Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Was Körperakne über die Gesundheit verrät

Pickel im Gesicht sind schon schlimm genug. Aber am Körper tun sie oft richtig weh, wenn die Kleidung daran reibt. Gerade im Winter zeigen sich Hautunreinheiten an Dekolletee, Oberarmen, Rücken und Po gern in voller Blüte. Warum bloß?
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Model ohne Körperakne bei Ingie Paris auf dem Laufsteg
Ich habe mich gefragt, warum man in Zusammenhang mit Akne von „blühen“ und „Blüte“ spricht. Über die Etymologie des Begriffs Akne streiten sich die Experten. Er könnte abgeleitet sein von dem griechischen Wort „akmé“, was einerseits „Spitze, Schärfe, Schneide“, andererseits aber auch „Blüte, Reife, Höhepunkt“ bedeutet. In jedem Fall bezeichnet man damit einen Hautausschlag, dem eine übermäßige Talgproduktion und eine Verhornungsstörung zugrunde liegt.

Schwitzen triggert Akne

Charakteristische Stellen für Körperakne, auch 'truncal akne' genannt, sind Brust, Schulterbereich, Rücken und Po. Warum gerade an diesen Stellen? Sie alle verfügen über große Talgdrüsen, die die Wurzel des Übels sind. Herbst und Winter sind besonders prädestiniert für Körperakne. Da spielen äußere Faktoren eine Rolle: Wenn die Temperaturen sinken, wird drinnen die Heizung aufgedreht und wir hüllen uns in Pullis, Schal und warme Jacken. Die Haut fühlt sich plötzlich trocken und empfindlich an. Sie bekommt keine Luft mehr, und es können Pickel sprießen. Und dann wären da noch die inneren Faktoren.
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So schöne Haut möchte man haben: Model bei Nensi Dojaka, Frühjahr/Sommer 2022
„Die Ursachen von Akne am Körper sind ähnlich denen der Gesichtsakne“, sagt Dr. Andrew Alexis, Master of Sciences Public Health am Weill Cornell College in New York. Dazu gehören entzündliche Prozesse in der Haut, eine verstärkte Öl-Produktion, Sebum und abgestorbene Hautzellen, die die Haarfollikel verstopfen. Haupt-Verursacher ist allerdings ein spezielles Akne-Bakterium mit dem Namen 'Cutibacterium'. Körperakne wird vorwiegend ausgelöst von Schweiß und Öl. Enganliegende Kleidung verstärkt das Ganze noch, deshalb leiden viele Sportler und Athleten unter dem Problem. Aber auch bei hormonellen Veränderungen wie in der Schwangerschaft oder in der Menopause tritt Körperakne häufiger auf, weil die Talgdrüsen dann aktiver arbeiten.

Die Darm-Gehirn-Haut-Achse

Wer das Problem am eigenen Körper kennt, sollte deshalb gerade an den Akne-gefährdeten Zonen keine zu eng anliegende Kleidung tragen und Stoffe, die reiben, vermeiden. Die Haut muss atmen können. Auch die Ernährung kann Einfluß nehmen. Klinische Studien haben gezeigt, dass der Verzicht auf Milchprodukte und Nahrungsmittel mit einem hohen glykämischen Index (Weißmehl, Zucker, Mais, Kartoffeln) Akne reduzieren kann.
Dr. Whitney Bowe, Dermatologin aus New York und Autorin von „The Beauty of Dirty Skin“, sieht eine enge Verbindung zwischen Darm, Gehirn und Haut. „Stress kann Körperakne absolut verschlimmern“, sagt sie. Bowe ist auch eine Verfechterin des Schönheitsschlafes, denn Schlaflosigkeit kann zu einem erhöhten Cortisol-Spiegel führen. Dieses Stresshormon verhindert die Produktion der körpereigenen Antibiotika, die unter anderem die Haut vor Pickeln und Ausschlag schützen.
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Schöner Rücken bei Jason Wu auf dem Laufsteg
Als Pionierin auf dem Gebiet der Erforschung der Darm-Gehirn-Haut-Achse beschreibt Bowe in ihrem Buch das Spektrum an Störungen der Haut, die im Darm verwurzelt sind − von hartnäckiger Akne und Rosacea bis hin zu Psoriasis, Ekzemen und vorzeitiger Faltenbildung. Sie ist der festen Überzeugung, dass weder Laser oder Skalpell noch Cremes eine dauerhaft gesunde, strahlende Haut garantieren. Die Lösung liegt laut Dr. Bowe im Mikrobiom, wo Billionen von Mikroben über das Gehirn mit der Haut „kommunizieren“. Deshalb sieht sie auch einen engen Zusammenhang zwischen Schlaf, Stress, Ernährung, Magen-Darm-Gesundheit und Hautzustand.

Bloß nicht reizen!

Überprüfen Sie Ihren Lebensstil und Ihre Angewohnheiten, wenn Sie aknegefährdet sind. Laut Dr. Alexis tritt Körperakne schätzungsweise bei mehr als der Hälfte der Gesichts-Aknepatienten auf. Tägliches Duschen oder Baden mit sanften, pH-neutralen Reinigungsmitteln ist erforderlich, ganz besonders nach einem schweißtreibenden Work-out. Hilfreich ist die Verwendung eines Duschgels mit Inhaltsstoffen, wie bakterienabtötendem Benzoylperoxid. Ein Peeling mit Glykol- oder Salicylsäure reduziert das Auftreten von dunklen Flecken. Allerdings darf man es mit der Reinigung auch nicht übertreiben oder zu scharfe Produkte benutzen.
Denn die wiederum stören das Hautmikrobiom und können Reizungen und Entzündungen hervorrufen, die die Körperakne nur noch verschlimmern. Dr. Bowe: „Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass ihre Akne ein Zeichen dafür ist, dass sie ‚schmutzig‘ oder unhygienisch sind. Sie versuchen dann, den Schmutz abzureiben oder zu schrubben, um die Haut gründlich zu ‚reinigen‘. Leider richten sie damit mehr Schaden als Nutzen an.“

Die beste Verteidigung

Mehr erreicht man, wenn man für eine intakte Barriere sorgt und die Haut mit entsprechenden Seren und Lotionen pflegt. Bowe empfiehlt Feuchtigkeitscremes mit Präbiotika und Ceramiden, die das Mikrobiom wieder ins Gleichgewicht bringen. Auf dicke, ölhaltige Körperpflege unbedingt verzichten, da diese nur zusätzlich reizen würden. Pickel und Mitesser werden nicht nur von komedogenen Substanzen wie Paraffinen, Emulgatoren, Silikonen und Lösungsmitteln hervorgerufen, sondern auch von so harmlos erscheinenden Stoffen wie Kokosnussöl, Kakaobutter oder Olivenöl.
Auch Haar-Shampoo und Conditioner können Pickelalarm auslösen. Auch wenn wir sie nicht direkt auf die Haut geben, können Rückstände gerade bei langen Haaren auf der Haut landen. Die Haare liegen mitunter den ganzen Tag auf Schultern, Rücken und Dekolletee auf. An die Haut kommt wenig Luft, und wenn sich dann Schweiß und Reste von Stylingprodukten verbinden, können unschöne Pickelchen entstehen. Waschmittel können ebenfalls für Hautreizungen sorgen. Dann am besten zu einem sogenannten Sensitiv-Waschmittel wechseln, das auch für Babys geeignet ist. Ein häufiger Wechsel gilt auch für Handtücher. Gerade im feuchten Zustand sammeln sich darin schnell Keime und Bakterien an, die beim erneuten Benutzen die Hautporen verunreinigen können.
Als gezieltes Spot-Treatment oder für Masken empfehlen sich Inhaltsstoffe wie Schwefel, Salicylsäure, Zink-PCA, Niacinamid und eine einprozentige Salicylsäure. Solche Intensiv-Produkte nur bei eitrigen Pickeln verwenden, da die Wirkstoffe die Haut stark austrocknen. Grundsätzlich gilt am Körper wie auch im Gesicht: Drücken oder Kratzen sind die größten Sünden bei Pickeln. Das kann Narben hinterlassen!
Mehr von unserer Autorin Margit Rüdiger lesen Sie jeden Freitag hier auf MODEPILOT.de – Ihre bisherigen Kolumnen gibt es hier >>> und mehr auf ihrem Blog Culture & Cream (>>>) Fragen, Wünsche, Feedback? Sie erreichen unsere Kolumnistin unter beautypro[@]modepilot.de
Photo Credit: Catwalkpictures

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