Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Straffe Oberarme mit Nadelroller und Retinol

Mittlerweile hat vermutlich jede Frau so einen Nadelroller zuhause oder schon einmal gehabt. Die ersten Berührungsängste mit dem so genannten 'Needling' sind überwunden. Und manche sind vielleicht Daueranwender, weil der mit Nadeln gespickte Handroller bei der schematischen Hautverletzung tatsächlich eine Kollagen- und Elastinbildung anregt.
Dass man den Roller auch gut am Körper einsetzen kann, nutze ich für meine Oberarme, um den Winkeärmchen vorzubeugen.
Needling Retinol Modepilot
Mein Oberarm vor dem Needling mit Retinol (links) und nach der Anwendung (rechts)

Ein abschreckendes Erlebnis

Ich hatte sehr lange Angst davor. Denn immer wieder schob sich ein unangenehmes Bild vor mein inneres Auge, sobald ich den Dermaroller benutzen wollte. Es war vor Jahren in London. Ich war damals eingeladen, um einen Artikel über eine englische Ärztin zu schreiben, die sich auf Micro-Needling spezialisiert hatte. Sie demonstrierte die damals gerade publik gewordene Anti-Aging-Methode an einer Patientin mittleren Alters, der sie vor der Behandlung ein lokales Anästhetikum in Form einer Salbe aufgetragen hatte. Das Gesicht der Frau war nach dem Needeln mit lauter kleinen Blutungen übersät. Sie konnte am nächsten Tag bestimmt nicht unter Leute gehen. Allerdings muss ich einräumen, dass der Nadelroller der Londoner Dermatologin für das medizinische Micro-Needling viel längere Spitzen hatte und dadurch tiefer in die Haut stach als meiner zu Hause mit seinen gerade einmal 2,5 Millimeter kurzen Nadeln.
Needeln2 auf der Creme
Am Beispiel meines Gesichts: Hier needelt die Hautärztin ein zweites Mal, nachdem eine Retinol-Creme aufgetragen wurde
Was bringt es überhaupt, der Haut bewusst Verletzungen zuzufügen, auch wenn diese nur winzig klein sind? Die feinen Nadeln aus Edelstahl mit antibakterieller Beschichtung laufen über eine Walze und punktieren beim Rollen die oberste Hautschicht. Dadurch werden die Zellen aktiviert, die Durchblutung des Gewebes angeregt und somit die Hautregeneration in Schwung gebracht. Die Zellen setzen Wachstumsfaktoren, Kollagen und Elastin frei. Auf diese Weise heilen die kleinen Wunden und gleichzeitig wird das Hautbild durch die Bildung neuer Hautzellen stark verbessert. Narben, erste Anzeichen von Falten und erschlafftem Bindegewebe lassen sich damit reduzieren. Schon nach der ersten Behandlung soll die Haut straffer, fester, jünger und frischer aussehen.

Starthilfe von einem Haut-Profi

Wichtig ist es, die Haut vorher gründlich zu reinigen. Dafür eignet sich z.B. ein salicylsäurehaltigen Toner. Andernfalls kann es zu unschönen Entzündungen kommen. Dass sich hier und da kleine Blutungen auftaten, kommentiert eine Hautärztin durchaus positiv: „Durch die feinen Verletzungen der Haut können Pflegeprodukte besonders tief in die Hautschichten eindringen und deren Regenerationsprozess unterstützen.“ Ich dachte schon, ich hätte es überstanden, aber da trug mir die Dermatologin nach dem ersten Durchgang eine Creme mit hohem Retinol-Gehalt auf für eine zusätzliche Hautglättung, Porenverfeinerung und Kollagenneubildung und setzte dann nochmals den Roller an. „Damit das Produkt richtig schön eingeneedelt wird in die Haut“.
Anschließend ist die Haut gerötet wie nach einem Sonnenbrand. Aber am nächsten Morgen erscheint sie mir schon glatter.

Straffe Oberarme: ein Selbstversuch zu Hause

Einige Tage gönnte ich meiner Haut Ruhe, obwohl die Ärztin meinte, man könne die Behandlung ruhig zweimal pro Woche zu Hause durchführen. Aber ich war vorsichtig. An einem Samstagabend griff ich nach der Reinigung der Haut und vor allem auch der Hände beherzt zum Roller. Ich dachte bei mir: „Wenn was schiefläuft, habe ich immer noch den Sonntag zur Regeneration.“
Ich tastete mich langsam an die richtige Druckstärke heran, dann funktionierte es ganz gut. Es bildeten sich vereinzelt Mini-Blutungen. Nach dem Auftragen der Retinol-Creme needelte ich ein zweites Mal darüber. Ich gehe vor wie im Gesicht und needle sternförmig über den unteren Part des Oberarms, dann Retinol-Creme auftragen und erneut rollen. Weil die Haut an dieser Stelle besonders zart ist, halten sich die Rötungen länger. Wer am nächsten Tag ärmellos gehen möchte, sollte am Abend zuvor kein Micro-Needling an den Armen durchführen.
Seit drei Monaten benutze ich nun meinen Dermaroller einmal pro Woche. Die Kollagenneubildung scheint sich bemerkbar zu machen: Die Haut ist straffer und praller.

Wichtig zu wissen

Was man über den Roller noch wissen muss: Nicht bei offenen Wunden, Abschürfungen oder Entzündungen verwenden! Auch nicht bei chronischen Infektionen wie Herpes, bei Hautkrebs oder der Einnahme von Blutverdünnern. Seinen Dermaroller mit dem Partner oder der Freundin teilen, ist ebenfalls ein No-Go. Auch wenn man ihn nach jeder Anwendung gründlich unter heißem Wasser gereinigt und desinfiziert hat. Merkt man, dass die Nadeln nicht mehr richtig spitz sind − circa nach 30 Anwendungen −, ist es an der Zeit, sich einen neuen Dermaroller zuzulegen. Ansonsten, keep on rollin’!
Mehr von unserer Autorin Margit Rüdiger lesen Sie jeden Freitag hier auf MODEPILOT.de – Ihre bisherigen Kolumnen gibt es hier >>> und mehr auf ihrem Blog Culture & Cream (>>>) Fragen, Wünsche, Feedback? Sie erreichen unsere Kolumnistin unter beautypro[@]modepilot.de
Photo Credit: Margit Rüdiger für Modepilot

Kommentare