Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Glow − Was zum Teufel?! Aber...

Der Begriff wird zwar inflationär verwendet. Fast jede Kosmetik-Werbung preist inzwischen den Glow an, den man mit genau diesem oder jenem Produkt erhalten soll. Auf Social Media sprechen ermüdend viele Influencer von „glowy“ oder „dewy skin“. (Bei Männern verliert man übrigens kein Wort darüber. Da wird Glanz eher gleichgesetzt mit ölig.) Aber lohnt es sich tatsächlich nach diesem geheimnisvollen Glow zu streben Was hat es damit auf sich?
Auf Deutsch steht der Begriff für ein Strahlen oder Leuchten. Gemeint ist damit eine sanft glänzende Haut, als hätte man einen Insta-Filter darüber gelegt. Eine Babyhaut hat ihn von Natur aus. Auch in jungen Jahren ist diese rosige Frische noch vorhanden, weil die Haut gut durchblutet ist und über genügend Spannkraft verfügt. Lässt exakt diese mit zunehmendem Alter nach, wenn Umweltschäden der Haut zusetzen und sie ohnehin dünner und weniger ebenmäßig ist durch Fältchen und Pigmentflecken, wird sie zusehends fahler und verliert ihr strahlendes Aussehen. Was man in der Jugend von der Natur mitbekam, muss man sich nun erarbeiten.
Glow Modepilot Beauty Kolumne
Sie hat den 'Glow', bacḱstage bei Chanel

Makellos sieht die Natur nicht vor

Dabei sei gleich vorausgeschickt, dass es die absolut perfekte Haut in Wirklichkeit nicht gibt. Der makellose Glow existiert nur auf TikTok, Instagram und Pinterest dank Filter und Lichtkorrekturen. Auf den sozialen Medien wird uns vermittelt, dass haar-, pickel- und porenfreie Haut die Norm sei, und alles andere irgendwie falsch.
„Wenn die Leute von ‚strahlender Haut‘ sprechen, meinen sie meistens einen ebenen Teint ohne Pickel – eine glatte Oberfläche, die das Licht schmeichelhaft reflektiert“, bestätigt auch die Londoner Dermatologin Dr. Justine Kluk. Es ist ein Irrglaube, dass nur strahlende Haut gesund ist und wenn sie das nicht tut, mache man etwas falsch. „Obwohl du dich gesund ernährst, genug schläfst, deine Haut mit Feuchtigkeit versorgst, Sonnenschutz trägst, nicht rauchst und all das natürlich besser für deinen Körper und deine Haut sein kann, ist der ‚Glow‘ kein verlässlicher Indikator für deine Gesundheit“, so Dr. Kluk. Also nicht verzweifeln, wenn die Haut dem Ideal trotz aller Bemühungen nicht entspricht. Auch jemand der Akne oder Rosazea hat, kann grundsätzlich gesund sein.

Schrittweise vorgehen

Dennoch kann man sein Hautbild verbessern. Jedoch sollte man sich immer nur ein Ziel vornehmen und nicht gleich alles erreichen wollen und die Haut dabei möglicherweise überfordern. Das Beste ist es, die Routine so schlicht wie möglich zu halten und sich Schritt für Schritt dem Ziel zu nähern. Überlegen Sie sich, was oberste Priorität hat. Stören Sie sich an Hyperpigmentierungen, dann greifen Sie zu Glykolsäure. Bei Akne verwendet man Salicylsäure. Stellen sich Verbesserungen ein, dann kann man sich den nächsten Wunsch vornehmen.
Kälteanwendungen sind beispielsweise ein perfekter Booster für die Mikrozirkulation. Sie festigen die Haut, gleichen feine Linien aus, verengen die Poren und schenken der Haut damit mehr Ausstrahlung. Dazu gibt es spezielle Kryo-Masken oder so genannte 'Ice Globes'. Das sind mit Flüssigkeit gefüllte Kugeln an einem Stiel, die man vor der Anwendung in den Kühlschrank legt und dann damit das Gesicht massiert. Morgens oder abends mit leichten Druck auf der Stirn, dem Bereich unter den Augen, den Wangen, dem Kiefer und Hals anwenden. Von nichts kommt nichts: 20 Minuten muss man jeweils dafür aufwenden.
Ich persönlich benutze lieber mindestens einmal täglich meinen Gua Sha-Stein aus Rosenquarz, den ich erst an der Kieferlinie rechts und links vom Kinn entlangziehe. Dann streiche ich die Wangen in Richtung Ohr aus und und zum Schluss die Augenfältchen in Richtung Schläfen.
Die britische Model-Ikone Kate Moss ist ganz besonders tapfer. Sie schwört auf einen eiskalten Tauch-Trick für ihr Gesicht: „Füllen Sie ein Becken mit Eiswürfeln, kaltem Wasser und Gurkenscheiben und tauchen Sie Ihr Gesicht darin ein, so lange wie Sie es aushalten.“

Massagen und Kopfkissenwechsel

Die australische Akupunkteurin, Aromatherapeutin und Hautärztin Annee de Mamiel empfiehlt Gesichtsmassagen. „Mit jedem Handgriff lassen sie die Haut mehr leuchten“, sagt sie. „Die Bewegungen erhöhen die Durchblutung und lassen das Blut mit all seinen Komponenten wie Sauerstoff, Vitamine und Mineralien in die Zellen strömen, während sie gestaute Lymphe und Toxine abfließen lassen. Gleichzeitig werden muskuläre Verspannungen ab- und Tonus sowie Volumen aufgebaut.“
Hat man ständig Probleme mit seiner Haut in Form von Unreinheiten, kann das am Kopfkissen liegen. Dann sollte man den Überzug mindestens einmal pro Woche wechseln, um Bakterien und Staubmilden zu eliminieren. Auch das Kissen selbst regelmäßig waschen. Bei inflammatorischen Reaktionen, sprich Rötungen, kann auch das Waschmittel der Verursacher sein. Benutzen Sie ein mildes, duftfreies Produkt. Am besten für die Haut sind Seiden-Kopfkissen, weil sie eine glatte Oberfläche haben, atmungsaktiv und kühlend sind.

Den Grauschleier wegpeelen

Zu den besten Glow-Bringern an kosmetischen Behandlungen gehören regelmäßige Peelings. Subtanzen wie Fruchtsäuren (AHA), Betahydroxysäuren (BHA) wie Salicylsäure und Polyhydroxysäuren (PHA) wie Milchsäure helfen, die oberste Hautschicht von abgestorbenen Zellen zu befreien und darunter eine strahlendere Oberfläche zum Vorschein zu bringen. Zudem sorgen milde Säure-Peelings für feinere Poren und glattere Haut. Zum Nachreinigen bei öliger oder aknegefährdeter Haut einen ebenfalls Salicylsäure-haltigen Toner benutzen, der auch die letzten Talgreste entfernt und die Haut in Balance bringt.

Feucht cremen

Um das meiste aus Ihren Pflege-Produkten herauszuholen, tragen Sie die Creme auf der noch feuchten Haut auf. Diese sollte nicht nass sein, sondern mit einem Handtuch trocken getupft. Der Sinn, der dahinter steckt: Eine noch „dampfige“ Haut ist oberflächlich durchfeuchtet und eher durchlässig für Wirkstoffe. Ein Humectant, also eine hygroskopische Substanz wie Hyaluronsäure und Glyzerin, kann die Feuchtigkeit, die in der Haut vorhanden ist, besser binden. Besonders empfehlenswert ist dieser Tipp bei einer schwachen Hautbarriere, wie sie bei einer Dermatitis oder Ekzemen vorliegt.
Vitamin-A-basierte Produkte (Vitamin-A-Derivate wie Retinoide und Retinol) können viel zu einem strahlenden Teint beitragen. Sie beschleunigen die Zellerneuerung, aktivieren die körpereigene Kollagenbildung und verbessern die Hautstruktur, indem sie feine Linien glätten und Poren minimieren.
Stimmt das Hautbild, kann man einem glowy Teint auch mit Make-up nachhelfen. Selbst auf den internationalen Laufstegen bei großen Fashion-Shows gilt es inzwischen, den Models einen möglichst natürlichen Look zu verpassen. Das Gesicht soll frisch und rosig aussehen, die Wangen weich glänzen wie nach dem Sonnenbaden. Das erreicht man mit Luminizern, Highlightern und hauchzarten Foundations, die das Licht reflektieren und wie ein Filter agieren. Spezielle Glow-Cremes sind ein Hybrid-Produkt aus Feuchtigkeitspflege, Primer und Highlighter. Sie ebnen das Hautbild und werden vor dem Make-up aufgetragen, das dadurch auch länger hält. Um Puderprodukte sollte man einen großen Bogen machen. Sie mattieren und lassen die Haut trocken wirken − und genau das verhindert einen schönen Glow.
Mehr von unserer Autorin Margit Rüdiger lesen Sie jeden Freitag hier auf MODEPILOT.de – Ihre bisherigen Kolumnen gibt es hier >>> und mehr auf ihrem Blog Culture & Cream (>>>) Fragen, Wünsche, Feedback? Sie erreichen unsere Kolumnistin unter beautypro[@]modepilot.de
Photo Credit: Catwalkpictures

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