoren und Konservierungsstoffe. Sie wirken oft komedogen, das heißt, sie verstopfen die Poren und fördern damit Akne.
Ist ein Produkt nicht-komedogen wird es auf den Packungen ausgewiesen. „Je fettiger und schwerer eine Sonnencreme, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Probleme auftreten. Tragen Sie lieber öfter ein etwas leichteres Produkt mit einem niedrigeren UV-Filter auf als ein schweres Produkt mit einem hohen Lichtschutzfaktor. Auch wasserfeste und sogenannte ‚all day‘-Produkte sind problematisch“, so Dr. Jetske Ultee, Forschungsärztin in der kosmetischen Dermatologie in Rotterdam.

Sonne und Pickel

Mit der Wahl des falschen Produkts haben gerade Akne-Betroffene noch ein weiteres Risiko: Sie können sich eine Sonnen-Akne einhandeln, weil sie dafür besonders empfänglich sind. Der medizinische Fachbegriff lautet Akne aestivalis, besser kennt man sie als Mallorca-Akne. Auch wenn es sich dabei um keine klassische Akne handelt, entsteht ebenfalls eine Entzündung auf der Haut, hervorgerufen durch die „toxische“ Kombination aus intensiver UVA-Sonnenstrahlung und den Fetten, bzw. Emulgatoren in der Sonnencreme. Die Folge ist ein Ausschlag mit entzündlichen Pickeln im Gesicht, am Rücken und im Brustbereich.
Mallorca-Akne verschwindet erst wieder, nachdem man mehrere Tage auf die Sonne verzichtet hat. Wer für Sonnenakne prädestiniert ist, sollte es im Sommer und gerade im Urlaub unbedingt langsam angehen lassen − mit kurzen UV-Expositionen und ohnehin niemals in der Mittagshitze „braten“. Und ganz wichtig, wenn Sie Sonnencreme aufgetragen haben: Jeden Abend die Haut gründlich reinigen mit einem äußerst milden Cleanser.
Mehr von unserer Autorin Margit Rüdiger lesen Sie jeden Freitag hier auf MODEPILOT.de – Ihre bisherigen Kolumnen gibt es hier >>> und mehr auf ihrem Blog Culture & Cream (>>>) Fragen, Wünsche, Feedback? Sie erreichen unsere Kolumnistin unter beautypro[@]modepilot.de
Photo Credit: Catwalkpictures
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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