Neues vom Beauty Pro: Porentief nachgefragt

Können sie wirklich was? Oder sind Gesichtsspray, oft „Face Mists” genannt, auch nur ein Marketing-Tool? Gerade im Sommer ist man dafür offen, weil es doch eine unangenehm klebende Creme ersetzen könnte? Dennoch: Ich bin da zwiegespalten.
Sobald die Sonne sich Bahn bricht und uns Hitze beschert, sprießen Feuchtigkeitssprays wie Pilze aus dem Boden. Sie werden als der perfekte Frische-Kick und Wachmacher für jede Gelegenheit angepriesen.
„Ein Face Mist dient zur schnellen Erfrischung der Haut“, hat mir Loretta Miraglia, Senior Vice President Product Development von La Mer, mal bei einem Sommer-Lunch erklärt, während sie so ein Fläschchen aus der Tasche zog. „Es belebt, revitalisiert, beruhigt und entspannt die Haut. Gleichzeitig bügelt es kleine Trockenheitsfältchen aus.“

Wasser tut’s doch auch?

DKNY Modepilot wet look water runway
Wet look bei DKNY, Frühjahr/Sommer 2015
Aber kann ich mir nicht einfach Wasser ins Gesicht sprühen? Ob ein Face Mist tatsächlich mehr kann, gehört zu den häufigsten Fragen, die man als Beauty-Journalistin gestellt bekommt. Die Antwort ist „nein“, mit normalem Wasser funktioniert es nicht. Normales Wasser ist in der Regel viel zu kalkhaltig und trocknet die Haut noch zusätzlich aus.
Ob es egal ist, welches Gesichtsspray man benutzt, ist wieder eine andere Sache. Feuchtigkeit spenden sie alle. Das ist unbestritten. Aber man sollte auf die Inhaltsstoffe achten. Welche Wirksubstanzen enthalten sind und in welcher Konzentration. Denn das ist die Voraussetzung dafür, dass sie der Haut etwas bringen. Im Gegensatz zu früher sind die neuen Gesichtssprays eine Art sprühfähiges Serum. Sie enthalten nicht nur Blüten- oder Thermalwasser, sondern oft einem Serum identische Aktivstoffe, die mehr können als nur beruhigen und befeuchten. Zu den Power-Formeln in den Sprays gehören beispielsweise Vitamine, Niacinamid, Probiotika, Aloe Vera, antioxidatives Resveratrol oder Cannabidiol, Magnesiumsalze und Hyaluron, aber auch bleichende Substanzen werden eingesetzt.

Augen auf beim Kauf!

Als kleine Kaufhilfe, wenn Sie nach einem neuen Spray Ausschau halten: Achten Sie auf die Grundstoffe und, ob das Spray Feuchthaltemittel enthält. Glycerin oder Hyaluronsäure sollte drin sein. Dann haben Sie schon mal die Basis. Die hilft nämlich, die Feuchtigkeit in der Haut unter Verschluss zu halten und die Oberfläche zu befeuchten. Dann können Sie auch nach den Wirksubstanzen forschen, die den derzeitigen Bedürfnissen Ihres Hautzustandes entsprechen. Mit der richtigen Formulierung ist es nicht mehr nur eine Erfrischung mit Aufpolsterungseffekt, sondern noch etwas mehr, z.B. etwas gegen Akne oder etwas Langanhaltendes gegen trockenen Teint oder oder oder.
Kontraproduktiv also dehydrierend kann ein Face Mist dann wirken, wenn man sich in einer extrem trockenen Umgebung befindet oder im Winter, wenn die Haut von Natur aus trockener ist. Benutzt man dann in dieser Situation – trockene Haut und trockene Luft – ein Hyaluronsäure-Spray, kann das alleine nicht viel ausrichten. Denn Hyaluron wirkt wie ein Feuchtigkeits-Magnet, der aus der Haut und der Umgebung Feuchtigkeit bezieht. Fühlt man das auf der Haut, gibt es einen Trick, die guten Inhaltsstoffe des Sprays an die Haut zu binden. Man gibt zum „Versiegeln“ über den Sprühnebel einen Moisturizer oder ein Gesichtsöl. Aber das möchte man bei Hitze vielleicht gerade vermeiden.

Face Mist statt Essence

Überhaupt kommt es auf die richtige Anwendung an. Ein toller Tipp für morgens ist es, einen Sprühstoß nach der Reinigung und vor Serum und Feuchtigkeitspflege auf das Gesicht zu geben. Dadurch können die nachfolgenden Produkte besser aufgenommen werden und effektiver wirken – ähnlich wie eine Essence, nur der Sprühnebel ist erfrischender. Außerdem ist es auch eine ideale Vorbereitung, bevor man die Foundation aufträgt. Wer jetzt allerdings glaubt, dass er damit im Sommer eine schnelle Pflege-Nummer durchziehen kann, den muss ich enttäuschen. Ein Sprühnebel ist kein Ersatz für die die normale Feuchtigkeitscreme, sondern eher eine unterstützende Maßnahme zur täglichen Beauty-Routine.
Gesprüht wird immer bei geschlossenen Augen aus einer Entfernung von etwa fünfzehn Zentimetern. Nichts belebt mehr an einem heißen Sommertag als ein kühler Spritz, der sich wie ein feiner Nebel auf die Haut legt. Aber wer ihn nicht direkt ins Gesicht sprühen möchte, kann den Erfrischer auch mit einem Wattepad auftupfen.
Allerdings muss man bedenken, dass auf diese Weise immer einiges an Flüssigkeit in dem Pad hängen bleibt. Auch bei kleinen Schmink-Pannen sind Face Mists hilfreich. Zu viel Make-up lässt sich auf der angefeuchteten Haut damit leichter verblenden. Und für den Extra-Glow am Abend: Anstatt die Haut mit Puder zu mattieren, lieber ein Face Mist aufsprühen. Das ergibt ein strahlend-frisches Finish. Und etwas Glanz steht der Haut im Sommer ohnehin gut!
Mehr von unserer Autorin Margit Rüdiger lesen Sie jeden Freitag hier auf MODEPILOT.de – Ihre bisherigen Kolumnen gibt es hier >>> und mehr auf ihrem Blog Culture & Cream (>>>) Fragen, Wünsche, Feedback? Sie erreichen unsere Kolumnistin unter beautypro[@]modepilot.de
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